EU-Gutachten Experten fürchten weitere Ausbreitung von Ehec

Nie zuvor haben sich laut einer EU-Analyse so viele Deutsche mit Ehec infiziert wie derzeit. Die Behörden befürchten, dass die Zahl der Folgeerkrankungen noch deutlich zunimmt. Verbraucherschutzministerin Aigner warnt weiter davor, rohe Gurken, Salate und ungekochte Tomaten zu essen.

Ehec-Bakterien: "Irrsinnige Schäden"
DPA/ HZI/ Manfred Rohde

Ehec-Bakterien: "Irrsinnige Schäden"


Stockholm/Berlin - Das Urteil der europäischen Gesundheitsbehörde ist eindeutig: Der derzeitige Ausbruch des Darmkeims Ehec ist einer der größten seiner Art weltweit und der größte jemals in Deutschland. In einem Gefahren-Gutachten geht das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention in Stockholm (EDCD) angesichts der wachsenden Zahl von Erkrankungen davon aus, dass "die Quelle der Infektionen noch aktiv ist".

"Wir müssen davon ausgehen, dass die Zahl der Schwererkrankten noch weiter steigt", sagte auch ein Sprecher des niedersächsischen Sozialministeriums. Allein in Niedersachsen wurden bislang 141 Erkrankungen bestätigt. Wegen Überlastungen verlegen Hamburger Kliniken Erkrankte derzeit in das benachbarte Bundesland. In der Hansestadt gibt es etwa 400 Ehec-Patienten.

Mittlerweile sind zehn Menschen in Deutschland an den Folgen von Ehec gestorben, alle Todesfälle ereigneten sich in norddeutschen Bundesländern. Landesweit wurden mehr als tausend Fälle von bestätigten oder vermuteten Ehec-Infektionen registriert. Normalerweise gibt es im ganzen Jahr etwa 900 gemeldete Infektionen mit den Bakterien.

Die Wissenschaftler des EDCD wiesen auch auf den ungewöhnlichen Verlauf der Seuche hin: Bislang seien hauptsächlich Erwachsene an dem von dem Ehec-Erreger ausgelösten hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus) erkrankt. "Gewöhnlich wird Hus bei Kindern unter fünf Jahren festgestellt. Dieses Mal sind 87 Prozent der Betroffenen Erwachsene und hauptsächlich Frauen (68 Prozent)", teilte die Behörde mit. Dies sei "eine sehr untypische Verteilung".

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hält wegen der weiter steigenden Erkrankungswelle an der Warnung vor dem Verzehr roher Gurken, Blattsalate und ungekochter Tomaten fest. Aigner sagte "Bild am Sonntag": "Solange es den Experten in Deutschland und Spanien nicht gelungen ist, die Quelle des Erregers zweifelsfrei zu benennen, haben die allgemeinen Warnhinweise für Gemüse weiterhin Bestand."

Deutschlands Bauern klagen über starke Absatzeinbrüche, versuchen mittlerweile mit eigenen Stichproben die Sorgen der Verbraucher zu zerstreuen. Der Vizechef des schleswig-holsteinischen Bauernverbands, Hans-Peter Witt, sprach von "irrsinnigen Schäden". Salat sei praktisch nicht mehr zu verkaufen, sogar bei Erdbeeren sei der Verkauf mancherorts um 50 Prozent zurückgegangen. Dies sei für viele Bauern existenzgefährdend.

Als "regelrecht tragisch" bezeichnete es der Ernährungspsychologe Thomas Ellrott, dass aus Sicherheitsgründen Tausende Tonnen einwandfreies Gemüse vernichtet werden müssten. Ellrott warnte, gesunde Lebensmittel wie Gurken und Tomaten dürften durch Ehec nicht in Verruf geraten. Es sei "außerordentlich wichtig, dass zwischen Lebensmitteleigenschaft und der Verunreinigung des Lebensmittels durch Bakterien unterschieden wird".

dab/Reuters/dpa



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Koltschak 29.05.2011
1. Aha, Experten fürchten weitere Ausbreitung von Ehec
Ja, für solch eine Aussage brauchen wir die EU und Experten und ein Gutachten! Das hätte ich auch umsonst preisgeben können! Was passiert nur mit unseren Milliardenzahlungen an die EU!
tobilechat 29.05.2011
2. Wo bleibt das Antibiotikum, ...
Zitat von sysopNie zuvor haben sich laut einer EU-Analyse so viele Deutsche*mit Ehec infiziert wie derzeit. Die Behörden befürchten, dass*die Zahl der Folgeerkrankungen*weiter*zunimmt. Verbraucherschutzministerin Aigner warnt weiter davor, rohe Gurken, Salate und ungekochte Tomaten zu essen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,765515,00.html
... das man nun wieder massenhaft auf Kosten des Steuerzahlers bunkern kann, bis dann bald keiner mehr von Ehec spricht? Was macht eigentlich der Impstoff gegen die Schweinegrippe? Verrottet er in Lagerhallen? Wie gut, dass ich wenigstens nur direkte Steuern zahle, aber selbst das ist mir manchmal zu viel, wenn ich sehe, wie jedes Jahr der Bund der Steuerzahler aufdeckt, wie viele Milliarden dieser Staat verbrennt.
Bruddler II 29.05.2011
3. alles BIO
Warum wird eigentlich bei uns vermieden explizit auf BIO-Gemüse als den möglichen Verursacher hinzuweisen? In Österreich jedenfalls hat man nicht solche 'Beisshemmungen'. Die Eingrenzung auf BIO würde bei uns viele solide arbeitenden Gartenbaubetrieb vor dem baldigen Ruin retten....
fiutare 29.05.2011
4. solide
Zitat von Bruddler IIWarum wird eigentlich bei uns vermieden explizit auf BIO-Gemüse als den möglichen Verursacher hinzuweisen? In Österreich jedenfalls hat man nicht solche 'Beisshemmungen'. Die Eingrenzung auf BIO würde bei uns viele solide arbeitenden Gartenbaubetrieb vor dem baldigen Ruin retten....
Auch nach 100maliger Wiederholung wird dieses Argument nicht wahrer. Bis jetzt ist nicht nachgewiesen, wie das Bakterium seinen Weg zum Verbraucher gefunden hat. Dabei ist "Gülle" der unwahrscheinlichste Weg. Es hindert Sie allerdings niemand daran, weiterhin bei "solide arbeitenden Gartenbaubetrieben" einzukaufen. Das mache ich auch, wenngleich bei mir "solide" wahrscheinlich etwas anderes bedeutet als bei Ihnen.
E. Bär, 29.05.2011
5. Traurig, aber wahr
Was hilft gegen EHEC? Eine konsequente Diät, z.B. Pommes mit Mayo und viel Schweinshaxe, dazu zum Nachspülen ein paar Liter Bier. Das schmeckt und weckt die Lebensgeister! Der adipöse Genussmensch von nebenan wird die Seuche mit einiger Wahrscheinlichkeit überleben; wer aber weiter unverdrossen am "gesunden", schlankheitsfördernden Salat herumknuspert, geht ein erhebliches Gesundheitsrisiko ein.
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