Darmkrebs-Medikament: Erbitux floppt bei neuer Behandlungsrichtung

Der Pharmakonzern Merck hat sein Krebsmedikament Erbitux bei einer weiteren Behandlung getestet - ohne Erfolg. Darmkrebs-Patienten überlebten mit dem Mittel nicht länger als die, die nur eine Chemotherapie erhielten.  

Krebsmedikament Erbitux: Antikörper sollen die Ausbreitung von Tumorzellen stoppen Zur Großansicht
Merck

Krebsmedikament Erbitux: Antikörper sollen die Ausbreitung von Tumorzellen stoppen

Hamburg - Die Ergebnisse waren eindeutig: In der europaweiten klinischen Studie PETACC-81 hatte der Arzneimittel-Hersteller Merck sein Krebsmittel Erbitux in einer weiteren Behandlung bei Darmkrebs getestet. In der wichtigsten Phase der Tests, der Phase-III, zeigte sich, dass das Medikament keine Verbesserung für die behandelten Patienten bewirkt.

Die Ergebnisse änderten aber nichts an dem gegenwärtigen Einsatz von Erbitux in den zugelassenen Indikationen des metastasierenden Darmkrebses, sagte ein Sprecher des Konzerns am Mittwoch. Erbitux enthält monoklonale Antikörper, welche die Ausbreitung von Tumorzellen stoppen sollen.

An der PETACC-8-Studie nahmen 2559 Patienten aus Europa mit Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium teil, davon 1602 Patienten, deren Tumore das sogenannte Genprofil KRAS-Wildtyp trugen. Bei allen Patienten war der Tumor operativ vollständig entfernt worden. Die Patienten erhielten über einen Zeitraum von sechs Monaten entweder Erbitux plus Chemotherapie oder nur Chemotherapie.

Nach drei Jahren und drei Monaten wurden die Ergebnisse von PETACC ausgewertet. Das oberste Ziel der Behandlung war die Zerstörung jeglicher Krebszellen, die nach einer Operation im Körper verblieben. Patienten mit Tumoren, die das Genprofil KRAS-Wildtyp aufwiesen, konnten bei der Behandlung mit Erbitux plus Standardchemotherapie nicht länger krankheitsfrei überleben als Patienten, die nur die Chemotherapie erhielten, sagte ein Merck-Sprecher am Mittwoch.

Erbitux ist das zweitumsatzstärkste Präparat der Merck-Gruppe, und es ist nicht unumstritten: Teuer und wirkungslos - diesen Vorwurf erheben Mediziner immer wieder gegen neue Krebs-Medikamente, die mittels spezieller Antikörper den Krebs bekämpfen sollen. 2010 wurden auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für medizinische Onkologie (ESMO) zwei Studien vorgestellt, die den Nutzen des Darmkrebs-Medikaments Erbitux von Merck und auch den des Konkurrenzpräparats Avastin von Roche in Frage stellten.

Eine norwegische Studie zu Erbitux kam zu dem Ergebnis, dass 566 Patienten, die mit dem Mittel plus einer Chemotherapie-Kur aus drei weiteren Medikamenten - der sogenannten Flox-Kur - behandelt wurden, weder länger lebten noch eine deutliche Besserung im Vergleich zu solchen Patienten zeigten, die allein mit Chemotherapie behandelt wurden.

Bei einer Studie in Griechenland mit 222 Patienten ging es jenen Probanden, die mit Avastin und Chemotherapie behandelt wurden, sogar noch etwas schlechter als denen, die nur Chemotherapie erhielten. Allerdings war der Unterschied statistisch nicht signifikant.

Merck und Roche erklärten damals, die beiden neuen Studien stimmten nicht mit anderen klinischen Daten aus umfangreicheren Studien überein.

