Gefährlicher Darmkeim: Die wichtigsten Fragen zur Ehec-Seuche

In Deutschland grassiert die Ehec-Seuche - aber welcher Stamm genau? Woran erkennt man eine Infektion und was können Ärzte dagegen tun? Die wichtigsten Fragen im Überblick.

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HZI/ Manfred Rohde

Ehec-Bakterium: Zahlreiche Krankheitsfälle in Deutschland

Was bedeutet die Stammbezeichnung O104:H4?

Es gibt Hunderte verschiedener Escherichia-coli-Stämme. Die meisten sind für den Menschen harmlos. Unterschieden werden sie als sogenannte Serotypen, üblicherweise mit den Bezeichnungen "O" und "H". "O" gibt die sogenannten Lipopolysaccharide an, Zucker-Fett-Moleküle, die sich auf der Oberfläche des Bakteriums befinden; "H" steht für die Art der sogenannten Flagellen. Das sind die Härchen, mit denen sich das Bakterium fortbewegt.

Als enterohämorrhagisch werden Escherichia-coli-Bakterien (Ehec) dann bezeichnet, wenn sie beim Menschen blutige Durchfallerkrankungen auslösen, weshalb man die Bakterienstämme auch als Husec bezeichnet. Das geschieht, weil manche Subtypen spezielle Gifte produzieren, sogenannte Shiga-ähnliche Toxine.

Der derzeit in Deutschland grassierende Stamm ist ein Ehec-Serotyp O104:H4. Experten hat er vor allem durch seine Aggressivität und schnelle Ausbreitung überrascht. Experten vermuteten bisher lediglich eine Mutation von O104:H4. Erste Erbgutanalysen des Erregers zeigen aber, dass es sich vielmehr um einen bisher unbekannten Stamm handelt. Nach Angaben der WHO ist der neue Ehec-Typ eine Kreuzung aus zwei bekannten Escherichia-coli-Stämmen. Dieser sei bisher unbekannt und noch in keinem Ausbruch vorgekommen.

Wie kann man das Risiko einer Erkrankung eindämmen?

Eine Schutzimpfung gibt es nicht; eine Therapie mit Antibiotika ist problematisch. Der Grund: Die Bakterien schütten für den menschlichen Körper gefährliche Gifte aus. Die Verwendung einiger Antibiotika kann diese Toxin-Ausschüttung im Körper anstoßen. Durch Hygiene lässt sich das Risiko einer Ehec-Infektion aber deutlich einschränken.

Nach dem Tier- und Bodenkontakt sollten die Finger nicht in den Mund gesteckt werden. Rohes Fleisch und leicht verderbliche Lebensmittel sollten stets bei Kühlschranktemperatur aufbewahrt werden. Beim Kochen sollten Lebensmittel durchgegart werden, um Bakterien abzutöten (mindestens zehn Minuten auf 70 Grad). Die Hände sollten zwischenzeitlich und regelmäßig gewaschen werden. Bretter, Geschirr und Besteck müssen gründlich gespült werden. Auf Rohmilch und Rohmilchprodukte sollte man verzichten.

Wie erkenne ich eine Infektion mit dem Ehec-Erreger?

Eine Infektion mit dem Ehec-Erreger äußert sich am häufigsten durch schweren, bisweilen auch blutigen Durchfall. Weitere Symptome sind Übelkeit, Erbrechen und in seltenen Fällen Fieber.

Was können Ärzte bei einem O104:H4-Infekt tun?

Die Inkubationszeit von O104:H4 beträgt 10 bis 13 Tage. Charakteristisch sind blutiger Durchfall, Nierenversagen und Blutarmut. Experten fassen das unter dem Begriff hämolytisch-urämisches Syndrom (Hus) zusammen. Nach jetzigem Kenntnisstand haben die Mediziner noch nicht die Möglichkeit, den Erreger O104:H4 an sich zu bekämpfen. Sie behandeln daher das Krankheitsbild, etwa durch eine Blutwäsche (Plasmapherese). Derzeit wird bei den Betroffenen auch eine experimentelle Therapie mit einem Antikörper getestet.

Was sollte man bei Beschwerden tun?

Bei schweren Durchfällen muss der Salz- und Flüssigkeitsverlust wieder ausgeglichen werden. Bei erheblichen Beschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden. Um Komplikationen schnellstmöglich entgegenzuwirken, sollten besonders gefährdete Personengruppen wie Säuglinge, Kleinkinder oder ältere Menschen im Krankenhaus behandelt werden.

Welche Erreger für eine Magen-Darm-Infektion gibt es noch?

Magen-Darm-Infektionen gehören weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Neben dem Ehec-Erreger können diese auch durch andere Keime hervorgerufen werden.

Das Norovirus kursiert das ganze Jahr über und hat in den Wintermonaten den Höhepunkt seiner Verbreitung. Die Inkubationszeit (ab sechs Stunden) ist sehr kurz.

Das Norovirus, das sich auch in Form von Schmerzen und Mattigkeit äußert, wird vor allem von Menschen übertragen. Während der akuten Erkrankung sind Betroffene hochansteckungsfähig.

Das Rotavirus ist die häufigste Ursache viraler Darminfektionen bei Kindern. Bis zum Alter von drei Jahren haben 90 Prozent aller Kinder den Keim aufgenommen. Im Verlauf ist eine lebensbedrohliche Dehydratation möglich. Weitere Erreger für Magen-Darm-Infektionen sind Salmonellen und Staphylokokken.

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insgesamt 2 Beiträge
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1. ein Wort: Hygiene!
europaerzuerst 18.06.2011
Lebensmittelvergiftung in Frankreich in einer Lidl-Filiale, nein, nichts da concombre, oder graines germées! Fleisch! Die Deutschen leben lebensmittelmässig vollkommen unhygienisch! In anderen Ländern öffnen die Lebensmittelhändler jeden Tag, reinigen jeden Tag, nichts da mit ewigen Feiertagen. Schuld ist auch die gemütsberuhigende Haltbarkeitsangabe anstatt klarem Produktions- bzw. Erntedatum!!! Das ist doch Unfug: man kann nicht selbst abschätzen und entscheiden, ob eine Ware frisch genug ist!
2. .
frubi 18.06.2011
Zitat von sysopIn Deutschland grassiert die Ehec-Seuche - aber welcher Stamm genau? Woran erkennt man eine Infektion und was können Ärzte dagegen tun? Die wichtigsten Fragen im Überblick. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,769135,00.html
Die wichtigste Frage habt ihr vergessen: Wieso wird aus einer Mücke ein Elefant gemacht?
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