Erbgut-Analyse: Genetische Auslöser für häufigste Migräneform entdeckt

Der Kopf schmerzt heftig, hinzu kommt häufig Übelkeit. Über die Ursachen von Migräneanfällen wissen Mediziner nur wenig. Nun haben sie Gene entdeckt, die für die häufigste Form der Krankheit verantwortlich sind.

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Corbis

Migräne-Patientin: "Identifizierte Gene eröffnen neue Wege"

London - Ein internationales Forscherteam hat die genetische Ursache für Migräneidentifiziert, die nicht von Sehstörungen begleitet ist. Sie fanden vier Stellen im Erbgut, die nur bei Menschen mit dieser häufigsten Form der Kopfschmerzerkrankung verändert sind. Bisher war zwar bekannt, dass die Migräne ohne sogenannte Aura auf einer genetischen Veranlagung beruht, aber man wusste nicht, wo im Erbgut die Auslöser dafür sitzen.

Die Studie identifiziere nun erstmals spezifische Gene, die für diese Erkrankung verantwortlich seien. Dies trage erheblich dazu bei, das Wissen über die Migräne zu erweitern, berichten die Wissenschaftler des International Headache Genetics Consortiums im Fachmagazin "Nature Genetics". An der Studie beteiligt waren auch Forscher des Klinikums der Universität München, des Helmholtz Zentrums München und des Münchner Max-Planck-Instituts für Psychiatrie.

Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen - rund zwölf Prozent der Bevölkerung sind Migräniker, wie die Wissenschaftler berichten. Betroffene leiden im Laufe ihres Lebens immer wieder an heftigen, oftmals von Übelkeit begleiteten Kopfschmerzanfällen. Bei etwa einem Drittel von ihnen kündigt sich ein Migräneanfall kurz vorher mit Sehstörungen oder anderen neurologischen Symptomen an, der sogenannten Aura. Weitaus häufiger aber fehlt diese Begleiterscheinung.

Blutfluss und Erregbarkeit des Gehirns betroffen

"Die jetzt identifizierten Gene eröffnen uns neue Wege, um zu erforschen, wie diese Form der Migräne entsteht", sagt Arn van den Maagdenberg vom Medizinischen Zentrum der Universität Leiden in den Niederlanden, einer der Studienleiter. Wie die Forscher berichten, liegen zwei der festgestellten Veränderungen in der Nähe von Genen, die den Blutfluss durch das Gehirn beeinflussen. Das passe zu bisherigen Annahmen, nach denen auch die Gefäße und die Durchblutung des Gehirns eine Rolle für die Migräne spielen.

Die beiden anderen Genveränderungen fanden die Wissenschaftler in Bereichen, die kontrollieren, wie zahlreich und wie aktiv die Synapsen im Gehirn sind. Diese Kontaktstellen zwischen den Gehirnzellen beeinflussen unter anderem, wie sensibel das Gehirn auf äußere Reize reagiert. "Man weiß, dass das Gehirn bei Migränikern übererregbar ist", schreiben die Forscher. Es sei daher plausibel anzunehmen, dass die Übertragung erregender Signale bei Migränepatienten ohne Aura durch diese Genveränderungen gefördert werde.

Erbgut von 4.800 Migränepatienten untersucht

Für ihre Studie hatten die Forscher das Erbgut von rund 4800 Menschen mit Migräne ohne Aura mit dem der mehr als 7000 gesunden Kontrollpersonen verglichen. Die Migräniker waren allesamt Patienten von spezialisierten Kopfschmerz-Behandlungszentren in Europa und Australien.

