Fortpflanzung Erste nationale Samenbank der Welt entsteht in England

Vor allem Single-Frauen und lesbische Paare sollen profitieren: England hat die Einrichtung einer nationalen Samenbank angekündigt. Ethnische Minderheiten könnten dort "kulturell passende" Spenden auswählen.

Eizelle mit Spermien: Nationale Samenbank soll "steigende Nachfrage" stillen
DPA

Eizelle mit Spermien: Nationale Samenbank soll "steigende Nachfrage" stillen


Die Nachfrage nach Samenspenden ist zu groß, ein neues, verbessertes Angebot muss her: Mit dieser Begründung ist jetzt die weltweit erste nationale Samenbank in England angekündigt worden.

Beheimatet in der Frauenklinik in Birmingham, soll die Einrichtung ab Oktober dafür sorgen, dass der "derzeitige Mangel" an Samenspenden gemindert wird, heißt es in einer Mitteilung des National Gamete Donation Trust (NGDT), der gemeinsam mit dem Krankenhaus die Organisation übernimmt.

Man wolle mit dem Angebot einen sicheren, fairen und stärkeren Zugang zu Spenden bieten und hoffe, dass damit auch die Zahl derjenigen Patienten abnimmt, die "sich selbst durch Inanspruchnahme unregulierter Samenspendedienste in Gefahr bringen". Zudem seien die Vielfalt der Optionen größer: "Erstmals können Angehörige ethnischer Minderheiten aus einer ganzen Reihe kulturell zusammenpassender Spenden wählen."

Umgerechnet rund 96.000 Euro hat das britische Gesundheitsministerium für die Einrichtung bereitgestellt, zudem habe der NGDT in diesem Jahr für seine Arbeit bereits etwa 150.000 Euro an öffentlichen Geldern zugesprochen bekommen, schreibt die "Daily Mail". Der NGDT ist die für Sperma-, Eizellen- und Embryospenden zuständige nationale Einrichtung in England.

Nachfrage vor allem bei Single-Frauen und lesbischen Paaren

Derzeit müssen Frauen laut "Daily Mail" bis zu zwei Jahre auf eine Spende vom NGDT warten, weshalb viele andere Angebote in Anspruch nehmen. Sowohl Kassen- als auch Privatpatienten sollten nach den Plänen des Gesundheitsministeriums von dem neuen Angebot profitieren, zitiert der "Guardian", "alle Ethnien in ganz Großbritannien, auch gleichgeschlechtliche Paare und alleinstehende Frauen".

Vor allem die Nachfrage dieser Gruppen sei "exponentiell" gestiegen", sagte NGDT-Geschäftsführerin Laura Witjens der "Daily Mail". "Es wird sozial stärker akzeptiert zu sagen, ich habe den richtigen Mann noch nicht gefunden, ich will nicht auf ihn warten, möchte aber immer noch ein Kind."

Es seien natürlich auch Paare mit Empfängnisproblemen unter den künftigen Kunden der nationalen Samenbank, doch ein großer Prozentsatz seien berufstätige Single-Frauen, die sich für ein Kind ohne Mann entscheiden. Und bei mehr als einem Viertel würde es sich voraussichtlich um lesbische Paare handeln.

In den kommenden drei Jahren sollen mindestens 1000 Männer rekrutiert und "hinreichende Spenden" für die Samenbank gesammelt werden, um die gestiegene Nachfrage zu stillen. 300 Pfund, umgerechnet etwa 375 Euro, kostet der Service laut "Daily Mail" dann, bei dem die Kunden einen anonymen Spender einer Onlinedatenbank auswählen können. Das Sperma werde dann in eine Klinik ihrer Wahl gesendet.

