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Explosion in Atomkraftwerk Angst vor dem schleichenden Gift

Foto: AFP/NHK

Noch ist unklar, wie viel radioaktive Strahlung nach der Explosion in dem AKW freigesetzt wurde - doch die Gefahr einer nuklearen Verseuchung ist groß. Wie die Menschen in Japan sich schützen, welches Risiko im Rest der Welt droht: der Überblick.

Was genau im japanischen Atomkraftwerk Fukushima Daiichi am Samstag passiert ist, lässt sich noch immer schwer ermessen. Bisher steht fest:

  • In dem Meiler hat es eine schwere Explosion gegeben.
  • Die Betreiberfirma Tokyo Electric Power hat an mehreren Reaktoren radioaktiv belasteten Dampf abgelassen. Dabei wurden radioaktive Stoffe, darunter Cäsium-137, freigesetzt.
  • Ob es bereits eine Kernschmelze gegeben hat, ist noch unklar. Ein entsprechender Bericht des japanischen Fernsehsenders NHK wurde zunächst dementiert. Die Regierung in Tokio gehe noch nicht von einer Kernschmelze aus. Ob das den Fakten entspricht oder ein Versuch ist, die Gefahr herunterzuspielen, ist unklar.

Über die genauen Belastungen für Menschen und Umwelt gibt es unterschiedliche Angaben. Die japanische Behörde für Atomsicherheit geht nach eigenen Angaben nicht davon aus, dass es schwere Schäden am Sicherheitsbehälter des Reaktors gegeben hat. Trotzdem scheint klar, dass es gesundheitliche Gefährdungen zumindest für die Menschen in der Nähe des Kraftwerks geben dürfte - und möglicherweise nicht nur dort. "Problematisch ist insbesondere die hohe Bevölkerungsdichte in Japan", sagt Henrik Paulitz von der atomkritischen Ärtzeorganisation IPPNW zu SPIEGEL ONLINE. "Das ist kein Vergleich mit Weißrussland nach Tschernobyl." Nach schlimmsten Befürchtungen könnten also Tausende, vielleicht Zehntausende Menschen betroffen sein.

Tatsächlich gibt es laut Paulitz gleich mehrere Arten der Gefahr. Aktuell gemessen wird demnach vor allem die Gammastrahlung, die von dem explodierten Reaktor ausgeht. Doch die Gefahr geht auch von den radioaktiven Substanzen aus, die freigesetzt wurden: "Diese Strahlenquellen können sich in sensibles Gewebe einlagern." Um das zu verhindern, raten die japanischen Behörden, Menschen in der Nähe des Reaktors sollten Mund und Nase bedecken.

Das sind die gefährlichen Substanzen:

  • Cäsium-137: Die Substanz war bereits nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 in großen Mengen frei geworden. Cäsium-137 hat eine Halbwertzeit von 30 Jahren, kann also lange für Probleme sorgen, weil es in Pflanzen eingelagert wird. Von dort gelangt es wie ein schleichendes Gift in die Nahrungsmittelkette: Milch, Fleisch, Fisch und Pilze. Hat es einmal den menschlichen Körper erreicht, verteilt sich der Stoff und kann Muskelgewebe und Nieren schädigen.
  • Strontium-90 und Iod-131: Diese Isotope könnten ebenfalls freigesetzt worden sein. Dann wäre die Umgebung des Kernkraftwerkes zumindest bis in mehrere Dutzend Kilometer Entfernung belastet. Wohl nicht zuletzt deswegen haben die japanischen Behörden die Evakuierungszone um den Meiler auf gegenwärtig 20 Kilometer ausgeweitet.

    Der Körper wird durch die radioaktiven Isotope leicht getäuscht. Was in der Krebsdiagnostik von Vorteil ist, wird dabei zum Problem: Das Isotop Strontium-90 zum Beispiel ist Calcium chemisch sehr ähnlich. Das bedeutet, dass es sich nach Aufnahme in den Körper in den Knochen anlagert - und damit in unmittelbarer Nähe zu blutbildendem Gewebe. Dort kann es längerfristig Schäden hervorrufen und etwa zu Leukämie führen.


