Erbgut-Analyse Forscher entdecken neue Alzheimer-Risikogene

Jahrelang haben Forscher im Erbgut Zehntausender Menschen nach Auslösern für Alzheimer gefahndet. Jetzt präsentieren sie fünf bisher unbekannte Risikogene. Sie könnten helfen, die Entstehung der Krankheit zu enträtseln - und sie so möglicherweise zu stoppen.

Erbgutmolekül DNA (Illustration): Bestimmte Genvarianten erhöhen das Alzheimerrisiko
NHGRI

Erbgutmolekül DNA (Illustration): Bestimmte Genvarianten erhöhen das Alzheimerrisiko


Wenn Ärzte heute bei einem Patienten Alzheimer diagnostizieren, können sie wenig tun: Es gibt bisher keine Möglichkeit, die Krankheit aufzuhalten, bei der die geistigen Fähigkeiten schleichend, aber unweigerlich schwinden. Lediglich die Begleitsymptome lassen sich behandeln. Schon heute leben Hunderttausende Alzheimerkranke in Deutschland, bis 2050 könnte sich ihre Zahl laut dem Demenz-Report des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung verdoppeln.

Um die Entwicklung der Demenzerkrankung besser zu verstehen, suchen Forscher nach Risikogenen, die mit der Alzheimer-Krankheit in Verbindung stehen. Vier solcher Erbinformatonen sind bereits bekannt - jetzt berichten zwei internationale Forschergruppen im Fachblatt "Nature Genetics" von fünf weiteren.

Diese Genvarianten zeigten drei grundlegende Mechanismen auf, die mit der Krankheit zusammenhängen, sagt Richard Mayeux vom US-amerikanischen Alzheimer's Disease Genetic Consortium (ADGC), das einen der Fachartikel veröffentlicht hat.

Vier Mechanismen mit der Krankheit verknüpft

Die vier zuvor entdeckten Risikogene hängen laut Mayeux allesamt mit der Anhäufung von Eiweißklumpen in Nervenzellen zusammen. Diese sogenannten Amyloid-Plaques sind eine markante Veränderung in den Gehirnen von Alzheimer-Patienten. Die jetzt identifizierten Risikogene spielten dagegen eine Rolle beim Fettstoffwechsel, bei Entzündungen und bei der Bewegung von Molekülen innerhalb von Zellen. "Wir haben eventuell vier Mechanismen, die eng mit der Krankheit verknüpft sind", sagt Mayeux. Er hofft, dass das ein entscheidender Hinweis für die weitere Forschung ist: Könnte man einen oder mehrere dieser Prozesse beeinflussen, ließe sich das Fortschreiten der Krankheit vielleicht endlich stoppen.

Den Erkenntnissen liegt eine extreme Fleißarbeit zugrunde. Im Erbgut von mehr als 54.000 Menschen suchten die ADGC-Forscher nach Genvarianten, die bei an Alzheimer Erkrankten häufiger auftauchen als bei Gesunden. Das Projekt zog sich über mehrere Jahre und konnte am Ende vier der neuen Risikogene identifizieren. Ein zweites internationales Team berichtet in "Nature Genetics" vom Fund des fünften Gens.

Alzheimer ist die häufigste Demenzerkrankung im Alter. Wie das ADGC berichtet, sind ab einem Alter von 65 Jahren 13 Prozent der Bevölkerung betroffen, bei den über 80-Jährigen sind es sogar 30 bis 50 Prozent. In Deutschland leben Schätzungen zufolge 1,3 Millionen Demenzkranke, zwei Drittel von ihnen leiden an Alzheimer.

