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Gefährliche Darminfektion: Ehec-Epidemie fordert schon 36 Todesopfer

Die Angst vor Ehec geht um - jetzt wurde der gefährliche Darmkeim erstmals auf Salat aus Bayern entdeckt. Vermutlich handelt es sich aber nicht um den aggressiven Stamm, der derzeit in Norddeutschland grassiert. Fahnder gehen weiter davon aus, dass die Quelle für die Ehec-Epidemie Sprossen sind.

Ein Feld mit Blattsalaten von der Sorte Lollo Rosso: Neue Ehec-Quelle entdeckt Zur Großansicht
dapd

Ein Feld mit Blattsalaten von der Sorte Lollo Rosso: Neue Ehec-Quelle entdeckt

Erlangen/Fürth - Erst Gurken, jetzt Sprossen - in diesen Tagen weitet sich jeder Hinweis einer möglichen Lebensmittelverseuchung zu einem dramatischen Problem für die Gemüseerzeuger aus. Jetzt trifft es einen Gemüseerzeuger aus Fürth: Denn erstmals haben Behörden Ehec-Keime auch auf einem bayerischem Salat entdeckt.

Die gute Nachricht, das betonte das bayerische Landesamt für Gesundheit- und Lebensmittelsicherheit (LGL) am Montag in Erlangen: Bisher gebe es keine Hinweise darauf, dass es sich dabei um den derzeit grassierenden Erreger-Typ handele.

Die schlechte Nachricht: Selbst wenn es nicht das Bakterium Husec 041, Serotyp O104:H4 ist, das die Kontrolleure auf den Salatköpfen identifiziert haben, kann der Verzehr von Ehec-verseuchtem Salat schwere Durchfälle auslösen. Diese fallen aber in der Regel harmloser aus, als es bei der derzeitigen Ehec-Epidemie der Fall ist. Deutschlandweit kämpfen noch 781 Menschen mit der besonders schweren Verlaufsform Hus, dem hämolytisch-urämischen Syndrom. 69 Prozent davon sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) Frauen. Bei Hus können unter anderem Nierenversagen und neurologische Schäden auftreten.

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Ehec-Epidemie in Deutschland: Ein Sprossen-Krimi
36 Patienten sind bis zum Pfingstmontag laut RKI an den Folgen einer Infektion mit Husec 041 gestorben, darunter eine Person in Schweden. Zuletzt meldete Hamburg den Tod einer älteren Frau.

Um eine erneute Ehec-Epidemie zu vermeiden, haben die Behörden die vorhandene Salat-Ware aus Fürth gesperrt. Inzwischen werden die Lieferwege analysiert, das Ergebnis der exakten Typisierung des Ehec-Keims wird nach Angaben des LGL Ende der Woche vorliegen.

Derweil geht für die Fahnder der Ehec-Epidemie der Sprossenkrimi weiter. Zwar steht inzwischen fest, dass ein niedersächsischer Betrieb eine Quelle der aktuellen Ehec-Welle ist, doch noch rätseln die Experten darüber, wie der gefährliche Darmkeim dorthin gelangen konnte.

Eine Spur kam von dem Biohof selbst, dort sind drei Sprossenarten ins Visier der Fahnder geraten: Fünf Beschäftigte, die an der Ehec-Infektion erkrankten oder Husec 041-positiv getestet wurden, haben nach Angaben des niedersächsischen Gesundheitsministeriums bevorzugt Sprossen von Brokkoli, Knoblauch und Bockshorn gegessen. Dagegen hätten vier gesunde Mitarbeiterinnen vor allem die Sorten Alfalfa und Würzige Mischung verzehrt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vermutet, dass das Saatgut für Sprossen mit dem Ehec-Keim verseucht sein könnte. "Wenn bereits die Samen mit Keimen belastet sind, dann schützt auch die Einhaltung von Küchenhygieneregeln nicht vor einer Erkrankung", sagte BfR-Präsident Andreas Hensel.

Viele Szenarien sind denkbar, wie Husec 041 in den Betrieb gelangt sein könnte. Noch können die Behörden nicht mit endgültiger Sicherheit sagen, ob Mitarbeiter den Keim in den Betrieb eingeschleppt haben, oder ob er durch verseuchtes Saatgut oder gar andere Quellen auf den Bienenbütteler Hof gelangt ist. Auch die Infektionswege der Mitarbeiter sind bisher unklar. Und: In den Samen habe man den Erreger noch nicht nachweisen können, teilte das BfR mit.

"Indizien reichen für eine Verurteilung"

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Auf die Saatgut-Spur brachte die Fahnder eine erkrankte Familie in Niedersachsen. Sie hatte sich ebenfalls mit Ehec infiziert. Allerdings verzehrte die Familie demnach selbstgezogene Sprossen, was dafür spricht, dass das Saatgut schon mit dem Keim kontaminiert gewesen sein könnte. Deshalb rät das BfR den Verbrauchern, den Verzehr selbstgezogener roher Sprossen und Keimlinge derzeit zu vermeiden. Wer nicht ganz auf die Keimlinge verzichten will, sollte sie beim Zubereiten am besten zehn Minuten lang gut abkochen.

