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Sensationsstudie: Forscher will eigene Stammzell-Entdeckung zurückziehen

Mausembryo: Aus Stammzellen kann jede Art von Gewebe entstehen Zur Großansicht
DPA/ Riken

Mausembryo: Aus Stammzellen kann jede Art von Gewebe entstehen

Die Studie schien eine Sensation: Im Januar hatten Forscher berichtet, Mauszellen durch ein kurzes Säurebad in den Embryonalzustand versetzen zu können - Gewebeherstellung auf simple Weise schien möglich. Jetzt will einer der Forscher die Arbeit zurückziehen.

An einer weltweit aufsehenerregenden Arbeit zur Verjüngung von Zellen sind Zweifel aufgekommen. Im Januar hatten Forscher berichtet, Mauszellen mit einem kurzen Säurebad in einen Embryonalzustand überführen zu können. Die Studie hatte Hoffnung geweckt, auf einfache Weise Stammzellen herstellen zu können. Stammzellen sind quasi Alleskönner im Körper, aus ihnen kann jede Art von Gewebe entstehen.

Doch die Entdeckung gerät in die Kritik. Wie japanische Medien am Dienstag berichten, erörtern die beteiligten Stammzellforscher, ob sie ihren Fachartikel zur Umprogrammierung von Zellen zurückziehen sollen. Einig sind sie sich bislang nicht.

Einer der Co-Autoren, Teruhiko Wakayama von der Universität Yamanashi erklärte in den heimischen Medien: Es sei ratsam, den Forschungsbericht "zurückzuziehen und erneut einzureichen, nachdem sichergestellt ist, dass die Daten alle korrekt sind und er von niemandem kritisiert wird".

Ein anderer Co-Autor, Charles Vacanti von der Harvard Medical School, widersprach dem jedoch in der Zeitung "Wall Street Journal" vom Montag. "Es sind zwar einige Fehler gemacht worden, aber die beeinträchtigten nicht die Ergebnisse. Basierend auf den Informationen, die ich habe, sehe ich keinen Grund, warum die Papiere zurückgezogen werden sollten."

Unausgereifte Mäusezellen

Die Wissenschaftler aus Japan und den USA hatten in ihrer vielbeachteten Studie Ende Januar im britischen Fachblatt "Nature" berichtet, dass sie unter anderem mit Zitronensäure Körperzellen neugeborener Mäuse in eine Art embryonalen Zustand zurückversetzt hatten. Diese sogenannten STAP-Zellen könnten sich wieder in nahezu jeden Zelltyp entwickeln, berichtete das Team um die Forscherin Haruko Obokata vom Riken-Zentrum damals.

Die Rückprogrammierung von Körperzellen in einen Zustand, in dem sie sich wie embryonale Stammzellen zu vielen verschiedenen Gewebetypen entwickeln können, war zuvor nur mit Hilfe von zugefügten Proteinen oder Genen gelungen. Das Verfahren, solche Zellen durch simplen Säurestress zu erzeugen, eröffne ganz neue Möglichkeiten, um eines Tages patienteneigene Stammzellen zu erzeugen, kommentierte Austin Smith von der britischen Universität Cambridge in einem Begleitkommentar des Fachjournals "Nature" damals. Man müsse allerdings bedenken, dass die Versuche bisher nur mit unausgereiften Mäusezellen gemacht wurden. Es bleibe abzuwarten, ob dies auch bei anderen Organismen gelinge, vor allem beim Menschen.

Bereits kurz nach Veröffentlichung der Studie waren kritische Stimmenlaut geworden - unter anderem wiesen anonyme Blogger auf der Plattform Pubpeer auf Methodenfehler hin. Die Vorwürfe: Bilder seien doppelt verwendet, eine Abbildung zusammengeschnitten worden und das Verfahren nicht rekonstruierbar. Auf den Seiten des Fachjournals "Nature" hieß es am 17. Februar 2014, der Vorfall werde weiter untersucht, es sei aber noch nicht klar, wie lange das Verfahren dauere. Auch das Riken-Zentrum für Entwicklungsbiologie im japanischen Kobe untersucht weiter, ob der Fachartikel seiner Forscher zurückgezogen werden soll.

