Epidemie Schweinegrippe fordert weitere Tote in der Ukraine

Die Schweinegrippe-Welle in der Ukraine nimmt immer größere Ausmaße an. Inzwischen sind dort offenbar mehr als 90 Tote zu beklagen, eine halbe Million Menschen sollen infiziert sein. Auch in Deutschland ist die Zahl der Todesopfer gestiegen.

Fußballfans mit Masken (beim Spiel von Dynamo Kiew gegen Inter Mailand am 4. November): Die ukrainische Regierung versucht, die Epidemie einzudämmen
DPA

Fußballfans mit Masken (beim Spiel von Dynamo Kiew gegen Inter Mailand am 4. November): Die ukrainische Regierung versucht, die Epidemie einzudämmen


Kiew/Frankfurt am Main - Die Schweinegrippe verbreitet sich in der Ukraine derzeit mit enormer Geschwindigkeit. 93 Menschen seien inzwischen gestorben und fast eine halbe Million infiziert, berichtete der ukrainische Fernsehsender Fünfter Kanal am Mittwoch. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte die Zahl der Schweinegrippe-Toten in der Ukraine zuletzt auf 70 taxiert, allerdings stammt diese Zahl vom 2. November.

Die WHO rechnet damit, dass es sich bei den Erkrankungen in der Ukraine vorwiegend um Schweinegrippe handelt. Weil das H1N1-Virus inzwischen weltweit zum dominanten Influenza-Stamm geworden sei, könne davon ausgegangen werden, dass auch die meisten Grippefälle in der Ukraine davon ausgelöst worden seien, hieß es in einer WHO-Mitteilung. Die genaue Zahl der nachgewiesenen Schweinegrippe-Todesfälle war weiter unklar. Nach WHO-Angaben laufen die meisten Nachweisverfahren noch.

In der Ukraine kam es zuletzt zu widersprüchlichen Informationen über das Ausmaß der Schweinegrippe - auch wegen der Machtkämpfe vor der für Januar geplanten Präsidentenwahl. Während der Staatschef Wiktor Juschtschenko von einer Epidemie sprach, sagte die Regierungschefin Julia Timoschenko, es handele sich nur um wenige Fälle. Weil die Ukraine kein Geld zur Bekämpfung der Schweinegrippe hat, haben mehrere Länder bereits Hilfe geleistet oder angekündigt.

Der Ausbruch in der Ukraine könne Aufschluss darüber geben, wie sich das pandemische H1N1-Virus in der nördlichen Hemisphäre während der Wintermonate verhalte, teilte die WHO mit. Die Organisation empfahl bei Krankheitssymptomen dringend die Behandlung mit Medikamenten. Insgesamt halten sich neun WHO-Experten im Land auf, um vor allem in der schwer getroffenen Westukraine die Lage zu analysieren. Wegen der Epidemie sind in der Ukraine zunächst für einen Zeitraum von drei Wochen alle Bildungseinrichtungen und Kindergärten geschlossen sowie Veranstaltungen mit größeren Menschenmengen verboten.

Neunter Todesfall in Deutschland

In Deutschland ist die Zahl der Toten im Zusammenhang mit der Schweinegrippe auf neun gestiegen. Am Mittwoch wurden zwei Todesfälle in Baden-Württemberg bekannt. Eine 52-jährige Schweinegrippe-Patientin starb am Mittwoch in Stuttgart. Die Frau habe an einer chronischen Vorerkrankung gelitten, teilte das baden-württembergische Sozialministerium mit. "Aussagen zum ursächlichen Zusammenhang des Erregers mit dem Eintritt des Todes können derzeit noch nicht gemacht werden", hieß es weiter.

Bei dem zweiten Todesopfer handelt es sich um einen 29 Jahre alten Mann. Er litt seit Jahren unter schwersten Erkrankungen der Niere und Leber und war auf der Warteliste für eine Organtransplantation, wie das Universitätsklinikum Heidelberg am Mittwoch mitteilte. Der Mann sei bereits am Sonntag gestorben.

Auch in Berlin wurde bei einem an Herz-Kreislauf-Versagen gestorbenen 40-Jährigen der Schweinegrippe-Erreger nachgewiesen. Eine Obduktion solle jetzt klären, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Tod des Patienten und der Infektion gibt, teilte der Gesundheitssenat mit.

Wegen der steigenden Zahl der Schweinegrippe-Erkrankungen sollten sich nach Einschätzung von Fachärzten auch Kinder unter drei Jahren gegen das H1N1-Virus impfen lassen. Zuverlässige Studiendaten aus anderen europäischen Ländern und zum Teil auch aus Deutschland zeigten, dass bereits sehr junge Kinder die Impfung ohne schwerwiegende Probleme vertragen könnten, erklärte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann.

Sorge um Erfolg der Impfkampagne

Weil voraussichtlich schwere Erkrankungen fälschlich als Nebenwirkungen der Impfung angesehen werden, sorgen sich Experten um den Erfolg der Impfkampagne. Nach Berechnungen eines internationalen Expertenteams ist bei einer Impfung von 30 Millionen Bundesbürgern damit zu rechnen, dass drei Menschen innerhalb einer Woche danach plötzlich sterben, zehn weitere an der aufsteigenden Nervenlähmung Guillain-Barré-Syndrom (GBS) und 20 Menschen an einer Entzündung des Sehnervs erkranken werden. Bei 280 von 100.000 Schwangeren seien spontane Schwangerschaftsabbrüche innerhalb einer Woche nach der Impfung zu erwarten. Diese Fälle spiegelten aber lediglich die normale Erkrankungsrate in der Bevölkerung wider und würden daher auch unabhängig von der Impfaktion eintreten, betonen die Autoren der Studie, die am vergangenen Wochenende im britischen Fachblatt "The Lancet" veröffentlicht wurde.