Sprossen, also keimende Samen von Pflanzen, sind immer wieder Grund für Infektionen. Sie können nicht nur Träger von Ehec-Bakterien sein. Behörden warnen häufig vor dem Verzehr von Sprossen, weil sie mitunter hohe Erregerzahlen aufweisen, darunter auch Salmonellen oder Noroviren.

Vor rohen Sprossen wird schon lange gewarnt

Experten raten schon lange bestimmten Risikogruppen - darunter alten und geschwächten Menschen - vom Verzehr roher Sprossen ab. Denn damit Sprossen gut gedeihen, sind Wärme und Feuchtigkeit nötig. In diesem Klima vermehren sich auch Bakterien prächtig. Nach Angaben des LGL ist es äußerst schwierig, rohe Sprossen mit wenig Keimen zu produzieren. Waschen kann die Keimbelastung nur auf der Oberfläche der Nahrungsmittel verringern. Kochen oder Braten bieten mehr Schutz.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte bei einer Untersuchung festgestellt, dass sich Bakterien in fertig verpackten Sprossen innerhalb weniger Tage stark vermehren. Am Ende des Verbrauchsdatums könnten sie "eine überdurchschnittlich hohe Keimbelastung für den Verbraucher darstellen".

Bereits vor 15 Jahren waren Sprossen der Grund für einen sehr schweren Ehec-Ausbruch in Japan. Nach dem Verzehr von Rettich-Sprossen erkrankten dort mehr als 10.000 Menschen. Die Sprossen wurden durch Rinder-Dung auf dem Feld verschmutzt.

Inzwischen nimmt die Zahl der Ehec-Neuerkrankungen nach Angaben des RKI ab. Seit einigen Tagen werden "auf deutlich niedrigerem Niveau" Fälle übermittelt, teilte die Behörde am Montag mit. Bis zum Pfingstsonntag registrierte das Institut demnach insgesamt 3228 Erkrankungen.

cib/dpa

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1. und
janne2109 13.06.2011
was machen nun die vielen Sprossenfutterer ( die jeden scheel angesehen haben, wenn man etwas anderes als Salätchen usw. gegessen hat) nun? Auch wenn es unangebracht ist, ein kleines Lächeln kann ich mir nicht verkneifen, wenn ich an die Müslis in meiner Umgebung denke, die mir ewig etwas von Schweinepest und Rinderwahn erzählt haben.
2. So langsam.
thefountain 13.06.2011
"Um eine erneute Ehec-Epidemie zu vermeiden, haben die Behörden die vorhandene Salat-Ware aus Fürth gesperrt. Inzwischen werden die Lieferwege analysiert, das Ergebnis der exakten Typisierung des Ehec-Keims wird nach Angaben des LGL Ende der Woche vorliegen" Wieso braucht mann dafür eine Woche? Wenn: " Mit einem noch schnelleren Test wollen Wissenschaftler dem gefährlichen Darmbakterium EHEC weiter auf die Spur kommen. Die neue Diagnoseform des chinesischen Beijing Genomics Institute (BGI) zur Identifikation des gefährlichen Erregers ermögliche die Diagnose innerhalb von zwei bis drei Stunden, teilte ein deutscher Sprecher des Instituts in Hamburg mit " http://www.welt.de/gesundheit/article13419779/Neuer-EHEC-Test-weist-Erreger-noch-schneller-nach.html Da geht die Stümperei munter weiter.
3. In Relation zur Frühjahrsgrippe sind 36 Tote lächerlich
norfair 13.06.2011
Zudem gilt auch hier, dass viele Todesopfer eine schwere Vorerkrankung vorzuweisen hatten und entweder so oder so innerhalb eines gewissen Zeitraumes gestorben wären bzw. die Infektion lediglich den letzten Ausschlag gab; das kann aber eine Grippe oder Lüngenentzündung auch. Die Schweinegrippe hatte auch in Mexiko ganz andere Todeszahlen gefordert als in Dtl., weil dort die Hygiene, medizinische Versorgung und letztendlich auch der allg. Gesundheitszustand durch Mangelernährung und beengte Wohnverhältnisse wesentlich problematischer war. Und ähnlich wie einer schwere Vorerkrankung in Dtl. ist bei der mangelhaften Versorgung in diesen Ländern einer oder mehrere Faktoren schlicht tödlich.
4. Die Sprossen_posse
Ingeboorg 13.06.2011
... und das Bauernopfer. Einen Biohof zu ruinieren, kann man sich leisten. Auch wenn der einzige "Beweis" offen 3 Wochen in der nie geleerten Mülltonne einer kranken Familie lag?
5. Mutig
südd. 13.06.2011
Zitat von sysopDie Angst vor Ehec geht um - jetzt wurde der gefährliche Darmkeim erstmals auf Salat aus Bayern entdeckt.*Vermutlich handelt es sich aber nicht um den aggressiven Stamm, der derzeit in Norddeutschland grassiert. Fahnder gehen weiter davon aus, dass die Quelle für die Ehec-Epidemie Sprossen sind. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,768216,00.html
Ich habe keine Angst! Wenn man die Felder nur mit Gülle düngt, kommt so etwas vor. Meine selige Mutter(eine alte Bäuerin) fand es schon ziemlich ekelhaft, dass die Biobauern den frischen Mist an den Salat verteilten. Dies mit den Sprossen was da gesund sein soll ist mir bis heute ein Rätsel.
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