wbr



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insgesamt 7 Beiträge
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kalumeth 04.04.2011
1. Genforschung ist Mode: ein teures Stochern im Heuhaufen mit vagem Erfolg
Zitat von sysopJahrelang haben Forscher im Erbgut zehntausender Menschen nach Auslösern für Alzheimer gefahndet. Jetzt präsentieren sie fünf bisher unbekannte Risikogene. Sie könnten helfen,*die Entstehung*der*Krankheit zu enträtseln - und sie so möglicherweise zu*stoppen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,754916,00.html
Eine Signifikanz der betroffenen Genvarianten tatsächlich an Alzheimer zu erkranken, wurde im Artikel nicht erwähnt. Alles sehr vage. Wahrscheinlich käme man viel weiter, würde man in der Biographie erkrankter Menschen nach psychosomatischen bzw. Verhaltens-Auslösern forschen...
Baracke Osama, 04.04.2011
2. --
Zitat von kalumethEine Signifikanz der betroffenen Genvarianten tatsächlich an Alzheimer zu erkranken, wurde im Artikel nicht erwähnt. Alles sehr vage. Wahrscheinlich käme man viel weiter, würde man in der Biographie erkrankter Menschen nach psychosomatischen bzw. Verhaltens-Auslösern forschen...
Mich würde in diesem Zusammenhang die Wirkung von Aspartame, BPA, Pestiziden und weiteren tollen Stoffen interessieren. Es ist gut möglich, dass diese Stoffe die Krankheitssymptome verstärken oder sogar hervorrufen.
marvinw 05.04.2011
3. Haben solche Entdeckungen überhaupt Sinn?
Es wird wieder etwas neu entdeckt was man vorher eigentlich für erforscht gehalten hat. Dann wird es später wieder bezweifelt. Dann wird wieder etwas vermutet und als Neuentdeckung verkauft. Und natürlich entdeckt man wieder neue Gene für irgendwas. Das kommt einem vor als würde einer im Dunkeln rumlaufen und nach der Tür suchen. Und im Kuckuckshimmel Nr.7 ist alle vorstellbar.
Satiro, 05.04.2011
4. Vergreisende Gesellschaft?
Da wird von technisch- wissenschaftlichem Fortschritt und neuen Erkenntnissen berichtet und schon kommen Sie wieder die Bedenkenträger und Ewiggestrigen: "Genforschung ist Mode: ein teures Stochern im Heuhaufen mit vagem Erfolg" _____________________________ "Haben solche Entdeckungen überhaupt Sinn? "
koh 05.04.2011
5. Kein Unsinn, aber auch kein Durchbruch
Schön, daß über solche Themen auch mal bei SpOn berichtet wird, schade daß die Darstellung doch etwas missverständlich geraten ist. Es handelt sich bei den 4-5 beschriebenen Genen keineswegs um die ersten Gene, die mit 'spätem' Alzheimer assoziiert sind, und auch nicht um die wichtigsten - es sind nur einfach 4-5 weitere Gene, deren Variante einen Einfluß auf die Alzheimer-Wahrscheinlichkeit haben. Daher ist diese Arbeit alles andere als ein Durchbruch. #2 kritisiert das Fehlen von Signifikanzen und lastet das der "Genforschung" an. Das ist allerdings nicht ganz fair, weil in den Originalarbeiten in NCB die Signifikanzen selbstverständlich erwähnt sind (1E-8 bis 1E-9 in der metaanalyse. Neben der Signifikanz ist der Einfluß der Variation auf die Alzheimer-Wahrscheinlichkeit eine wichtige Größe, und da sehen die neuen Gene gar nicht so gut aus. Auf jeden Fall verblassen sie gegen die lange bekannte ApoE2 Variation, die einen richtig starken Einfluss (bis zu 100-fach) auf die AD Wahrscheínlichkeit hat Und was die Sinnfrage #4 angeht, da kann man tatsächlich geteilter Meinung sein. Ich glaube zwar kaum daß irgendjemand mal Alzeimer als 'genügend erforscht' angesehen hat - die Krankheit ist immer noch völlig unzureichend Verstanden. Auf der anderen Seite hat sich allerdings die frühere Hoffnung nie erfüllt, über solche schwach-assoziierte Gene die Krankheit besser zu verstehen. Das funktioniert gut bei monogenischen Kranheiten (eine Genvariante = "Defekt" führt zur Krankeit), aber bei polygenischen Krankeheiten (viele Genvarianten haben einen schwachen Einfluss, dazu kommen Umwelt-Einflüsse) sind wir WEIT von einem Verständnis entfernt. Der aktuelle Wert von solchen Varianten liegt also mehr in der Diagnostik oder Prognostik. Und ohne Heilungsmöglichkeit hilt uns das nicht so arg weiter. Man sollte allerdings auch brücksichtigen, dass diese Art von Analysen nicht so wahnsinnig teuer sind, wie hier angenommen wird, und Tiere werden auch keine gequält...
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