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Langzeitstudie: Epilepsie erhöht Sterberisiko drastisch

Nervenzellen (Illustration): Bei epileptischen "Aussetzern" spielen Neuronen verrückt, selbst Störungen des Bewusstseins können die Folge sein Zur Großansicht
Corbis

Nervenzellen (Illustration): Bei epileptischen "Aussetzern" spielen Neuronen verrückt, selbst Störungen des Bewusstseins können die Folge sein

Epilepsie kann die Lebenserwartung senken. Wie stark, zeigt eine Langzeitstudie mit rund 730.000 Schweden. Menschen mit Epilepsie sterben demnach mehr als zehnmal so häufig vor ihrem 56. Geburtstag. Schuld sind offenbar auch psychische Probleme.

Menschen mit Epilepsie haben ein drastisch erhöhtes Risiko für einen frühen Tod. Im Vergleich zur übrigen Bevölkerung ist bei ihnen die Wahrscheinlichkeit mehr als verzehnfacht, vor dem Alter von 56 Jahren zu sterben, wie eine britisch-schwedische Langzeitstudie zeigt. Besonders gefährdet sind demnach jene Menschen, die neben Epilepsie entweder eine psychische Erkrankung haben oder aber Alkohol oder andere Drogen konsumieren. Das schreiben Forscher um Seena Fazel von der Universität Oxford in der Zeitschrift "The Lancet".

Weltweit haben etwa 70 Millionen Menschen regelmäßig epileptische Anfälle. Dass Epilepsie die Lebenserwartung senken kann, war bereits bekannt. Nun untersuchten Forscher aus Oxford und vom Karolinska-Institut in Stockholm Daten von rund 70.000 Menschen mit Epilepsie, die in Schweden zwischen 1954 und 2009 zur Welt kamen, bis zum Alter von 56 Jahren. Diese Informationen, im Mittel über eine Zeit von neun Jahren erhoben, verglichen sie mit denen von etwa 660.000 vergleichbaren anderen Schweden.

Neurologen und Psychiater gefordert

Im Studienzeitraum starben fast neun Prozent der Teilnehmer mit Epilepsie, aber nur 0,7 Prozent der Menschen aus der Vergleichsgruppe. In der Epilepsie-Gruppe waren Unfälle oder Suizid mit fast 16 Prozent die dritthäufigste Todesursache. Drei Viertel der davon Betroffenen hatten eine psychiatrische Diagnose erhalten wie etwa Depression oder Angststörung. Menschen mit Epilepsie und Drogenkonsumenten hatten - im Vergleich zu Teilnehmern ohne beide Faktoren - eine um das 22-fache erhöhte Gefahr für einen tödlichen Unfall.

Im Vergleich zu leiblichen Geschwistern hatten Menschen mit Epilepsie ein ähnlich stark erhöhtes Sterberisiko wie zur Durchschnittsbevölkerung. Dies werten die Forscher als Beleg dafür, dass Epilepsie ein unabhängiger Risikofaktor ist. Gerade jene Betroffenen, die zusätzlich noch psychische Probleme hätten, müssten dringend besser versorgt und unterstützt werden, fordert Fazel.

Der an der Studie beteiligte Psychiater Charles Newton bemängelt, dass Epilepsie in westlichen Ländern oft nur von Neurologen behandelt werde. Die Studie zeige, dass Psychiater und auch Suchtberatungen stärker in die Versorgung einbezogen werden müssten.

