Köln/Belgrad - Die Schweinegrippe verändert auch das Verhalten von Gläubigen in aller Welt. Die Deutsche Bischofskonferenz hat erstmals Empfehlungen für den Infektionsschutz in Gottesdiensten veröffentlicht. Wer an der Grippe erkrankt ist oder bei wem der Verdacht auf Erkrankung besteht, solle auf die Teilnahme an Gottesdiensten verzichten, heißt es darin. Zudem wird von der Mundkommunion abgeraten.
Auch "eine Zurückhaltung bei der Nutzung des Weihwasserbeckens in den Kirchen" sei geboten. Beim Erzbistum Köln lautet die Devise: "Es ist nicht zwingend notwendig, sich beim Friedensgruß die Hand zu reichen, ein freundliches Nicken kann ebenfalls ein Zeichen des Friedens sein." In vielen evangelischen Gemeinden haben sich die Gläubigen inzwischen darauf geeinigt, beim Abendmahl nicht mehr wie üblich aus einem gemeinsamen Kelch zu trinken, sondern nur noch die Oblate in den Kelch einzutauchen.
In Serbien setzen die Menschen auf Knoblauch
Vorsicht mahnt auch das saudische Gesundheitsministerium an. Wenige Tage vor dem jährlichen Höhepunkt der traditionellen Wallfahrt ("Hadsch") - Ende November pilgern normalerweise zwischen zwei und drei Millionen Menschen zu den heiligen Stätten in Mekka und Medina - hieß es in einer Studie: "Massenaufläufe fordern die öffentliche Gesundheitsvorsorge besonders heraus, weil sie die Ausbreitung der Krankheit auf ein Maximum treiben können." Bereits im Oktober hatten Ministerien vieler arabischer Länder dazu aufgerufen, Wallfahrten zu den heiligen Stätten in Saudi-Arabien lieber zu verschieben.
Der jordanische Gesundheitsminister Nayef al-Fayez sagte am Sonntag in Amman, die Impfungen gegen die Schweinegrippe sollten in seinem Land an diesem Dienstag beginnen. 500 Mekka-Pilger würden aber bereits einen Tag früher ihre Impfdosis erhalten, bevor sie nach Saudi-Arabien abreisen.
Auch wenn weltweit immer neue Vorsichtsmaßnahmen greifen: In Polen und im Kosovo starben am Wochenende erstmals Menschen an der Schweinegrippe. In Jordanien starb am Sonntag eine 20 Jahre alte schwangere Frau. Mit ihr sind bereits elf Menschen in dem nahöstlichen Land der Krankheit erlegen.
In Serbien wurden bisher etwa 270 Fälle der Erkrankung bestätigt, acht Menschen starben daran. Entsprechend haben die Gesundheitsbehörden auch hier die Bevölkerung aufgerufen, sich gründlich die Hände zu waschen, Atemschutzmasken zu tragen und sich impfen zu lassen. Doch bisher sind diese Appelle ohne große Wirkung verhallt.
Denn viele Serben verlassen sich traditionell auf die Heilkräfte des Knoblauchs. Entgegen der ärztlichen Meinung sind die davon überzeugt, dass das Lauchgewächs vor der Schweinegrippe schützt. "Knoblauch ist das Beste, vergesst Impfungen", sagte etwa ein Mann, der sich auf einem Belgrader Markt mit Knoblauch eindeckte. "Von der Impfung kann man krank werden, vom Knoblauch bekommt man nur schlechten Atem."
Knoblauch gilt in Südosteuropa schon seit Jahrhunderten als Glücksbringer und Heilmittel gegen alle möglichen Krankheiten und Gebrechen. Doch nun herrscht auf den Gemüsemärkten in Serbien ein regelrechter Ansturm auf die Knolle. Der Preis für Knoblauch schießt in die Höhe, sein durchdringender Geruch liegt über allen öffentlichen Plätzen, und die Serben knabbern an Knoblauchzehen wie an Äpfeln.
"Die Schweinegrippe ernster nehmen"
Viele Serben tragen auch in Zeiten ohne Schweinegrippe Knoblauch regelmäßig in Taschen bei sich, um Dämonen und Geister fernzuhalten, insbesondere Vampire. Zum selben Zweck liegt Knoblauch auch unter den Fußmatten zahlloser Häuser und wird schon Babys unters Kopfkissen gelegt, um ihnen ein gesundes Leben zu sichern. Viele Serben essen Knoblauchzehen als Snack und trinken dazu Sliwowitz.
Als Beweis für die heilsame Wirkung der weißen Knolle führen serbische Medien dieser Tage vor allem die Folgen zweier Musikfestivals an. Nach dem beliebten Rock-Open-Air Exit im Juli in Novi Sad wurden die ersten Schweinegrippe-Fälle des Landes bestätigt - dort habe das überwiegend jugendliche Publikum vor allem Bier und Marihuana zu sich genommen, heißt es. Vom ebenso populären Folk-Festival in Guca sei keine einzige Erkrankung gemeldet worden - schließlich hätten dort die meisten Besucher knoblauchhaltige Fleischgerichte gegessen und dazu Sliwowitz getrunken.
Fast schon verzweifelt klingt es da, was der Virologe Zoran Djordjevic sagt: "Die Menschen müssen die Schweinegrippe ernster nehmen und sich auf echte Prävention und Medikamente konzentrieren."
| Schweinegrippe - Impfmöglichkeiten in den Bundesländern | ||
| Bundesland | Impfmöglichkeit | Telefon-Beratung |
| Baden-Württemberg | Arztsuche im Netz | -- |
| Bayern | Liste der Impfpraxen | 089-31560101 |
| Berlin | Arztsuche im Netz | Telefonberatung der Bezirke |
| Brandenburg | Liste der Impfpraxen | Liste der Gesundheitsämter |
| Bremen | Liste der Impfpraxen | 0421-361–14444 (Bremerhaven: 0471-596-14444) |
| Hamburg | Liste der Impfstellen | 040-428373795 |
| Hessen | Liste der Gesundheitsämter | 0180/1030300 |
| Mecklenburg-Vorpommern | Liste der Gesundheitsämter | -- |
| Niedersachsen | Liste der Impfpraxen | 0180-1155511 |
| Nordrhein-Westfalen | Liste der Gesundheitsämter | 0180-3100210 |
| Rheinland-Pfalz | Liste der Impfpraxen | 06131-165200 |
| Saarland | Liste der Impfpraxen | 0681-5013694 und 95 |
| Sachsen | Liste der Gesundheitsämter | 0351-564-5555 |
| Sachsen-Anhalt | Liste der Impfpraxen | 0391-5377111 |
| Schleswig-Holstein | Liste der Impfpraxen | 0431-1606666 |
| Thüringen | Liste der Impfpraxen | 0361-37743099 |
böl/dpa/AP
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