Facebook & Co Medizinstudenten plaudern Krankheitsgeschichten aus

Die eigene Krankengeschichte bei Facebook nachlesen? Für einige Patienten in den USA ist das möglich, denn Medizinstudenten schreiben im Netz freigiebig über das, was eigentlich dem Arztgeheimnis unterliegt. Das Vertrauensverhältnis zum Arzt sei in Gefahr, warnen Forscher.

Notaufnahme in US-Krankenhaus (Texas): "Unangemessene Texte" im Internet
REUTERS

Notaufnahme in US-Krankenhaus (Texas): "Unangemessene Texte" im Internet


Das Arztgeheimnis beginnt früh: Schon wenn ein Medizinstudent an das Bett eines Patienten tritt, verpflichtet er sich, weder dessen Namen noch andere Details aus seiner Leidensgeschichte an Dritte weiterzugeben. Doch Horrorgeschichten vom Krankenbett machen sich vor allem in der Anonymität des Internets besonders gut, und so nehmen offenbar nicht alle Studenten ihre Verantwortung ernst genug. Das zeigt jetzt eine in der Fachzeitschrift "Jama" veröffentlichte Studie.

Für ihre Untersuchung haben die Wissenschaftler um Katherine Chretien vom Veterans Affairs Medical Center in Washington DC insgesamt 130 medizinische Universitäten angeschrieben. Als Ansprechpartner hatten sie sich die für studentische Angelegenheiten zuständigen Mitarbeiter ausgesucht und sie danach gefragt, ob sich Studenten der Hochschule mit unprofessionellen Inhalten in Blogs, bei Facebook oder anderen Netzwerken beteiligt haben.

78 der 130 Universitäten nahmen an der Umfrage teil. Immerhin 60 Prozent (47 Hochschulen) von ihnen berichteten, es habe an ihrer Einrichtung Fälle gegeben, in denen Studenten "unangemessene Texte" im Internet veröffentlichten. Dazu zählten Obszönitäten, Diskriminierungen und Schilderungen von Rauschzuständen. An sechs Universitäten hatten Studenten sogar vertrauliche Daten von Patienten preisgegeben. Zwar hatten sie die Namen der Personen verschwiegen, doch aufgrund der detailgetreuen Beschreibungen hätten sich die Betroffenen ohne Probleme wiedererkennen können, so das Urteil der Wissenschaftler.

"Einige der Fälle haben die Vertraulichkeit von Patientendaten verletzt", schreiben die Autoren in "Jama". Das hatte an manchen Universitäten Abmahnungen der Studenten zur Folge, drei Studierende wurden sogar von der Hochschule ausgeschlossen. Neben der Verletzung des Datenschutzes bereitet den Forschern vor allem Sorge, dass sich zahlreiche Studenten viel zu unbekümmert im Internet präsentieren: Chretien sagte dem "New Scientist", dieses Verhalten könne das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient schwer beschädigen.

hei

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