Hamburg - Nach dem Tod einer Sechsjährigen in Hamburg gibt es im Bezirk Altona im Westen der Stadt zwei weitere an Ehec erkrankte Kinder. Beiden gehe es aber schon wieder besser, sagte ein Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde am Dienstag. Die Infektionsquelle sei unbekannt, Laboranalysen sollen nun den Erregertyp feststellen. Nähere Angaben zu den erkrankten Kindern konnte er nicht machen.
Bei einem der Kranken handle es sich um einen Jungen aus der sechsten Klasse des Gymnasiums im Stadtteil Blankenese, sagte die Direktorin der Schule am Dienstag und bestätigte damit einen Bericht des Radiosenders NDR 90,3.
Der Erkrankte sei der Bruder einer Schülerin der benachbarten Gorch-Fock-Grundschule. Diese Schule hatte die Sechsjährige besucht, die Anfang des Monats an den Folgen einer Ehec-Erkrankung starb.
Das Gymnasium solle für die kommenden beiden Tage geschlossen werden. Das Gesundheitsamt habe eine umfassende Desinfektion des Gebäudes anberaumt. Nach NDR-Informationen muss der infizierte Junge nicht im Krankenhaus behandelt werden.
Harmloser Verlauf
Grund für die Ehec-Häufung könnte dem Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde schlicht sein, dass die Sensibilität in der Region erhöht ist, mehr Leute zum Arzt gehen und es demnach mehr Befunde gibt. Voraussichtlich werde die Zahl deshalb noch weiter ansteigen. Eine Ehec-Infektion kann symptomlos verlaufen, aber auch Durchfälle auslösen, die blutig sein können.
Bei den Neuerkrankten wurde anders als bei dem gestorbenen Mädchen kein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) - die schwere Verlaufsform einer Ehec-Infektion - diagnostiziert. "Der tragische HUS-Fall ist also weiterhin ein Einzelfall", sagte der Behördensprecher.
Die gestorbene Sechsjährige war nicht von dem gleichen Erreger befallen, der die Epidemie im letzten Jahr auslöste. Genauere Untersuchungen des Keims laufen noch. Der Fall weckte Erinnerungen an das vergangene Jahr, als sich von Mai bis Juli in Deutschland fast 4000 Menschen mit den Bakterien ansteckten und 53 starben.
Auch vor der Ehec-Epidemie von 2011, die durch einen besonders aggressiven Keim, dem Serotyp 0104:H4 ausgelöst worden war, hatte es in Deutschland jährlich Ehec-Fälle gegeben - jedoch deutlich weniger: Bundesweit registrierte das zuständige Robert-Koch-Institut zuvor zwischen 800 und 1200 Ehec-Fällen pro Jahr. Die meisten davon verliefen jedoch deutlich milder als während der Infektionswelle des Vorjahres - sie wurden von anderen, weniger gefährlichen Serotypen ausgelöst. 2010 gab es einen Todesfall infolge einer Ehec-Infektion, 2009 waren es drei.
boj/dapd/dpa
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