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Erbgut-Analyse: Forscher entdecken Bluthochdruck-Gene

In 28 Erbgut-Regionen haben Wissenschaftler Gene identifiziert, die eine wichtige Rolle für die Regulierung des Blutdrucks beim Menschen spielen. Die Entdeckung könnte bei der Entwicklung neuartiger Medikamente gegen Bluthochdruck helfen.

Blutdruckmessung (Archivbild): 28 Genfaktoren bestimmt Zur Großansicht
DPA

Blutdruckmessung (Archivbild): 28 Genfaktoren bestimmt

Zu hoher Blutdruck ist eine Volkskrankheit: Fast jeder zweite Deutsche ist betroffen, zu den möglichen Folgen gehören Augen- und Gefäßerkrankungen sowie Herzschwäche. Mit einer aufwendigen Genanalyse haben Wissenschaftler nun 28 Regionen im Erbgut ermittelt, die eine entscheidende Rolle bei der Regulierung des Blutdrucks spielen. Bisher waren erst wenige erbliche Komponenten des Bluthochdrucks bekannt, zumeist ging es um seltenere Formen der Krankheit. Jetzt aber habe man zahlreiche genetische Risikofaktoren auch für den gewöhnlichen Bluthochdruck identifiziert, heißt es in zwei Studien, die in den Fachblättern "Nature" und "Nature Genetics" erschienen sind.

Die Wissenschaftler hatten Genvarianten von mehr als 200.000 Personen europäischer Abstammung sowie von 74.000 Asiaten und Afrikanern analysiert. Bei vielen Regionen im Erbgut, die demnach im Zusammenhang mit dem Blutdruck stehen, sei dies völlig unerwartet gewesen, so die Forscher. "Die Identifizierung der neuen Genvarianten erweitert unser bisheriges Wissen über die Faktoren, die den Blutdruck beeinflussen", sagt Christopher Newton-Cheh vom Massachusetts General Hospital, einer der Autoren der "Nature"-Studie. Man kenne nun potentielle Ansatzstellen für neue Medikamente und für Maßnahmen, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen besser als bisher vorzubeugen.

Stoffwechselweg beeinflusst Blutdruck

Zum ersten Mal habe man auch die Beteiligung eines wichtigen Stoffwechselweges an der Steuerung des Blutdrucks festgestellt. Drei der 28 DNA-Regionen, die den Blutdruck beeinflussen, beinhalteten Gene, die Teil des sogenannten cGMP-Systems sind. Dieser Signalweg steuert unter anderem die Weitung der Blutgefäße und die Ausscheidung von Natrium durch die Nieren.

Diese Erkenntnis eröffne neue Möglichkeiten für die Behandlung von Bluthochdruck. "Es sind bereits mehrere Wirkstoffe gegen Lungenhochdruck und Herzversagen in der Entwicklung, die diesen Stoffwechselweg ansprechen", sagt Newton-Cheh. Die neuen Ergebnisse deuteten nun daraufhin, dass diese Mittel auch gegen Bluthochdruck im Allgemeinen wirksam sein könnten.

2,5 Millionen Genvarianten untersucht

An der Suche nach den Blutdruckgenen hatten sich 346 Wissenschaftler in 24 Ländern beteiligt. Die Forscher suchten zunächst in Gendatenbanken nach Genmustern, die besonders häufig bei Bluthochdruck-Patienten aufzutreten schienen. Unter den mehr als 2,5 Millionen analysierten Genvarianten von insgesamt 69.000 Personen europäischer Abstammung fanden sich einige vielversprechende Kandidaten. Diese Genvarianten testeten die Wissenschaftler an 133.000 weiteren Personen auf einen Zusammenhang mit Blutdruckanomalien.

"29 Mutationen an 28 Genorten waren signifikant mit dem systolischen Blutdruck, dem diastolischen oder beiden verknüpft", schreiben die Forscher. 16 dieser Genvarianten seien völlig unbekannt gewesen. 22 der DNA-Regionen enthielten Gene, für die man zuvor keinen Zusammenhang mit dem Blutdruck vermutet hätte. Die genetischen Risikofaktoren seien auch bei den 74.000 Personen asiatischer und afrikanischer Abstammung stark mit Bluthochdruck verknüpft gewesen. Auch zur koronaren Herzkrankheit und Schlaganfall habe man einen Zusammenhang gefunden.

hda/dapd

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