nik/dpa/dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Mehr Glück beim nächsten Mal
cassandros 09.05.2012
Zitat von sysopMerckDer Pharmakonzern Merck hat sein Krebsmedikament Erbitux bei einer weiteren Behandlung getestet - ohne Erfolg. Darmkrebs-Patienten überlebten mit dem Mittel nicht länger als die, die nur eine Chemotherapie erhielten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,832226,00.html
Was soll man sagen? Pech! Und beim Monopoly-Spiel heißt: Gehe zurück auf Los.
2. Information ist alles
XXYYZZ 09.05.2012
Wenn Spiegel-Redakteure sich die Mühe machten, die Materie halbwegs zu verstehen, über die sie schreiben, wäre allen geholfen. Aber es ist ja viel einfacher, Klischees zu bedienen; differenziertes Wissen könnte da hinderlich sein. Die von Ihnen zitierten negativen Studien aus dem früheren Artikel sind in der Tat in völlig anderen Behandlungsszenarien gewesen als in den zugelassenen Indikationen. Wenn Sie mal in die sogenannten Fachinformationen schauen, dann sehen Sie, daß es nicht eine Zulassung für Darmkrebs gibt, sondern für verschiedene Behandlungsstadien. Es wird auch unterschieden, ob das Medikament als Einzel- oder Kombinationstherapie zugelassen ist, und der Kombinationspartner ist erwähnt. Die Behörden verlangen berechtigterweise für jede einzelne Zulassung eine neue weitere Zulassungsstudie. Die Richtigkeit dieses Prinzips wird genau durch die von Ihnen zitierten Studien untermauert: nur weil es in einem Krankheitsstadium wirkt in einer bestimmten Kombination wirkt, kann man das nicht auf das gesamte Krankheitsbild übertragen. Nicht mehr und nicht weniger sagen die zitierten negativen Studien aus.
3.
multi_io 09.05.2012
Zitat von sysopMerckDer Pharmakonzern Merck hat sein Krebsmedikament Erbitux bei einer weiteren Behandlung getestet - ohne Erfolg. Darmkrebs-Patienten überlebten mit dem Mittel nicht länger als die, die nur eine Chemotherapie erhielten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,832226,00.html
Wenn der Tumor vollständig entfernt wurde, wieso konnten dann nicht alle Patienten unbegrenzt krankheitsfrei überleben?
4.
XXYYZZ 09.05.2012
Zitat von multi_ioWenn der Tumor vollständig entfernt wurde, wieso konnten dann nicht alle Patienten unbegrenzt krankheitsfrei überleben?
Weil es erstens keine Garantie dafür gibt, daß der Tumor vollständig entfernt wurde; schon wenige entartete Zellen reichen aus, um wieder schnell zu wachsen. Zum anderen ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß ein Tumor über die Blutbahn Krebszellen streut, die in anderen Organen landen und dort die sogenannten Metastasen bilden. Es gibt viele Beispiele, nicht nur Erbitux, wo für einen fortgeschrittenen metastasierten Tumor ein Medikament wirksam ist, aber nicht zur Verhinderung eines Rückfalls. Die beiden Scenarien sind ganz unterschiedliche Paar Schuhe, daher ist das für Merck zwar bitter, aber es stellt nicht die Ergebnisse aus dem zugelassenen Anwendungsgebiet in Frage. Es gibt fast täglich Nachrichten, daß eine Phase III Studie negativ war - warum der SPIEGEL ausgerechnet bei Erbitux so einen Wirbel macht, wissen wohl nur die Redakteure selbst.
5. was heisst schon es "wirkt"
cablebrowser 10.05.2012
Zitat von XXYYZZWenn Spiegel-Redakteure sich die Mühe machten, die Materie halbwegs zu verstehen, über die sie schreiben, wäre allen geholfen. Aber es ist ja viel einfacher, Klischees zu bedienen; differenziertes Wissen könnte da hinderlich sein. Die von Ihnen zitierten negativen Studien aus dem früheren Artikel sind in der Tat in völlig anderen Behandlungsszenarien gewesen als in den zugelassenen Indikationen. Wenn Sie mal in die sogenannten Fachinformationen schauen, dann sehen Sie, daß es nicht eine Zulassung für Darmkrebs gibt, sondern für verschiedene Behandlungsstadien. Es wird auch unterschieden, ob das Medikament als Einzel- oder Kombinationstherapie zugelassen ist, und der Kombinationspartner ist erwähnt. Die Behörden verlangen berechtigterweise für jede einzelne Zulassung eine neue weitere Zulassungsstudie. Die Richtigkeit dieses Prinzips wird genau durch die von Ihnen zitierten Studien untermauert: nur weil es in einem Krankheitsstadium wirkt in einer bestimmten Kombination wirkt, kann man das nicht auf das gesamte Krankheitsbild übertragen. Nicht mehr und nicht weniger sagen die zitierten negativen Studien aus.
Wenn ich recht informiert bin bei Erbitux eine Lebensverlaengerung von 2 bis 3 Monaten. Und das bei Kosten von vielen 1000 Euro. Ich kann da leider keinen grossen Unterschied zu den "negativen" Studien erkennen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Medizin
RSS
alles zum Thema Krebstherapien
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 6 Kommentare
Fotostrecke
Lasermikroskopie: Von der Tumorzelle zur Metastase