Erhöhtes Hautkrebs-Risiko Deutsche Krebshilfe fordert strengere Auflagen für Solarien

Für Jugendliche sind Solarien bereits verboten, doch auch Erwachsene müssten besser vor den künstlichen UV-Strahlen geschützt werden, fordert die Deutsche Krebshilfe. Der Verein will die Bestrahlungsstärke begrenzen und Münzeinwurf-Geräte abschaffen lassen.


Schutzbrillen, Notschalter und geschultes Personal: Im Kampf gegen Hautkrebs hat die Deutsche Krebshilfe mehr Auflagen für Solarien gefordert. Das neue Gesetz, das seit dem 4. August Jugendlichen den Besuch von Sonnenstudios verbietet, reiche noch nicht aus, sagte der Hauptgeschäftsführer der Krebshilfe, Gerd Nettekoven, am Dienstag in Berlin. Auch Erwachsene müssten besser gegen die künstliche UV-Strahlung geschützt werden. Nach einer Umfrage der Krebshilfe nutzen mehr als zehn Millionen Bundesbürger zwischen 18 und 49 Jahren Sonnenbänke. Wer vor dem 30. Lebensjahr regelmäßig Solarien nutzt, steigert demnach sein Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, um bis zu 75 Prozent.

Gemeinsam mit der Strahlenschutzkommission und der Arbeitsgemeinschaft dermatologische Prävention (ADP) fordert die Krebshilfe deshalb eine technische Begrenzung aller Sonnenbänke auf 0,3 Watt pro Quadratmeter. Diese Bestrahlungsstärke entspreche bereits der Sonnenleistung am Äquator, erläuterte Rolf Michel, Vorsitzender der Strahlenschutzkommission. Viele Geräte liefen aber weitaus "heißer". Außerdem sollte die Werbung mit sogenannten biopositiven Effekten der UV-Strahlung untersagt werden.

Münzgeräte sollen abgeschafft werden, Schutzbrillen zur Pflicht werden

Ferner verlangen die Krebsexperten in Solarien geschulte Mitarbeiter, die Besucher über Hauttypen und Verträglichkeit der UV-Strahlung beraten. Schutzbrillen für die Augen und Notschalter an den Geräten müssten Pflicht werden. Aus Schwimmbädern oder Fitness-Studios sollten Sonnenbänke ganz verschwinden. Denn bei Geräten mit Münzeinwurf fehle jede Beratung. Auch Warnhinweise vor Krebs sollten, ähnlich wie auf Zigarettenpackungen, in allen Studios zu sehen sein.

Dass Deutschland mit einem Solarien-Verbot für junge Leute unter 18 auf die Warnungen von Experten reagiert hat, begrüßt die Krebshilfe. Im Bundesrat will sie bis Ende des Jahres aber eine weitere Verordnung mit anstoßen, die zurzeit im Bundesumweltministerium vorbereitet wird. "Wir brauchen auch eine Regelung für Erwachsene, die trotz der Gesundheitsgefahren Solarien besuchen wollen", betonte Nettekoven.

Die deutsche Bevölkerung ist demnach Europameister bei der künstlichen Besonnung. Eine Umfrage unter 527 Bundesbürgern zwischen 14 und 49 Jahren ergab, dass hochgerechnet mehr als elf Millionen Bürger in diesem Alter in den vergangenen zwölf Monaten ein Solarium genutzt haben, davon 5,2 Millionen regelmäßig, also mindestens einmal im Monat. "Die Neuerkrankungen an Hautkrebs werden weiter steigen, wenn nicht entschlossen reagiert wird", erklärte Eckhard Breitbart von der ADP.

Nur wenige Sonnenstudios garantieren Qualitätskriterien

140.000 Menschen erkranken nach Angaben der Krebshilfe in Deutschland jedes Jahr neu an Hautkrebs. Bei 22.000 von ihnen diagnostizieren Ärzte das besonders gefährliche maligne Melanom - schwarzen Hautkrebs. 2700 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an diesen bösartigen Tumoren der Pigmentzellen. Dass immer mehr jüngere Patienten schwarzen Hautkrebs bekommen, führen Experten auch auf die steigende Nutzung von Sonnenstudios zurück. Die Weltgesundheitsorganisation stufte die künstliche UV-Strahlung der Sonnenbänke jüngst in die höchste Kategorie der Krebsrisiken ein.

Freiwillige Vereinbarungen mit der Branche wertet die Krebshilfe bisher als Misserfolg. Von rund 5600 Sonnenstudios in Deutschland seien nur 636 bereit gewesen, Qualitätskriterien für Geräte und Beratung zu garantieren. Tests dieser Garantien bestanden laut Krebshilfe nur vier von 100 Solarien.

lub/AP/dpa

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