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Gen-Analyse: Forscher rekonstruieren Weg des Ebola-Virus

Gefährliche Forschung: Bei der Erforschung des Ebola-Erbguts starben auch fünf der Wissenschaftler Zur Großansicht
Stephen Gire

Gefährliche Forschung: Bei der Erforschung des Ebola-Erbguts starben auch fünf der Wissenschaftler

Anhand des Erbguts haben Forscher den Ausbreitungsweg der Ebola-Viren in Westafrika rekonstruiert - zurück bis zum mutmaßlich ersten Infizierten. Die Analyse hilft bei der Entwicklung neuer Medikamente.

Ein internationales Forscherteam hat das Erbgut von 99 Ebola-Viren des derzeitigen Ausbruchs in Westafrika analysiert. Ihre Ergebnisse geben Echtzeit-Einblicke in die Entwicklung der Epidemie, schreiben sie im Fachjournal Science. Allein für den Zeitraum des aktuellen Ausbruchs fanden die Forscher um Stephen K. Gire von der Harvard Universität in Cambridge, Massachusetts, über 50 Mutationen des Erregers.

Die Analyse des Erbguts ist ein mächtiges Werkzeug zur Bekämpfung der Epidemie. Die Ergebnisse helfen die Übertragung, die Veränderung und Anpassung des Virus zu verstehen. Das wiederum ist wichtig, um korrekte Diagnosen zu stellen, Therapien zu entwickeln und Strategien zur Bekämpfung zu entwickeln. Sogar der mutmaßliche Ursprung der Epidemie lässt sich mittels Gen-Analyse finden.

"Mutationsrate doppelt so hoch wie in der Natur"

"Es ist das erste Mal, dass die Veränderungen von Ebola-Viren während eines Ausbruchs untersucht wurden. Man sieht, wie sich der Erreger dabei entwickelt hat", sagt Bernhard Fleischer, stellvertretender Vorsitzender des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg. "Die Mutationsrate ist doppelt so hoch wie in der Natur. Möglicherweise führt das Immunsystem der Menschen dazu, dass sich mutierte Viren durchsetzen, die sich besser vermehren können." Ob die Mutationen zu einem anderen Verhalten der Viren führen, dass sie beispielsweise infektiöser oder gefährlicher werden, müsse noch untersucht werden.

"Es wird sicher noch viele Monate dauern, bis man weiß, was diese Mutationen bedeuten", sagte Fleischer, der das Nationale Referenzzentrum für tropische Infektionserreger Nocht-Institut leitet. Ein Team aus Hamburg hatte bereits im April das Erbgut von drei Ebola-Viren von Patienten aus Guinea veröffentlicht, wo der aktuelle Ausbruch begann.

Seltene Proben

Die Forscher sammelten die Erreger von insgesamt 78 Patienten aus Sierra Leone, indem sie deren Blut untersuchten. "Angesichts der hohen Sterblichkeitsrate der aktuellen Epidemie, gibt es solche Probensammlungen nur selten", schreiben die Autoren in ihrer Studie. Die Forscher stellen ihre Daten öffentlich zur Verfügung und hoffen, dass dies bei der Entwicklung schnellerer Tests sowie von Impfstoffen und Therapien hilft. Fünf der Forscher haben sich bei der Sammlung der Erregerproben mit dem tödlichen Virus infiziert und sind daran gestorben.

Die gesammelten Proben analysierten die Wissenschaftler mit einer extrem hohen Genauigkeit. Sie verglichen ihre Daten mit drei bereits veröffentlichten Viren-Erbgutsequenzen aus Guinea und fanden insgesamt 341 Mutationen im Vergleich zu Erregern früherer Ausbrüche. Manche davon haben direkte Auswirkungen auf Proteine und könnten damit Ziel von Therapien sein.

Der Weg des Viruses

Anhand der genetischen Mutationen können die Forscher den Weg des Virus nachvollziehen. Er startete in Guinea, kam im März nach Liberia, im Mai nach Sierra Leone und im Juli nach Nigeria. Die Zahl der Patienten verdoppelte sich nach Angaben der Forscher binnen knapp 35 Tagen - sie stieg also exponentiell. Fünf der rund 60 an der Studie beteiligten Menschen starben an Ebola, bevor der Artikel veröffentlicht wurde.

