Gefälschte Medikamente Italienische Arzneimittelbehörde gibt erste Entwarnung

Mehrfach wurden in diesem Jahr in Italien teure Medikamente gestohlen und manipuliert - und nach Nordeuropa geliefert. Auch in Deutschland tauchten Fälschungen auf. Produkte, die nach dem 1. Juni exportiert wurden, seien nun alle geprüft, berichten jetzt Arzneimittelbehörden.

Sichergestellt (16. Juli 2014) : Ein Fläschchen des Krebsmedikaments Alimta
BfArM

Sichergestellt (16. Juli 2014) : Ein Fläschchen des Krebsmedikaments Alimta


Die Ermittlungen sind weitgehend abgeschlossen: Wie die italienische Arzneimittelbehörde AIFA versichert, sind Arzneimittel italienischen Ursprungs, die nach dem 1. Juni 2014 exportiert wurden, nicht gefälscht. Das berichtet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Die AIFA und die italienische Polizei hätten zudem zusätzliche Maßnahmen eingeleitet, um weiterhin zu überprüfen, ob Arzneimittel, die aus Italien exportiert werden, nicht manipuliert wurden.

Apotheker, Ärzte und auch Patienten sollen aber weiterhin kontrollieren, ob Medikamente und deren Verpackungen einen unversehrten Eindruck machen, schreibt das PEI - bei deutschen Großhändlern seien mittlerweile einzelne manipulierte Arzneimittel aus Rumänien aufgetaucht. Medikamente, dessen Schachtel nicht original verschlossen oder deren Verschluss nicht intakt zu sein scheint, sollen vor der Anwendung an den Arzt oder Apotheker zurückgegeben werden.

Seit März waren mehrere Fälle bekannt geworden, wonach Medikamente in italienischen Krankenhäusern oder bei Großhändlern gestohlen und manipuliert wurden. Diese Arzneimittel gelangten in die legale Lieferkette und tauchten auch in Deutschland auf, Zwischenhändlern fiel der Pfusch auf. Das PEI und das Bundesinstitut für Arzneimittel (Bfarm) verschickten zur Warnung Rote-Hand-Briefe, auf denen die Chargennummern möglicher betroffener Lieferungen abzulesen waren. Die Medikamente wurden zunächst sichergestellt.

Riccardi, Dugato e Polizzotti 2014

Kontrollen sollen bleiben

In Zusammenarbeit mit den europäischen Behörden haben PEI, Bfarm und Landesbehörden die Legalität der Lieferwege für diese parallel vertriebenen Arzneimittelpackungen italienischer Herkunft überprüft. Erst nach der zusätzlichen Kontrolle wurden die Pillen wieder für den Verkauf zugelassen.

Aktuell fasst die AIFA die Erkenntnisse zu weiteren Fällen möglicherweise illegal vertriebener Arzneimittel zusammen. Sie wird die Ergebnisse in Kürze den EU-Behörden übermitteln. Die Zusammenarbeit der deutschen Behörden soll auch nach Abschluss der Untersuchungen in Italien fortgeführt werden.

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Medikamentendiebstahl: "Kriminell und in hohem Maße besorgniserregend"

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chunky 22.10.2014
1. Reimport-Irrsinn
Ursache dafür, das so etwas überhaupt möglich ist, ist der Irrsinn der Reimporte, der sogar durch die Politik noch gefördert wird. Dabei wird dadurch kaum Geld gespart, den größten Teil des Unterschieds zwischen deutschem und -beispielsweise- italienischem Arzneimittelpreis kassiert nämlich der Reimporteur. Der führt aber gar keine produktive Leistung aus, sondern kümmert sich lediglich um (überflüssigen) Transport und Umverpackung/Neuetikettierung. Er sackt also im Grunde genommen nur Geld ein. Und damit davon möglichst viel übrig bleibt, werden die Medikamente natürlich von Billigstlohnkräften umverpackt. Da wundert es nicht, dass immer wieder Fälschungen in den Markt gelangen! Jeder, der einigermaßen bei Verstand ist, sollte von seinem Arzt oder Apotheker Originalpräparate verlangen! Zu hoffen, dass die Politik diesen Unsinn beendet ist leider allzu optimistisch...
Vanagas 22.10.2014
2. Die Krake Mafia
So ist das halt wenn unsere Politiker die Krake Mafia gewähren lassen + im schlechtesten Fall noch mit der Mafia kooperieren !
derarbeiter 22.10.2014
3. Im Himmel ist Jahrmarkt
Per Dekret verkünden jetzt also die Italiener, dass es ab sofort keine "Fälschungen" mehr gibt. Spannend. Die Italiener, die überhaupt erst durch deutsche Importeure und Grosshändler auf die "Fälschungen" aufmerksam gemacht wurden, kümmern sich wirklich rührend um ihre mafiösen Strukturen. Ich glaube, die sind fast so talentbefreit wie der österreichische Gesundheitsminister, der per Rundschreiben "seinen" Ärzten erklärt hatte, daß sie bitte keine Rezepte mehr für "Fälschungen" ausstellen mögen . Sehr bemerkenswert, daß sich niemand für die Wurzel des Übels interessiert!!
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