Australische Forscher haben einen neuen Ansatz zur Ersten Hilfe nach einem Schlangenbiss untersucht. Sie testeten eine Salbe, die den Transport des Schlangengifts durch das Lymphsystem verlangsamen soll, an Ratten und einigen menschlichen Freiwilligen. Die Salbe soll den Gebissenen mehr Zeit verschaffen, falls sie medizinisch behandelt werden müssen.
Viele Schlangengifte bestehen aus großen Molekülen, die nach dem Biss über das Lymphgefäßsystem ins Blut transportiert werden müssen. Experten empfehlen daher, Schlangenbiss-Opfern einen Druckverband anzulegen uns das betroffene Körperteil stillzulegen. Das unterbricht den Lymphfluss. Allerdings würden nur wenige Menschen den Verband korrekt anlegen können, schränken Megan Saul vom John Hunter Hospital in New Lambton und ihre Kollegen ein.
Die von ihnen getestete Salbe enthält Nitroglyzerin. Die Substanz ist eher als Sprengstoff bekannt. Sie dient in diesem Fall jedoch als Lieferant für Stickstoffmonoxid, welches den Transport durchs Lymphsystem verlangsamt, weil es bestimmte Pumpsysteme stört.
Simulierte Schlangenbisse
Die Wissenschaftler simulierten bei Menschen einen Schlangenbiss, indem sie gesunden Probanden eine radioaktiv markierte Substanz in den Fuß spritzten. Mit Hilfe einer Spezialkamera maßen sie danach die Geschwindigkeit, mit der sich die Substanz vom Fuß in Richtung der Lymphknoten in der Leistengegend bewegte. Die Zeit betrug demnach zwischen 4 und 81 Minuten, mit einem Mittelwert von 13 Minuten. Die Versuchsteilnehmer mussten dabei ruhig liegen, um die Lymphgefäße nicht durch Muskelbewegung zu beeinflussen.
In weiteren Tests rieben die Forscher nach einem simulierten Schlangenbiss die Stelle mit der Salbe ein - es handelt sich um ein Präparat, das bereits auf dem Markt ist, es wird bei chronischen Fissuren im Analbereich eingesetzt. Danach dauerte der Transportweg vom Fuß bis in die Leiste im Mittel 54 Minuten, mit einer Spannbreite von 6,5 bis 162 Minuten.
In Versuchen an Ratten, die tatsächlich Schlangengift ins Hinterbein injiziert bekamen, zeigten die Forscher, dass die Transportdauer der Lymphe mit der Salbe um sechs Minuten verlangsamt wurde, und ein Atemstillstand durch das Gift 31 Minuten später eintrat. Das verabreichte Schlangengift stammte von der in Australien heimischen Östlichen Braunschlange (Pseudonaja textilis).
Weil nicht alle Schlangengifte gleich wirken, müssten auch andere Gifte mit dem neuen Ansatz untersucht werden, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Nature Medicine".
Ihren Angaben zufolge sterben jedes Jahr rund 100.000 Menschen an den Folgen eines Schlangenbisses, bei 400.000 muss nach einem Biss eine Amputation vorgenommen werden. Andere Forscher sprechen von jährlich 421.000 bis 1,8 Millionen Schlangenbissen, die zwischen 20.000 und 94.000 Todesopfer fordern.
wbr/dapd
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