Genom-Check: Bluttest erkennt Down-Syndrom bei Embryos

Ein Segen für werdende Eltern oder Diskriminierung von Behinderten? Forscher haben 2012 das Genom eines Fötus ohne Fruchtwasser-Untersuchung entziffert. Mit der Technik kann etwa Trisomie 21 erkannt werden. Der Test ist seit August in Deutschland auf dem Markt - und löst heftige Debatten aus.

Fötus im Mutterleib: Ein einfacher Bluttest kann Erbschäden erkennen Zur Großansicht
Corbis

Fötus im Mutterleib: Ein einfacher Bluttest kann Erbschäden erkennen

Die Untersuchung eines Kinds im Mutterleib hat sich in den vergangenen Monaten deutlich vereinfacht: Erst gelang es Forschern, das Genom eines ungeborenen Kindes nur aus dem Blut der Mutter und dem Speichel des Vaters zu entziffern. Dann legte ein weiteres Team im Frühjar 2012 nach: Es benötigte für den Erbguttest nur noch das Blut der Mutter.

Beide Methoden unterscheiden sich in einem Punkt: Während das erste Team von der Universität Washington in Seattle die DNA aus dem Speichel des Vaters einbezog, fanden die Forscher um Stephen Quake und Christina Fan von der Stanford University einen Weg, ohne die genetische Information des Vaters auszukommen. Dafür untersuchten sie die mütterliche DNA im Blutplasma, in der auch zu einem geringen Anteil die Erbsubstanz des Ungeborenen zu finden ist, und zählten bestimmte DNA-Abschnitte auf den Chromosomen.

Ende August kam in Deutschland ein erster Check auf Basis der Forschungsergebnisse auf den Markt. Der Praenatest der Firma LifeCocexX wurde entwickelt, um Trisomie 21, also das Down-Syndrom, bei Embryos zu erkennen - eine riskante Fruchtwasseruntersuchung ist nicht mehr nötig.

In Deutschland lassen rund 30.000 Schwangere pro Jahr ihr Fruchtwasser prüfen, weil sie befürchten, dass ihr Ungeborenes behindert ist. In der Folge sterben jährlich mehrere Hundert gesunde Kinder. Das Risiko, dass der Eingriff eine Fehlgeburt auslöst, liegt etwa bei einem Prozent.

Die Nachfrage bei LifecodexX war nach Angaben des Unternehmens schon im Vorfeld sehr groß. Kritiker wie Hubert Hüppe (CDU), Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, befürchtet, dass die vereinfachten Tests dazu führen, Ungeborene aufgrund ihres genetischen Materials auszusortieren. "Dieser Test ist nicht nur in hohem Maße diskriminierend, ich halte ihn auch für illegal", so Hüppe. Mit einem Gutachten versuchte er, den Start des Tests in Deutschland zu stoppen. Die für die Zulassung zuständige Behörde, das Sozialministerium in Baden-Württemberg, sah jedoch kein Anlass einzugreifen.

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Christiane Woopen, gibt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE zu bedenken, dass es mit dem Test theoretisch möglich ist, ein Down-Syndrom schon in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten zu entdecken. "Das würde bedeuten, dass eine Frau nach psychosozialer Beratung die Schwangerschaft ohne weitere Gründe straffrei beenden lassen darf", so Woopen. "In diesem Fall stünde die Selbstbestimmung der Frau über dem Recht des ungeborenen Kindes auf Leben."

Weiter: Treibhausgas: Kohlendioxid-Konzentration bricht Rekord

Zurück zur Übersicht

nik

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Und natürlich darf die ach so "christliche" CDU...
Soziopathenland 14.02.2014
Kritiker wie Hubert Hüppe (CDU), Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, befürchtet, dass die vereinfachten Tests dazu führen, Ungeborene aufgrund ihres genetischen Materials auszusortieren. "Dieser Test ist nicht nur in hohem Maße diskriminierend, ich halte ihn auch für illegal", so Hüppe. Mit einem Gutachten versuchte er, den Start des Tests in Deutschland zu stoppen. ...hier gegen die Frauen hetzen, die sich gegen ein Leben mit behindertem Kind entscheiden. Ganz toll. Sicher die Katholische Kirche maßt sich immer an, ethische Forderungen vor allem an andere zu stellen und möchte gerne die Lebensgestaltung anderer reglementieren. Unglaublich. Fast 600.000 Ergebnisse und das NUR in Deutschland: https://www.google.de/search?output=search&sclient=psy-ab&q=sexueller+Missbrauch+katholischer+Kirche&btnG= Ich frage mich, wie jemand so einen Verein überhaupt noch ernst nehmen kann?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Medizin
RSS
alles zum Thema Schwangerschaft
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 1 Kommentar
Fotostrecke
Gläserner Fötus: Dürfen Eltern die Gene ihrer ungeborenen Kinder analysieren lassen?

Trisomie 21
Aus diesen Einflussfaktoren berechnen Ärzte die Wahrscheinlichkeit für ein Down-Syndrom:
Das Alter der Frau
Je älter eine Frau ist, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind mit einer Trisomie 21 entsteht. Liegt die Wahrscheinlichkeit bei einer 25-Jährigen in der frühen Schwangerschaft bei etwa 1:870, beträgt sie für eine 45-Jährige 1:15.
Vorgeschichte
War die Frau bereits mit einem Kind mit Down-Syndrom schwanger, so ist das Risiko für eine weitere Trisomie-Schwangerschaft erhöht.
Ultraschallergebnisse
DPA
Zwischen der 12. und 14. Schwangerschaftswoche kann ein speziell ausgebildeter Arzt auf Wunsch der Schwangeren die sogenannte Nackentransparenz des Fötus im Ultraschall messen. Wichtig ist zudem, ob das Blut des Babys ungehindert fließen kann, die Herzklappen richtig funktionieren und sich das Nasenbein im Ultraschall darstellen lässt.
Blutwerte
Als weiterer Hinweis auf eine Trisomie 21 gelten die deutliche Erhöhung des Schwangerschaftshormons ß-HCG und ein niedriger Wert von Papp-A (Schwangerschaftsassoziertes Protein A).
Sicherheit
Eine hundertprozentig richtige Antwort auf die Frage, ob das ungeborene Kind eine Trisomie 21 hat, kann diese Risikoanalyse nicht geben - sie liefert lediglich Wahrscheinlichkeiten. Nur eine Chromosomenanalyse, die in Deutschland bislang nur nach Fruchtwasserpunktion oder Chorionzottenbiopsie möglich ist, kann abschließende Klarheit schaffen.