jme/dpa

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1. Da gibt es schon was wesentlich besseres ...
Meineserachtens 11.03.2014
nämlich die patentierte Blastomere-Technik des Unternehmens Advance Cell Technologies ACTC mit Dr. Robert Lanza. Hier wird ähnlich wie mit der Präimplantationsdiagnostik (PID) dem Embryo ein Zellteil zur Weiterkultivierung entnommen ohne es zu zerstören. Daraus werden z. B. zur Zeit Retinal Epithel Zellen gewonnen, die in den bislang 3 genehmigten Patientenversuche der FDA in den USA verwendet werden. Diese Technik erlaubt es millionenfache embryonale Stammzellen zu gewinnen. Auch dies ist mittlerweile patentiert. Die mit den RPE-Zellen behandelten Patienten ( mittlerweile über 30) haben signifikante Sehverbesserungen bei den Augenkrankheiten trockene Makulardegeneration und Stargard Distrophy ergeben. Ein Patient war sogar vorher fast blind und kann jetzt Auto fahren. Dieses Unternehmen schreibt revolutionäre Medizingeschichte. Nur wissen das noch nicht viele ..
2. ethisch bedenklich
tuewasduwillst 11.03.2014
Zitat von Meineserachtensnämlich die patentierte Blastomere-Technik des Unternehmens Advance Cell Technologies ACTC mit Dr. Robert Lanza. Hier wird ähnlich wie mit der Präimplantationsdiagnostik (PID) dem Embryo ein Zellteil zur Weiterkultivierung entnommen ohne es zu zerstören. Daraus werden z. B. zur Zeit Retinal Epithel Zellen gewonnen, die in den bislang 3 genehmigten Patientenversuche der FDA in den USA verwendet werden. Diese Technik erlaubt es millionenfache embryonale Stammzellen zu gewinnen. Auch dies ist mittlerweile patentiert. Die mit den RPE-Zellen behandelten Patienten ( mittlerweile über 30) haben signifikante Sehverbesserungen bei den Augenkrankheiten trockene Makulardegeneration und Stargard Distrophy ergeben. Ein Patient war sogar vorher fast blind und kann jetzt Auto fahren. Dieses Unternehmen schreibt revolutionäre Medizingeschichte. Nur wissen das noch nicht viele ..
Laut einem Urteil des Bundesgerichtshof sind Stammzell-Patente in Deutschland nur erlaubt, wenn für die Gewinnung keine Embryonen sterben müssen. Jetzt kommt die entscheidende Frage: wurden fuer die Forschung zur Erlangung dieses Patents Embryonen zerstört? Wird vielleicht durch diese Technik das Embryo in irgendeiner Weise geschaedigt oder gar zerstoert? Und ist es ethisch zumutbar, menschliche Embryonen zur Zuechtung von "Ersatzteilen" zu missbrauchen?
3.
tororosoba 12.03.2014
Zitat von tuewasduwillstLaut einem Urteil des Bundesgerichtshof sind Stammzell-Patente in Deutschland nur erlaubt, wenn für die Gewinnung keine Embryonen sterben müssen. Jetzt kommt die entscheidende Frage: wurden fuer die Forschung zur Erlangung dieses Patents Embryonen zerstört? Wird vielleicht durch diese Technik das Embryo in irgendeiner Weise geschaedigt oder gar zerstoert? Und ist es ethisch zumutbar, menschliche Embryonen zur Zuechtung von "Ersatzteilen" zu missbrauchen?
Soweit ich das verstehe, wird Embryonen eine Zelle entnommen. Diese Forschung findet übrigens in den USA statt, wo BVG-Urteile eher irrelevant sind. Trotzdem gibt es auch dort Widerstand gegen jegliche Art der Manipulation von menschlichen Embryonen, so dass das japanische Forschungsergebnis ein Durchbruch wäre. Was macht man eigentlich mit einem Embryo nach einer solchen Prozedur? Angenommen, er überlebt, was dann?
4. optional
joachim_m. 12.03.2014
Schon komisch, die Fachzeitschriften machen doch immer Reklame damit, dass sie die Artikel vor einer Veröffentlichung prüfen. Natürlich kann auch bei einer Prüfung mal ein Artikel durchrutschen, aber wenn das stimmt, was der im Artikel erwähnte Blogger schreibt, ist das mehr als nur ein Versehen, wenn der Artikel dennoch so wie eingereicht veröffentlicht wird. So etwas sind massive Anzeichen dafür, dass der Artikel nicht fehlerfrei ist - und so etwas müsste bei der Prüfung durch den Verlag auffallen. Anders kann es nur sein, wenn keine ernsthafte Prüfung, aus welchem Grund auch immer, stattgefunden hat. Damit will ich nicht sagen, dass der Artikel völlig falsch ist, auch nicht, dass eventuell nicht so sein kann, dass ihre Arbeit aus wissenschaftlicher Sicht inhaltlich brillant ist und sie nur nicht in der Lage sind, einen brauchbaren Artikel zu verfassen: Nicht jedem guten Wissenschaftler liegt auch das Verfassen von Artikeln, aber wofür, so frage ich, ist eine Prüfung durch den Verlag gut, wenn nicht einmal solche handwerklichen Fehler