Wie schnell die Aufnahme radioaktiver Substanzen erfolgt, ist individuell unterschiedlich. So nehmen Menschen mit Iodmangel radioaktive Isotope dieses Stoffes wesentlich schneller auf als andere. Deswegen werden von der japanischen Regierung Iod-Tabletten verteilt, wie sie auch in Deutschland für den Fall eines Atomunfalls vorrätig sind. Sie enthalten das stabile Iod-Isotop 127. Sein ausreichendes Vorhandensein sorgt dafür, dass der Körper keine radioaktiven Varianten in die Schilddrüse einlagert.

Für Cäsium und Strontium gibt es dagegen keine Schutztabletten.

Die Moderatoren des japanischen Senders Broadcasting System Television (BST) treten nach dem Erdbeben mit Helm vor die Kamera, zum Schutz vor herabfallenden Trümmern. Derart ausgerüstet vermitteln sie den Menschen, was im Ernstfall zu tun ist: in den Häusern bleiben, Fenster schließen, Klimaanlagen abstellen. Im Freien solle man eine Maske tragen. Es gelte, Hautkontakt mit der Luft so weit wie möglich zu vermeiden. Wer draußen war, solle sofort duschen und seine Kleider ablegen.

Und wie groß ist die Gefahr für den Rest der Welt?

Vorerst scheint das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi mit seinen sechs Meilern vor allem ein japanisches Problem zu sein. Positiv ist, dass der Wind in der betroffenen Region zumindest am Samstag auf das Meer hinaus wehte - und damit potentiell gefährliche Teilchen mitnahm.

Im fernen Osten Russlands blieben die Menschen zunächst ruhig. "Es gibt keinen Grund zur Panik", sagte Russlands Chefmeteorologe Alexander Frolow.

Ob für Deutschland eine Gefahr besteht, lässt sich nicht mit abschließender Sicherheit sagen. Die Meinungen gehen auseinander. "Es besteht die Möglichkeit, dass sich das radioaktive Material über die gesamte nördliche Hemisphäre verbreitet", warnt Atomkritiker Paulitz. "Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es keine Auswirkungen auf Europa geben. Die Abstände sind einfach zu groß", sagt dagegen Christoph Pistner vom Darmstädter Öko-Institut. Auch Umweltminister Norbert Röttgen sieht die Lage weit weniger dramatisch: Eine Gefährdung für die Menschen in Deutschland kann nach seinen Worten "praktisch ausgeschlossen werden" - wegen der großen Entfernung des havarierten Meilers sowie der Wind- und Wetterlage. Röttgen schränkte aber ein, dass es sich um Entwicklungen handle, "bei der keine Konsequenz ausgeschlossen werden kann".

"Ich halte Röttgens Aussage für zynisch. Ich habe Gänsehaut bekommen", kritisiert Reinhold Thiel von IPPNW. Die Rhetorik erinnere ihn an die Lage nach Tschernobyl. Tatsächlich ist die Informationslage der Regierung alles andere als rosig. "Uns erreichen widersprüchliche Meldungen. Wir haben bisher kein klares Lagebild", gestand auch Außenminister Guido Westerwelle am Nachmittag ein. In weiten Teilen ist man auch in Berlin auf Medienberichte angewiesen. Der Deutsche Wetterdienst beobachtet außerdem die Wetterlage in der Region. Die Experten berechnen dann im Auftrag des Ministeriums sogenannte Trajektorien. Sie sollen vorhersagen, wohin strahlende Partikel in der Atmosphäre reisen könnten.