Der erste Patient habe sich vermutlich bei einem Tier infiziert, berichten die Forscher in "Science". Danach seien die Erreger wohl nur noch von Mensch zu Mensch übertragen worden. Der derzeitige Virenstamm hat sich den Forschern zufolge wahrscheinlich innerhalb des vergangenen Jahrzehnts aus einer im mittleren Afrika vorkommenden Version entwickelt. Von Guinea nach Sierra Leone sei er durch Teilnehmer einer Beerdigung gekommen, schreiben sie mit Verweis auf Studien des Gesundheitsministeriums von Sierra Leone.

tst/ dpa

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1.
Tiananmen 29.08.2014
Zitat: "Von Guinea nach Sierra Leone sei er durch Teilnehmer einer Beerdigung gekommen, schreiben sie mit Verweis auf Studien des Gesundheitsministeriums von Sierra Leone" Das ist ein Plot, wie man ihn nur als erdacht sich vorstellen kann (z.B. durch Albert Camus „Die Pest“): Die Teilnehmer einer Beerdigung bringen den Tod mit sich…
2. Erschreckend
darthmax 29.08.2014
ist immer wieder, dass sich die Ärzte oder Forscher selbst angesteckt haben. Man darf vermuten, dass sich diese der Ansteckungsgefahr bewusst waren und sich bestmöglich vorgesehen haben. Damit ist für mich der Verbreitungsweg wohl doch keine Tröpfchen oder Schmierinfektion.
3. die Fakten so blass...
Deluge 29.08.2014
gern würde ich ja nachvollziehen, was hier berichtet wird, zumal doch Fragen im Raum stehen: - "Forscher sammelten die Erreger von insgesamt 78 Patienten aus Sierra Leone". Wieso "können die Forscher den Weg des Virus nachvollziehen. Er startete in Guinea, kam im März nach Liberia, im Mai nach Sierra Leone und im Juli nach Nigeria." - "Die Zahl der Patienten verdoppelte sich nach Angaben der Forscher binnen knapp 35 Tagen - sie stieg also exponentiell." Aus einer einmaligen Verdoppelung kann man noch nicht auf exponentielles Verhalten schliessen. - waren es wirklich Forscher die gestorben sind oder Helfer, die Blutproben nahmen, bevor klar wurde, dass es um Ebola geht? Ich hoffe doch, dass der Science Artikel da etwas sorgfältiger ist (obwohl man in den Glamour Magazines Nature und Science auch schon erschreckenden Unfug publiziert hat). Leider funktioniert der Link zu Eurekalert nicht, dann ist Eurekalert nur gegen Bezahlung zugänglich und um in Science selbst den Artikel zu finden, wäre es doch hilfreich, wenn der Autor wenigstens den Namen eines der Original-Autoren oder das Datum der Science-Ausgabe genannt hätte (übrigens: Science kostet auch!)
4. Diese hilfreiche Information ist kostenlos!
cassandros 29.08.2014
Zitat von Delugegern würde ich ja nachvollziehen, was hier berichtet wird, zumal doch Fragen im Raum stehen: - "Forscher sammelten die Erreger von insgesamt 78 Patienten aus Sierra Leone". Wieso "können die Forscher den Weg des Virus nachvollziehen. Er startete in Guinea, kam im März nach Liberia, im Mai nach Sierra Leone und im Juli nach Nigeria." - "Die Zahl der Patienten verdoppelte sich nach Angaben der Forscher binnen knapp 35 Tagen - sie stieg also exponentiell." Aus einer einmaligen Verdoppelung kann man noch nicht auf exponentielles Verhalten schliessen. - waren es wirklich Forscher die gestorben sind oder Helfer, die Blutproben nahmen, bevor klar wurde, dass es um Ebola geht? Ich hoffe doch, dass der Science Artikel da etwas sorgfältiger ist (obwohl man in den Glamour Magazines Nature und Science auch schon erschreckenden Unfug publiziert hat). Leider funktioniert der Link zu Eurekalert nicht, dann ist Eurekalert nur gegen Bezahlung zugänglich und um in Science selbst den Artikel zu finden, wäre es doch hilfreich, wenn der Autor wenigstens den Namen eines der Original-Autoren oder das Datum der Science-Ausgabe genannt hätte (übrigens: Science kostet auch!)
Im 1. Absatz des Artikels stoßen wir auf den Namen Stephen K. Gire. Dieser führt als Suchbegriff unter - http://www.sciencemag.org/search?site_area=sciencejournals&y=11&fulltext=Stephen K. Gire &x=14&journalcode=sci&journalcode=sigtrans&journalcode=scitransmed&submit=yes zu dem gewünschten Ergebnis. Der Artikel mit dem Titel "Genomic surveillance elucidates Ebola virus origin and transmission during the 2014 outbreak" ist KOSTENFREI als pdf erhältlich.
5. Bbc
kraichgau12 29.08.2014
die BBC hat zur Mutationsforschung gestern den ersten Bericht gepostet, die deutschen medien übernehmen sie meist übersetzt
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