auffallen und dann darauf gedrungen wird, dass die Autoren den Artikel nachbessern. Die Verlage verlangen regelmäßig von den Autoren Geld, damit sie deren Aufsätze publizieren, sie verlangen Geld dafür, dass jemand die Aufsätze nutzt, da kann man ja wohl erwarten, dass sie auch ihren Job machen und die Artikel richtig prüfen, denn ihr doppeltes kassieren wird nämlich genau damit begründet, dass sie die Artikel vor der Veröffentlichung prüfen würden. Bei so einer miesen Prüfung, wie sie wohl hier stattgefunden hat, entfällt der Grund für das Kassieren durch die Verlage, da können sie allenfalls ein Entgelt in Höhe der vorgehaltenen Webspace verlangen und zwar vom Autor, nicht vom Leser, denn mit unbrauchbaren oder wenig brauchbaren Artikeln kann der nichts anfangen. Das ist dann ungefähr so, als wenn man einen Toaster kauft, der leider nicht in der Lage ist, Brot zu toasten. Auch nützen mir selbst die brilliantesten Ingenieure nichts, die den Toaster entwickelt haben; wenn eine Arbeit nicht oder nur wenig brauchbar ist, ist das alles egal.
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Stammzellen - die Multitalente
Embryonale Stammzellen (ES)
Sie gelten als die zellulären Alleskönner: Reift eine befruchtete Eizelle zu einer Blastozyste, einem kleinen Zellklumpen, heran, entsteht in deren Inneren eine Masse aus embryonalen Stammzellen. Die noch nicht differenzierten Stammzellen können sich zu jeder Zellart des menschlichen Körpers entwickeln. Voraussetzung ist, dass sie mit den richtigen Wachstumsfaktoren behandelt werden.
Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS)
Körperzellen einfach in Stammzellen umprogrammieren - das gelang Forschern durch das Einschleusen ganz bestimmter Steuerungsgene. Aus den dabei entstandenen maßgeschneiderten Stammzellen züchteten sie erfolgreich verschiedene Körperzellen. Diese Methode ist nicht nur elegant, sondern auch ethisch unbedenklich, da dabei kein Embryo hergestellt und zerstört wird. Allerdings birgt die Methode noch Risiken, weil für das Einschleusen der Gene Viren benötigt werden. Die Gene werden vom Virus verstreut im Genom eingebaut, wichtige Gene der Zelle können dabei beschädigt werden, die Zelle kann entarten. Es besteht Krebsgefahr. Zudem bauen auch die Viren ihr Erbgut ein. Forschern gelang jedoch mittlerweile die Reprogrammierung ohne Viren und mit anschließender Entfernung der Gene.
Proteininduzierte pluripotente Stammzellen (piPS)
Zellen reprogrammieren - nur durch Zugabe von Molekülen und ohne Veränderung des Erbgutes. Dies gelang Forschern erstmals im April 2009. Damit räumten sie potentielle Risiken aus, die das Einschleusen der Reprogrammiergene barg.
Keimbahn abgeleitete pluripotente Stammzellen (gPS)
Keimbahn-Stammzellen können normalerweise nur Spermien erzeugen. Aber man kann sie auch in pluripotente Stammzellen verwandeln. Diese "germline derived pluripotent stem cells" (gPS) bieten ein großes Potential, denn ihr Erbgut ist noch relativ unbeschädigt. Forschern gelang die Verwandlung an Hodenzellen von Mäusen - nur durch ganz bestimmte Zuchtbedingungen.
Adulte Stammzellen
Nicht nur Embryonen sind eine Quelle der Zellen, aus denen sich verschiedene Arten menschlichen Gewebes entwickeln können. In etwa 20 Organen inklusive der Muskeln, der Knochen, der Haut, der Plazenta und des Nervensystems haben Forscher adulte Stammzellen aufgespürt. Sie besitzen zwar nicht die volle Wandlungsfähigkeit der embryonalen Stammzellen, bereiten aber auch keine ethischen Probleme: Einem Erwachsenen werden die adulten Stammzellen einfach entnommen und in Zellkulturen durch Zugabe entsprechender Wachstumsfaktoren so umprogrammiert, dass sie zu den gewünschten Gewebearten heranreifen.
Ethik und Recht
Die Stammzellforschung birgt ethische Konflikte. Embryonale Stammzellen werden aus Embryonen gewonnen, die entweder eigens hergestellt werden oder bei künstlichen Befruchtungen übriggeblieben sind. Dabei wird der Embryo zerstört. Die Argumentation der Befürworter: Die Embryonen würden ohnehin vernichtet. Kritiker sprechen dagegen von der Tötung ungeborenen Lebens. In Deutschland ist das Herstellen menschlicher Embryonen zur Gewinnung von Stammzellen verboten. In Ausnahmefällen erlaubt das Gesetz aber den Import von Stammzellen, die vor dem 1. Mai 2007 hergestellt wurden. In Großbritannien und Südkorea ist das therapeutische Klonen ausdrücklich erlaubt, ebenso in den USA.
Klon-Pionier und Zellzauberer

