Fortpflanzung Schatz, klingst Du fruchtbar?

Viele Tiere zeigen deutlich, wann sie fruchtbar sind - Frauen nicht. Bisher wurde vermutet, dass ihre Stimmlage den Eisprung verrät. Doch Forscher fanden nun heraus, dass die Stimme während des gesamten Zyklus schwankt. Sie ist nicht nur an den fruchtbaren Tagen hoch.

Die Stimme der Frau: Während der Menstruation klingt sie unharmonisch und rau
Corbis

Die Stimme der Frau: Während der Menstruation klingt sie unharmonisch und rau


Bei Schimpansen rötet sich der Po, Pferde heben ihren Schweif, und Leoparden rollen sich im Gras - vielen weiblichen Säugetieren merkt man die Paarungsbereitschaft an. Anders ist es beim Menschen: Männer können es Frauen nicht auf den ersten Blick ansehen, dass sie sich in der Phase des Monatszyklus befinden, in der sie schwanger werden könnten.

Doch verschiedene Studien der letzten Jahre gaben den Männern Hoffnung: Es hieß, sie könnten die fruchtbaren Tage ihrer Liebsten am Klang der Stimme erkennen. Nun scheint eine aktuelle Studie dieses Wunschdenken zu widerlegen: Stimmen können wie ein Piepsen, ein Krächzen, hell oder dunkel klingen - aber eines wohl nicht: fruchtbar.

Denn Wissenschaftler um Julia Fischer vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen berichten nun im Online-Wissenschaftsjournal PLoS One, dass sich die Tonhöhe der Stimme während des Monatszyklus zwar stark wandelt. Doch den Höhepunkt der Fruchtbarkeit, den Eisprung, verrät sie nicht.

Gemeinsam mit Kollegen aus London und Tel Aviv hatte Fischer die Stimmen von 23 Frauen erstmals mit dem Hormonspiegel während des gesamten Zyklus verglichen. Um sicherzugehen, dass die Stimmbänder der 18 bis 26-jährigen Studienteilnehmerinnen vergleichbar sind, untersuchte ein Arzt Stimmbänder und Kehlkopf: Raucherinnen, Asthmatikerinnen, Sängerinnen, Moderatorinnen oder Frauen, die ihre Stimme stark beanspruchen, durften nicht teilnehmen.

Je näher der Eisprung, desto höher die Stimmen

Jede Probandin gab einen Monatszyklus lang täglich ein paar Milliliter Urin ab, damit der Hormonspiegel überwacht und der genaue Zeitpunkt des Eisprungs ermittelt werden konnte. Zusätzlich zeichneten die Frauen ihre Stimmen auf: Sie sprachen eine Minute lang über das Wetter oder erzählten vom vergangenen Tag. Zusätzlich wurden die Vokale "A", "U" und "I" aufgenommen, "weil sie sich am deutlichsten von einander unterscheiden", so Fischer, Leiterin der Abteilung für Kognitive Ethologie am Deutschen Primatenzentrum.

Das Ergebnis: Je näher der Eisprung rückte, desto höher wurden die Stimmen. Doch am Tag des Eisprungs selbst senkte sich bei 17 von 23 Probanden die Tonhöhe um durchschnittlich sechs Hertz bei den Vokalen und zehn Hertz bei der freien Sprache. Nach wenigen Tagen kehrte sie jedoch wieder zur höheren Stimmlage zurück.

Um zu sehen, wie Männer auf die Stimmlagen der Frauen während der unterschiedlichen Zyklusphasen reagieren, spielten die Forscher 28 Männern Aufnahmen vor, die die Stimmen vor, während und nach dem Eisprung zeigten. Die Probanden sollten entscheiden, welche der drei Stimmen am attraktivsten klingt. Um sicherzugehen, dass nur der Klang und nicht der Inhalt bewertet wird, durften nur englische Studenten hinhören.

Ihr Urteil: Einigen gefielen die Aufnahmen, die zum Zeitpunkt der höchsten Fruchtbarkeit entstanden waren - anderen nicht. Lediglich 15 von 28 zogen die Stimmen kurz vor dem Eisprung den anderen vor. Frühere Studien hatten die Frauenstimmen lediglich zum Zeitpunkt der höchsten und der niedrigsten Fruchtbarkeit untersucht. Die Wissenschaftler um Fischer sahen sich nun jedoch den gesamten Verlauf an und machen deutlich, "dass die Prozesse, die zur Fortpflanzung anregen, komplexer sind, als es zuvor dargestellt wurde", so Fischer.

Hohe Frauenstimmen signalisieren nicht den Eisprung

Laut Fischer signalisiert die Stimme einer Frau nicht den Zeitpunkt des Eisprungs. Trotzdem können die Sexualhormone die Tonlage beeinflussen, weil es in der Schleimhaut der Stimmlippen dafür bestimmte Rezeptoren gibt. Schwankungen der Sexualhormone Östrogen und Progesteron wirkten sich somit zwar indirekt auf die Tonfrequenzen aus, beeinflussten die Stimme aber nicht so stark, dass Männer den Frauen unterbewusst beim Fruchtbarwerden zuhören könnten, so Fischer.

Während des weiblichen Zyklus schwanken die Hormonkonzentrationen. Wenn der Eisprung durch eine Spitze im Östrogenspiegel ausgelöst wurde, wandert die Eizelle in den Eileiter. Damit die Schleimhaut der Gebärmutter wächst, wird das Hormon Progesteron ausgeschüttet. Es sorgt dafür, dass sich befruchtete Eier dort einnisten können. Geschieht dies nicht, bröckelt die Schleimhaut ab und sorgt für die Menstruation. Während der anschließenden Monatsblutung sinken dann die Konzentrationen von Östrogen und Progesteron rapide.

Und genau zu diesem Zeitpunkt haben die Forscher dann noch etwas Bemerkenswertes entdeckt: "Während der Monatsblutung verändert sich die Stimme der Frau am stärksten, sie klingt rauer und weniger harmonisch", sagt Fischer. Das hat praktische Relevanz: "Opernsängerinnen dürfen während ihrer Periode drei Tage pausieren", so die Wissenschaftlerin.

Ein wenig Hoffnung gibt es für die Männer dennoch: Andere Studien deuten darauf hin, dass Frauen an ihren fruchtbaren Tagen verstärkt auf ihr Äußeres achten und mehr Haut zeigen - und so den Männern doch ein kleines Zeichen geben. Die Gewinner des alternativen Ig-Nobelpreises 2008 hatten sogar herausgefunden, dass Stripperinnen um den Eisprung herum mehr Geld verdienen.



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