emt



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Atheist_Crusader 03.08.2014
1.
Zitat von sysopDPAVor allem Single-Frauen und lesbische Paare sollen profitieren: England hat die Einrichtung einer nationalen Samenbank angekündigt. Ethnische Minderheiten könnten dort "kulturell passende" Spenden auswählen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/fortpflanzung-in-england-entsteht-die-erste-nationale-samenbank-a-984234.html
Ist das eine gute Sache? Jetzt auch die Sonderwünsche nach Hautfarbe zu berücksichtigen? Damit ein weißes Paar auch bloß ein weißes Kind bekommt oder eine Pakistani nicht mit der Schande leben muss, dass ihr Kind ein paar Hauttöne heller ist? Wär's nicht viel sinnvoller, die Rasse gar nicht mehr festzuhalten (oder zumindest dem Kunden nicht zu offenbaren, falls es medizinisch notwendig ist), den Kunden nach den bekannten Charakteristika die Spenederauswahl treffen zu lassen und dann einfach alles wirken zu lassen? Ich weiß, vielleicht ist meine Ansicht ja auch völlig verquer, aber ich glaube, diesen Rassen-Blödsinn werden wir am ehesten los, indem wir uns einfach untereinander vermischen... und nicht indem wir es ein paar Exzentrikern erlauben, auch bei Samenspenden in ihrer eigenen exklusiv-ethnischen Ecke zu hocken wo nichts anderes hin durchkommt.
tadamtadam 03.08.2014
2. öhm...
... "kultur" und "ethnie" haben erstmal nichts miteinander zu tun. beide begriffe beschreiben unterschiedliches. "kultur" manifestiert sich nicht in der DNA, sie kann nicht vererbt werden, sondern wird vermittelt.
atech 03.08.2014
3.
Zitat von Atheist_CrusaderIst das eine gute Sache? Jetzt auch die Sonderwünsche nach Hautfarbe zu berücksichtigen? Damit ein weißes Paar auch bloß ein weißes Kind bekommt oder eine Pakistani nicht mit der Schande leben muss, dass ihr Kind ein paar Hauttöne heller ist? Wär's nicht viel sinnvoller, die Rasse gar nicht mehr festzuhalten (oder zumindest dem Kunden nicht zu offenbaren, falls es medizinisch notwendig ist), den Kunden nach den bekannten Charakteristika die Spenederauswahl treffen zu lassen und dann einfach alles wirken zu lassen? Ich weiß, vielleicht ist meine Ansicht ja auch völlig verquer, aber ich glaube, diesen Rassen-Blödsinn werden wir am ehesten los, indem wir uns einfach untereinander vermischen... und nicht indem wir es ein paar Exzentrikern erlauben, auch bei Samenspenden in ihrer eigenen exklusiv-ethnischen Ecke zu hocken wo nichts anderes hin durchkommt.
Eltern wollen im allgemeinen, dass ihr Kind auch wie das eigene aussieht. Für Kinder ist das Leben auch einfacher, wenn ihnen nicht jeder gleich ansieht, dass die Eltern nicht die biologischen Eltern sein können, weil sie völlig anders aussehen. Daher ist es mehr als sinnvoll, potentiellen Eltern passende Spender zuzuordnen. Da die Samenbank sicher auch Profit machen möchte, muss sie sich zudem nach den Kundenwünschen richten. Denn wer würde schon Geld dafür ausgeben, eine Samenspende zu kaufen, wenn über den Spender nichts bekannt ist? - Da kauft man als zahlkräftiger Kunde seine Samenspende lieber in den USA, wo sich neben der ethnischen Zugehörigkeit auch so manches über den biographischen Hintergrund des Spenders erfahren lässt. Ob dieser Bauarbeiter oder Akademiker oder gar Nobelpreisträger ist.
Solid 03.08.2014
4. Risiken und Nebenwirkungen
Man sollte nicht vergessen, zu erwähnen, dass mit der Samenspende auch gleich noch eine Unterhaltsverpflichtung in Höhe von bis zu einer Million Euro verbunden ist, denn der Samenspender muss natürlich nicht nur das Kind alimentieren sondern bis zu 25 Jahre lang auch dessen Mutter. Denn schließlich ist der Samenspender der biologische Vater und die entsprechenden Verpflichtungen können vertraglich nicht ausgeschlossen werden. Eine Samenspende empfiehlt sich daher ausschließlich für Personenkreise, die ihr Leben lang von Sozialhilfe zu leben gedenken. Aber selbst dann besteht das Risiko, dass man wegen Unterhaltsunterschlagung in den Knast kommt (so wie das in Deutschland üblich ist).
belnato 03.08.2014
5. Rational oder verantwortungslos?
Die Welt ist überbevölkert und gleichzeitig werden private Kinderwünsche entgegen aller ethischen Grundsätze mit staatlicher Hilfe realisiert. Ist dies gegenüber den zukünftigen "Wunschkindern" zu rechtfertigen? Ich habe da meine Zweifel.
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