Wichtig dabei ist neben der Windrichtung auch, wie hoch die Teilchen vom Reaktor in die Atmosphäre gelangt sind. Beim Reaktorunglück von Tschernobyl gelangten die gefährlichen Substanzen angefacht von einem Brand der Steuerstäbe in besonders hohe Luftschichten. In Japan scheinen sie sich dagegen eher in Bodennähe zu bewegen, soweit sich das bisher sagen lässt.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) sieht sich gut gewappnet, die Lage in Deutschland zu verfolgen. Man verfüge über ein Messnetz von 1800 Stationen, erklärt die Behörde. "Die Bürgerinnen und Bürger können online die Messwerte der einzelnen Messsonden abrufen", sagt BfS-Sprecher Florian Emrich SPIEGEL ONLINE.

Das Sondennetz werde ergänzt durch eine hochsensible Messstation auf dem Berg Schauinsland bei Freiburg. Sie wurde eigentlich für die Überwachung des internationalen Atomteststoppvertrags gebaut. Doch selbst wenn es radioaktive Partikel von Japan bis dorthin schaffen würden, dauert das längere Zeit. Derzeit seien keine erhöhten Werte zu erkennen, heißt es beim BfS.

Mit Material von dpa

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mexner2000 12.03.2011
Lügen, Betrug, Täuschung, Vertuschung ... Sind das die Mittel mit denen man Vertrauen in weltweite Atompolitik und Atomenergielobby geschaffen werden sollen? Weder die betroffenen Bürger unmittelbar um Fukushima, noch die [...]
Lügen, Betrug, Täuschung, Vertuschung ... Sind das die Mittel mit denen man Vertrauen in weltweite Atompolitik und Atomenergielobby geschaffen werden sollen? Weder die betroffenen Bürger unmittelbar um Fukushima, noch die betroffenen Bürger der nahegelegenen Millionenstadt Tokio und in der kleinen provinzregion mit 30.000.000 Millionen Einwohner, die nun von einen atomaren Super-GAU einer Kernschmelze schwerwiegende radioaktiv verseucht werden, noch wir, die Weltbevölkerung wird von den verantwortlichen Politikern, Behörden und AKW-Betreibern über die Wahrheit informiert. Es ist schon lange klar, dass der Super-GAU der Kernschmelze unvermeidbar und bereits voll im Gange ist. Dennoch wird dies erst jetzt und nur weil es nicht mehr zu verschweigen ist, nach und nach scheibchenweise ein Teil der erschütternden Wahrheit ans Licht gelassen. Das einzig positive, was man jetzt noch aus dieser entsetzlichen Katastrophe ziehen kann, ist die endgültig eindeutige Erkenntniss, daß unsere Politiker und die AKW-Betreiber weltweit, selbst in unseren Hochentwickelten Industrienationen nicht in der Lage sind die Verantwortung für diese gefährliche Technologie zu tragen. Ich hoffe nur die Menschen in aller Welt werden nun endlich dafür Sorge tragen, daß diese Erkenntnis zu den richtigen Konsequenzen führt. Transparenz über den wahren GAU jetzt! Ausstieg aus der Atomenergie jetzt. Das Leben der Menschen und ihre gesundheitliche Unversehrtheit ist höher zu stellen als ein möglicher Gesichtsverlust von japanischen Politikern und Energiekonzernmanagern. Japan und die weltweite Atompolitik hat bereits heute sein Gesicht vollends verloren! Diesen Betrügern und Verbrechern dürfen wir nicht mehr vertrauen. Harrisburg, Tschernobyl Hiroshima, Nagasaki, Fukushima - seit heute muß ein für alle mal gelten: Atomkraft? - Nein Danke!!!
doc 123 12.03.2011
Eine dermaßen erbärmliche und zynische Äußerung wie von Röttgen kann ich mich von einem deutschen Politiker nicht erinnern jemals gehört zu haben! Der Mann ist für seinen Rücktritt mehr als fällig!