Neben den vier zuvor unbekannten genetischen Auslösern fanden die Wissenschaftler auch zwei bereits bekannte Veränderungen im Erbgut. Diese waren - zusammen mit zwei weiteren - schon zuvor bei Patienten mit der selteneren Migräne mit Aura entdeckt worden. Das deute darauf hin, dass einige der betroffenen Gene bei beiden Formen der Migräne verändert seien, andere jeweils nur bei einer der beiden.

hda/dapd

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insgesamt 3 Beiträge
Toebbens 11.06.2012
Vor einigen Tagen erschien hier ein Artikel über eine neue Technik zur Erbgutanalyse ungeborener Kinder; wie einfach, schnell, billig, sicher und früh es jetzt möglich sei, einen kompletten genetischen Datensatz des Embryos zu [...]
Vor einigen Tagen erschien hier ein Artikel über eine neue Technik zur Erbgutanalyse ungeborener Kinder; wie einfach, schnell, billig, sicher und früh es jetzt möglich sei, einen kompletten genetischen Datensatz des Embryos zu bestimmen. Damit erhält man natürlich auch die Information über das Vorhandensein der jetzt bekannten Migränegene. Preisfrage: Wieviele angehende Eltern werden sich ein Kind mit Migräne nicht antun wollen?
think_tank 11.06.2012
Nein, i.d.R. kommen bei Migräne zu den genetischen Faktoren auch Umweltfaktoren hinzu. Außerdem haben Gene i.d.R. mehrere Funktionen, die Migräne-Gene müssen einen Nutzen haben (vielleicht überdurchschnittliche Resistenz gegen [...]
Zitat von ToebbensVor einigen Tagen erschien hier ein Artikel über eine neue Technik zur Erbgutanalyse ungeborener Kinder; wie einfach, schnell, billig, sicher und früh es jetzt möglich sei, einen kompletten genetischen Datensatz des Embryos zu bestimmen. Damit erhält man natürlich auch die Information über das Vorhandensein der jetzt bekannten Migränegene.
Nein, i.d.R. kommen bei Migräne zu den genetischen Faktoren auch Umweltfaktoren hinzu. Außerdem haben Gene i.d.R. mehrere Funktionen, die Migräne-Gene müssen einen Nutzen haben (vielleicht überdurchschnittliche Resistenz gegen bestimmte Krankheiten, z.B.), sonst hätten sie die Evolution sicher nicht überlebt.
p.mohoric 07.02.2013
Selbst seit über 17 Jahren von Migräne ohne Aura betroffen, sind auch hormonelle Faktoren und Wetterümschwünge, speziell starke Tiefdruckgebiete, Auslöser von Migräne. Das kann ich aus eigener leidvoller Erfahrung sagen. Das [...]
Selbst seit über 17 Jahren von Migräne ohne Aura betroffen, sind auch hormonelle Faktoren und Wetterümschwünge, speziell starke Tiefdruckgebiete, Auslöser von Migräne. Das kann ich aus eigener leidvoller Erfahrung sagen. Das skandalöseste an der Behandlung von Migräne ist, dass ich über 10 Jahre ohne wirksames Medikament leben musste, obwohl schon viel länger Triptane bekannt sind. Und das in einem der reichsten Länder der Welt!!! Ohne dieses Medikament würde ich mich in diesem Schmerz am liebsten ausschalten, so unerträglich sind diese Schmerzen. Bekannt ist, dass es zu einer schmerzhaften Erweiterung bestimmter Gefässe in der Nähe des Trigeminusnerves im Gehirn kommt. Durch die Wirkweise des Triptans, das das Gefäß wieder zusammenzieht und somit die Entzündung des umliegenden Gewebes verhindert, wird der Hölle Einhalt gebietet.
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  • Montag, 11.06.2012 – 09:00 Uhr
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Kurzer Wegweiser durch das Gehirn
Als Gehirn bezeichnet man den im Kopf gelegenen Abschnitt des Nervensystems, der die zentrale Steuerungszentrale des Körpers bildet. Bei höher entwickelten Tieren bildet das Gehirn zusammen mit dem Rückenmark das Zentralnervensystem. In ihm sind die Sinneszentren und übergeordnete Schaltzentren (Koordinations- und Assoziationszentren) zusammengefasst. Es ist für die Ausbildung komplizierter Handlungsabläufe, für die Fähigkeit des Gedächtnisses und für die Ausprägung von Denken, Gefühlen, Bewusstsein und Intelligenz verantwortlich.





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