Erbguttests Wissenschaftsakademien fordern Gesetzesreform

Namhafte deutsche Wissenschaftsakademien drängen auf eine Änderung des Gendiagnostikgesetzes. Sie beklagen, dass die Regeln in der medizinischen Praxis kaum umsetzbar sind - und nicht dem aktuellen Stand der Technologie entsprechen.

Gentest mit Wattestäbchen: "Zeitalter der genetischen Medizin"
DDP

Gentest mit Wattestäbchen: "Zeitalter der genetischen Medizin"


Berlin - Das Urteil der Experten ist vernichtend: Das in den letzten Tagen der großen Koalition auf den Weg gebrachte Gendiagnostikgesetz muss dringend nachgebessert werden. Es regelt den Umgang mit Erbguttests - doch nicht besonders zufriedenstellend, wie gleich drei große Wissenschaftsakademien in einer gemeinsamen Stellungnahme beklagen. Wesentliche Teile des Gesetzes entsprächen nicht dem Stand der Technologie oder seien nicht umsetzbar, heißt es in dem Papier.

Erarbeitet hatten die Stellungnahme die Nationale Akademie der Wissenschaften (Leopoldina), die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) und die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Sie halten das "Gesetz über genetische Untersuchungen beim Menschen" insgesamt für lückenhaft und mit "zu heißer Nadel gestrickt".

Bei der Gendiagnostik geht es darum, frühzeitig eine Neigung zu bestimmten genetisch bedingten Krankheiten wie einige Krebsleiden zu erkennen. "Wir treten in das Zeitalter der genetischen Medizin ein", erklärte Peter Propping, der Leiter der Expertengruppe, die die Stellungnahme erarbeitet hat. Die aktuell in der schwarz-gelben Koalition umstrittene Präimplantationsdiagnostik (PID) spielt in dem Papier allerdings keine Rolle.

In der aktuellen Fassung des Gesetzes sehen die Akademien trotzdem gleich an mehreren Punkten Reformbedarf: So stellt das Gesetz etwa die ärztliche Schweigepflicht grundsätzlich über die Fürsorgepflicht des Mediziners - doch die Gelehrtengesellschaften wollen diese Regel gelockert sehen: Werde bei einer genetischen Untersuchung ein erbliches Krankheitsrisiko entdeckt, solle der Arzt jedoch im Einzelfall selbst entscheiden dürfen, ob er Verwandte des Patienten vorsorglich auf das Risiko hinweise.

Außerdem definiere das Gesetz das seit Jahrzehnten bewährte Neugeborenenscreening als genetische Reihenuntersuchung. Deswegen müssten die Eltern nun vor der Blutabnahme aus der Ferse ihres Kindes genetisch beraten werden. Die Aufgabe dürfe aber nur ein Arzt übernehmen. Weil der nicht in allen Fällen vor Ort sei, finde die Vorsorgeuntersuchung nicht mehr lückenlos statt - zum Beispiel bei Hausgeburten. Das könne zu lebenslanger Behinderung des betroffenen Kindes führen, die bei frühzeitiger Diagnose und entsprechender Therapie hätte verhindert werden können, heißt es in der Stellungnahme.

Für eine Neufassung des Gesetzes machen die Wissenschaftler auch Vorschläge für neue Regelungen. Unter anderem fordern sie ein Werbeverbot für genetische Tests, die direkt über das Internet angeboten werden. Bei den sogenannten Direct to Consumer-Gentests (DTC-Tests) müssen Interessenten eine DNA-Probe - etwa einen Speichelabstrich - an ein Labor schicken. Dort wird das Material dann analysiert - und die Ergebnisse weithegend ohne Beratung verschickt.

Neben der fehlenden Aufklärung kritisieren die Akademien auch die fehlende Kontrolle, ob die abgegebene Probe tatsächlich vom Auftraggeber des Tests stammt. In den Empfehlungen wird daher ein Verbot der DTC-Test und eine Werbesperre für vorsorgende Gen-Analysen gefordert.

Außerdem regen die Akademien die Weiterbildung von mehr Fachärzten für Humangenetik und die Einrichtung von Kompetenzzentren an, um Patienten mit genetisch bedingten Krankheiten wie erbliche Formen von Darmkrebs, Brustkrebs, Eierstockkrebs und Schilddrüsenkrebs besser zu behandeln.

chs/dpa/AFP



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testthewest 11.11.2010
1. Titel
Zitat von sysopNamhafte deutsche Wissenschaftsakademien drängen auf eine Änderung des Gendiagnostikgesetzes. Sie beklagen, dass die Regeln in der medizinischen Praxis kaum umsetzbar sind - und nicht dem aktuellen Stand der Technologie entsprechen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,728508,00.html
Wieso machen eigentlich Leute, die von eienr Sache keinen Funken verstehen die Gesetze?
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