Tiere scheinen dagegen kaum etwas mit der Seuche zu tun zu haben. "Bisher deutet nichts darauf hin, dass Tiere irgendeine besondere Rolle in der Verbreitung des pandemischen H1N1-Virus unter Menschen spielen", erklärte die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) am Mittwoch in Paris. Influenzaviren können unter anderem Geflügel und Schweine infizieren.

Die Gesundheitstests, die bei für den Welthandel bestimmten Tieren vor deren Export durchgeführt werden, reichten aus, so die OIE. Für den Handel "mit lebenden Schweinen oder anderen Tieren und ihren Produkten sind keine besonderen Maßnahmen nötig". Das gelte auch für Labortests.

mbe/dpa/AP

Forum - Schweinegrippe – Müssen wir Angst vor dem Virus haben?
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Seite 1
IsArenas, 02.05.2009
1.
Nein, niemand *muss* Angst haben, unabhängig von allem, was geschieht. Angst ist sowieso ein schlechter Ratgeber, zuweilen zwar wichtig als Selbstschutz, wird aber schnell selbst krankmachend und/oder eine Krankheit. Ich schließe nicht aus, gewaltsam (Flugzeugabsturz, Verkehrsunfall, Terrorakt), durch Krebs oder noch früher durch Herzinfarkt oder Schlaganfall oder was weiß ich oder eben durch eine Virus- odere Bakterieninfektion ums Leben zu kommen, bevor ich mich der durchschnittlichen Lebenserwartung nähere. Zur angeblichen Hauptrisikogruppe zähle ich auch noch, na wunderbar. Nein, die Grippe macht mir definitiv keine Angst, wenn ich den nächsten Monaten daran sterben soll, dann war's das halt. Ich glaube aber nicht daran, meine Schulden werde ich wohl zahlen müssen -- sprich, ich habe andere Sorgen und erfreue mich ansonsten des Lebens in der Gegenwart ;-)
Crackerjack 02.05.2009
2.
Zitat von IsArenasNein, niemand *muss* Angst haben, unabhängig von allem, was geschieht. Angst ist sowieso ein schlechter Ratgeber, zuweilen zwar wichtig als Selbstschutz, wird aber schnell selbst krankmachend und/oder eine Krankheit. Ich schließe nicht aus, gewaltsam (Flugzeugabsturz, Verkehrsunfall, Terrorakt), durch Krebs oder noch früher durch Herzinfarkt oder Schlaganfall oder was weiß ich oder eben durch eine Virus- odere Bakterieninfektion ums Leben zu kommen, bevor ich mich der durchschnittlichen Lebenserwartung nähere. Zur angeblichen Hauptrisikogruppe zähle ich auch noch, na wunderbar. Nein, die Grippe macht mir definitiv keine Angst, wenn ich den nächsten Monaten daran sterben soll, dann war's das halt. Ich glaube aber nicht daran, meine Schulden werde ich wohl zahlen müssen -- sprich, ich habe andere Sorgen und erfreue mich ansonsten des Lebens in der Gegenwart ;-)
Hierzu ein von Herzen kommender Applaus.
descartes101, 02.05.2009
3.
Zitat von sysopDie Schweinegrippe hat auch Europa erreicht, die EU rechnet mit Todesopfern. Wie berechtigt ist die Angst vor dem Virus?
Lächerlich. Das Grippevirus rekombiniert sich jede Saison neu, weshalb die Impfungen auch dann nicht mehr wirksam sind. Mal ist es virulenter, mal weniger. Jedenfalls sterben immer auch Menschen daran. Das ganze ist eine haltlose Hysterie, wahrscheinlich damit unsere tüchtigen Regierungen mal behaupten können, sie hätten eine Situation im Griff. Das ist natürlich besonders leicht bei einer Situation, die so oder so nicht eskaliert. Wenn ein hemorrhagisches Fieber wie Ebola durch die Ballungszentren zieht, dann lohnt es sich zuhause zu bleiben. Aber eine dämliche Papiermaske schützt niemanden vor Ansteckung. Das gleiche Prinzip wurde von den USA im kalten Krieg angewendet, wo man den Leuten erzählte, dass es helfe, sich im Falle eines Nuklearangriffs unter den Tisch zu hocken mit einer Zeitung über dem Kopf. Aua, aua. Seit damals hat sich wirklich nichts verändert.
Hans58 02.05.2009
4.
Zitat von sysopDie Schweinegrippe hat auch Europa erreicht, die EU rechnet mit Todesopfern. Wie berechtigt ist die Angst vor dem Virus?
Nein, wir müssen keine Angst haben, selbst wenn hier zum x-ten Male eine Diskussion über das Thema eröffnet wird.
firefly 02.05.2009
5.
Sie können sich ja gleich mal mit dem Papst zusammentun. Für den ist HIV auch kein Problem und alles nur Panik mache. Und Medikamente im Falle einer HIV-Infektion würde ich ihnen auch nicht empfehlen. Die wirken nämlich garnicht und dienen nur zum Geldschäffeln der Pharmaindustrie. /Ironie
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