Zitat von sysopNoch ist unklar, wie viel radioaktive Strahlung aus dem explodierten AKW freigesetzt wurde - doch die Gefahr einer nuklearen Verseuchung ist groß. Wie*die Menschen in Japan sich schützen, welches Risiko im Rest der Welt droht: der Überblick. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,750533,00.html
Eine dermaßen erbärmliche und zynische Äußerung wie von Röttgen kann ich mich von einem deutschen Politiker nicht erinnern jemals gehört zu haben! Der Mann ist für seinen Rücktritt mehr als fällig!
fatima k. 12.03.2011
Es mus schrecklich sein wenn du einen Gegner hast den du nicht sehen kannst.
Zitat von sysopNoch ist unklar, wie viel radioaktive Strahlung aus dem explodierten AKW freigesetzt wurde - doch die Gefahr einer nuklearen Verseuchung ist groß. Wie*die Menschen in Japan sich schützen, welches Risiko im Rest der Welt droht: der Überblick. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,750533,00.html
Es mus schrecklich sein wenn du einen Gegner hast den du nicht sehen kannst.
w.r.weiß 12.03.2011
...nicht die Laufzeitverlängerer von EnBW, RWE etc.pp. und ihre leistungsgeile schwarz-gelbe Gurkentruppe ins Krisengebiet? Die wissen doch bestimmt was zu tun ist! Ich bin zuversichtlich, die Schuldenbremse und noch mehr [...]
Zitat von sysopNoch ist unklar, wie viel radioaktive Strahlung aus dem explodierten AKW freigesetzt wurde - doch die Gefahr einer nuklearen Verseuchung ist groß. Wie*die Menschen in Japan sich schützen, welches Risiko im Rest der Welt droht: der Überblick. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,750533,00.html
...nicht die Laufzeitverlängerer von EnBW, RWE etc.pp. und ihre leistungsgeile schwarz-gelbe Gurkentruppe ins Krisengebiet? Die wissen doch bestimmt was zu tun ist! Ich bin zuversichtlich, die Schuldenbremse und noch mehr Geld zum fressen für unsere nächste Generation bekommen wir problemlos hin.... und den Rest sprengen wir einfach in die Luft!
regierungs4tel 12.03.2011
Eine Fluchtwelle apokalyptischen Ausmaßes bahnt sich gegenwärtig in Japan an: http://berlin2011.wordpress.com/2011/03/12/fukushima-und-die-folgen/
Eine Fluchtwelle apokalyptischen Ausmaßes bahnt sich gegenwärtig in Japan an: http://berlin2011.wordpress.com/2011/03/12/fukushima-und-die-folgen/
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Fukushima Daiichi: So sieht das Pannen-AKW ausZur Großansicht
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Fukushima Daiichi: So sieht das Pannen-AKW aus

Prognose für die Ausbreitung einer radioaktiven Wolke (18 Stunden)Zur Großansicht
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Prognose für die Ausbreitung einer radioaktiven Wolke (18 Stunden)


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Kühlung eines Siedewasserreaktors

Wenn es in einem Siedewasserreaktor zu Problemen kommt, werden sogenannte Steuerstäbe mit Cadmium- oder Borverbindungen zwischen die Uran-Brennelemente gefahren. Die Kernspaltung geht aber, gebremst, weiter. Um sie unter Kontrolle zu halten, muss der Reaktordruckbehälter dauerhaft mit Wasser gekühlt werden. Dafür sind Pumpen erforderlich, die mit Strom und im Pannenfall mit Dieselgeneratoren betrieben werden.

Wenn die generatoren ausfallen, kommen Batterien zum Einsatz. Problematisch wird es, wenn auch ihnen der Strom ausgeht. Dann kommt es nach einigen Stunden zur Kernschmelze. Teile des geschmolzenen Reaktorkerns können auf den Boden des Druckbehälters stürzen - und diesen ebenfalls aufschmelzen.


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