Erschwindelte Fachartikel: Pharmakonzern ließ Werbung als Studien tarnen

Gefahren heruntergespielt, Nutzen übertrieben: Der Pharmakonzern Wyeth hat über eine Agentur Artikel über ein Hormonmedikament in Fachblättern platziert. Eine Medizinerin hat den Schwindel nun aufgedeckt.

Unerlaubte Werbung: Hauptquartier des Medikamentenherstellers Wyeth in Madison, USA. Zur Großansicht
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Unerlaubte Werbung: Hauptquartier des Medikamentenherstellers Wyeth in Madison, USA.

London - Pharmakonzerne wollen ihre Präparate in Fachzeitschriften in möglichst günstigem Licht erscheinen lassen. Manche schrecken dabei offenbar auch vor unlauteren Methoden nicht zurück: Der US-Hersteller Wyeth bezahlte eigens eine Agentur dafür, Artikel über ein Hormonmedikament in medizinischen Fachblättern zu platzieren. Dass Wyeth die Beiträge in Auftrag gegeben und bezahlt hatte, wurde in den Artikeln nicht erwähnt.

Die Beiträge sollten die Gefahren der Hormonersatztherapie (HRT) bagatellisieren - und den Nutzen betonen. Dies zeigt die Analyse von 1500 Dokumenten, die Wyeth im Zuge einer Klage zugänglich machen musste. Demnach beauftragte der Konzern eine Agentur damit, das Hormonmittel Prempro positiv darzustellen.

Für 20 Fachartikel sollte die Agentur jeweils 20.000 US-Dollar (umgerechnet also rund 15.000 Euro) bekommen. Das berichtet die Medizinerin Adriane Fugh-Berman von der Georgetown Universität in Washington im Online-Journal "PloS Medicine".

Die Texte sollten demnach das Brustkrebsrisiko relativieren, das mit der Hormoneinnahme verbunden ist. Gleichzeitig weisen die Texte auf einen - unbewiesenen - Nutzen der Präparate für das Herz-Kreislauf-System hin. Zudem sollte der Einsatz der Präparate zur Prävention gegen Demenz, Parkinson, Sehprobleme und Falten gefördert werden - diese Wirkungen sind indes ebenfalls nicht nachgewiesenen.

boj/AP

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