Das Erbgut
Genom
Das Genom bezeichnet das gesamte Erbgut eines Organismus. Außer bei einigen Viren besteht es immer aus DNA (Desoxyribonukleinsäure). Das Genom beinhaltet den Bauplan für die Produktion sämtlicher Proteine (Eiweißmoleküle), die ein Organismus zum Leben benötigt. Ein Gen ist ein Sequenzabschnitt auf dem Genom und beinhaltet die Erbinformation für ein Protein. Die einzelnen Bausteine der DNA sind vier verschiedene Basen: A, C, T und G.
Messenger-RNA (mRNA)
Die mRNA ist eine Art Genabschrift oder Blaupause der DNA. Nur die mRNA kann von den Proteinfabriken der Zellen, den sogenannten Ribosomen gelesen werden. Sie gibt ihnen vor, in welcher Reihenfolge Aminosäuren - die Bausteine von Proteinen - für das jeweilige Protein zu verknüpfen sind.
Codon
Ein Codon ist eine Folge von drei Bausteinen (Nukleotiden oder Basen) der DNA und analog auch der mRNA. Ein Codon steht für eine bestimmte Aminosäure oder als Stoppsignal, welches das Ende einer Bauanweisung für ein Protein kennzeichnet.
Genetischer Code
Der genetische Code ist die Zuordnung der Basen-Dreiergruppen und der Aminosäuren. Da vier verschiedene Basen zur Auswahl stehen, umfasst der genetische Code insgesamt 64 Codons. Für die meisten Aminosäuren gibt es daher mehr als ein Codon. So stehen beispielsweise die Codons CAG und CAA für die gleiche Aminosäure, die Glutaminsäure.
Transfer-RNA (tRNA)
Die tRNAs übernehmen eine Adapterfunktion beim Bau der Proteine: Jede tRNA hat auf der einen Seite jeweils ein sogenanntes Anticodon, das passend zum Codon auf der mRNA ist. Auf der anderen Seite ist sie mit der zugehörigen Aminosäure beladen. Auf diese Weise wird der genetische Code auf der mRNA abgelesen und in die entsprechende Aminosäurekette zum Protein verwandelt. Dieser Prozess geschieht in den Ribosomen.


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