che/dpa

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insgesamt 19 Beiträge
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1. ...ach wie gut...
hr_schmeiss 22.07.2013
Zitat von sysopCorbisEpilepsie kann die Lebenserwartung senken. Wie stark, zeigt eine Langzeitstudie mit rund 730.000 Schweden. Menschen mit Epilepsie sterben demnach mehr als zehnmal so häufig vor ihrem 56. Geburtstag. Schuld sind offenbar auch psychiatrische Probleme. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/epilepsie-steigert-risiko-fuer-fruehen-tod-drastisch-a-912342.html
...dass die Schuldfrage schon mal geklärt ist. Sollte dann umgehend zur Verantwortung gezogen werden. Ach ja, was denn nun, sind es nun "psychische" oder "psychiatrische" Probleme?
2. Eigentlich komisch
kaktebenestydno 22.07.2013
Wenn man an Epilepsie leidet, stirbt man früher. Gut, dass das jetzt auch eine Studie nachweist...hätte ich sonst nicht geglaubt, ich meine, hej, regelmäßig ein paar Grand-Mal-Anfälle sind doch eher erfrischend...und danach einen Dujardin.
3. Ooops...
ypsipa 22.07.2013
... ja, hm, wie schon gesagt was denn nun ? -psychische Probleme oder psychiatrisch krank? Außerdem besteht ein Unterschied zwischen der Erkrankung, die im medzinischen Sinne eine "Epilepsie" genannt wird einerseits und vielen anderen Erkrankungen bei denen ein epileptischer Anfall als eines von mehrerern Symptomen auftreten kann (Sonnenstich, Unfälle unter Einfluss elektrischen Stroms, Unterzuckerung, Vergiftung, Alkoholeinfluss, Kopfverletzung, Hirnverlezung etc.) - also lieber nicht die Leute verschrecken - insbesondere nicht die , die unter einer Epilepsie (= Erkrankung deren einziges Symtom der epileptische Anfall ist) leiden und ggf. nachfragen.
4. Alles macht jetzt Sinn
squizzelchen 22.07.2013
erkrankte sterben also 10x so häufig wie gesunde. Wenn ich also als "Gesunder" 3 Mal vor meinem 56. Lebensjahr sterbe, wäre ich als Epileptiker schon etwa 30 Mal gestorben. Welch ein Glück, dass ich Gesund bin.
5. Soziale Mangelerscheinung
Spiegelansgar 22.07.2013
wer anhaltend depressiv oder drogenabhaengig ist, wird wohl gleichzeitig sehr einsam sein und nicht sofort in ein Soziales Netz fallen, wenn der Kramfanfall einsetzt. - Die Gefahr, immer wieder unbehandelt in einen " Status" zu geraten, der die Gefahr von Unfall und Stuerzen bedeutet , aber auch Erstickung durch Atemverzoegerung und Einatmung von Speiseresten, dieses Risiko verringert sich enorm bei einer sozial gut integrierten Persoenlichkeit, die unmittelbare Hilfe im Anfall erfaehrt und gut auf Medikamente eingestellt ist.- Der Abhaengige und unbehandelt Depressive zaehlt nicht zu den Musterknaben in Sachen Gesundheitsvorsorge und Medikamentenglaeubigkeit.
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Epilepsie
Krankheitsbild
Im Deutschen wird Epilepsie auch als Fallsucht oder Krampfleiden bezeichnet. Typische Symptome von Epilepsie sind wiederkehrende Krampfanfälle oder "Aussetzer" des Gehirns. Während eines Anfalls entladen sich bestimmte Neuronengruppen gleichzeitig - sie spielen verrückt. Oft kommt es dann zu plötzlichen Verhaltensstörungen wie Zuckungen oder Muskelstarre. Auch Störungen des Bewussstseins können die Folge sein. Diese führen zu plötzlichen Verhaltens- oder Befindungsstörungen.
Einteilung
Man unterscheidet verschiedene Arten von Epilepsie - je nachdem, ob möglicherweise eine Schädigung im Gehirn vorliegt oder stoffwechselbedingte Ursachen dafür in Frage kommen, spricht man von einer symptomatischen Epilepsie. Kann man solche Ursachen nicht feststellen, handelt es sich um eine sogenannte genuine Epilepsie. Auch nicht an Epilepsie erkrankte Mensch können Krampfanfälle bekommen. Diese werden als Gelegenheitskrämpfe bezeichnet.
Ursachen
Epilepsie hat viele Ursachen und verläuft unterschiedlich. Es gibt aber genetische Veranlagungen, die ein Anfallsleiden begünstigen. So haben Forscher beispielsweise festgestellt, dass bestimmte Mutationen im Gen eines Rezeptors für Botenstoffe im Hirn die Krankheit verursachen können. Neben Hirn- oder Stoffwechselstörungen gibt es jedoch eine Reihe weiterer Faktoren. Fieber, Schlafenzug, starke körperliche Anstrengung oder der Konsum bestimmter Drogen wie Alkohol, Ecstasy oder Kokain können auch Gelegenheitskrämpfe auslösen.
Behandlung
Bei einem akuten Krampfanfall sollte man vor allem dafür sorgen, dass sich der Krampfende keinen zusätzlichen Schaden zuzieht: Alle umgebenden Objekte von denen eine Gefahr auszugehen droht, sollten außer Reichweite gebracht oder abgeschirmt werden. Festhalten sollte man Krampfende, ausgenommen badende, nicht. Ansonsten ist Epilepsie heute eigentlich gut behandelbar. Das Ziel der Dauerbehandlung ist es, den Patienten von Krampfanfällen vollständig zu befreien. Zwei Drittel der Patienten bekommen ihre Krankheit mit den verfügbaren Medikamenten in Griff. Bleiben sie mindestens zwei Jahre anfallsfrei, können die Medikamente nach und nach abgesetzt werden. Ein Drittel aller Patienten ist jedoch nicht therapierbar. Daher suchen Forscher weiterhin nach neuen Ansätzen für eine Behandlung.


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