Geplatzte Brustimplantate Geschädigte verklagen Allianz-Versicherung

Der Skandal um minderwertige Silikonkissen der Firma PIP bekommt eine neue Dimension: Jetzt verklagen Betroffene auch die Versicherung von PIP, die Allianz. Die jedoch sieht sich selbst als Geschädigte.

Implantate: Richtungsweisendes Urteil?
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Implantate: Richtungsweisendes Urteil?


Düsseldorf - Im Skandal um schadhafte Brustimplantate wollen Geschädigte nun auch Deutschlands größten Versicherer Allianz zur Kasse bitten. Wie das "Handelsblatt" berichtet, hat eine Münchner Patientenkanzlei ihre Schadensersatz- und Schmerzensgeldklage beim Landgericht Karlsruhe auf die Allianz ausgedehnt. "Wir vertreten etwa 80 Geschädigte", sagte der Klägeranwalt Michael Graf der Zeitung.

Die Allianz ist der Haftpflichtversicherer der Firma Poly Implant Prothèse (PIP), die die mit Industriesilikon gefüllten Implantate in Umlauf gebracht hatte. Der zeitweilig inhaftierte Gründer von PIP, Jean-Claude Mas, hatte zugegeben, bewusst das falsche und billigere Silikon eingesetzt zu haben. Bislang glaubten Rechtsexperten dem Bericht zufolge, dass die Allianz nicht wegen vorsätzlichen Handelns ihres Kunden einstehen müsste.

Vorbild Frankreich

Die Anwälte der Kanzlei Zierhut und Graf dagegen stützen sich in ihrer Klage auf ein französisches Urteil vom 11. Januar, in dem das Gericht in Toulon die französische Allianz-Tochter zum Pflichtversicherer von PIP erklärt. Damit müsste der Konzern auch bei Vorsatz haften. Das Unternehmen PIP ist inzwischen pleite.

Das Blatt zitiert die Allianz mit der Aussage, sie sehe das französische Urteil "nicht als richtungweisend an". Zudem laufe derzeit noch eine Klage des Konzerns gegen PIP, mit der sich die Allianz von der Versicherungspflicht befreien will. Schließlich sei der Versicherer selbst getäuscht worden, betonte ein Allianz-Sprecher.

PIP hatte über Jahre hinweg Brustimplantate mit nicht zugelassenem Silikon verkauft, das zum Teil von der deutschen Firma Brenntag stammte. Die Implantate stehen im Verdacht, besonders reißanfällig zu sein. Ausgetretenes Silikon hat bereits in manchen Fällen entzündliche Reaktionen ausgelöst. Außerdem besteht möglicherweise die Gefahr einer Krebserkrankung. Mehr als 300.000 PIP-Implantate wurden weltweit verkauft.

boj/dpa

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
anders_denker 06.02.2012
1. Wie bescheuert ist das!
Nicht das ich die Alianz oder andere Versicherungen schätze. Aber es kann nicht sein, das jemand der Betrogen wird, auch noch für die Folgen des Betrügers haften muss. Irgendwo muss man mal nen Punkt machen, ggf. akzeptieren das gerade bei einem Täter nichts zu holen ist.
old_spice 06.02.2012
2. Welche Spanne ?
Zitat von sysopDer Skandal um minderwertige Silikonkissen der Firma PIP bekommt eine neue Dimension: Jetzt verklagen*Betroffene auch die Versicherung von PIP, die Allianz. Die jedoch sieht sich selbst als Geschädigte. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,813551,00.html
Ich denke das teuerste an einer Brust OP dürfte di OP sein, der Materialwert der Implantate wohl eher zweitrangig. Wenn gute Implantate vielleicht 100 € pro Stück kosteten, hat man vielleicht 20-40 € gespart. Ich hoffe die Betroffenen durften wenigstens zwischen gut und billig wählen.
ginlai 06.02.2012
3.
---Zitat--- Die Anwälte der Kanzlei Zierhut und Graf dagegen stützen sich in ihrer Klage auf ein französisches Urteil vom 11. Januar, in dem das Gericht in Toulon die französische Allianz-Tochter zum Pflichtversicherer von PIP erklärt. ---Zitatende--- Das ist schon heftig, das ein französisches Gericht eine Versicherung per Urteil zum Pflichtversicherer "befördert".
c.PAF 06.02.2012
4. Auf Thema antworten
Zitat von old_spiceIch denke das teuerste an einer Brust OP dürfte di OP sein, der Materialwert der Implantate wohl eher zweitrangig. Wenn gute Implantate vielleicht 100 € pro Stück kosteten, hat man vielleicht 20-40 € gespart. Ich hoffe die Betroffenen durften wenigstens zwischen gut und billig wählen.
Nicht mitbekommen, worum es bei den Betrugsfall ging? Kurz gesagt, die Kunden haben gut bestellt, aber billig(s)t bekommen, was aber dem Produkt nicht anzusehen war.
RomNik 06.02.2012
5.
Zitat von old_spiceIch denke das teuerste an einer Brust OP dürfte di OP sein, der Materialwert der Implantate wohl eher zweitrangig. Wenn gute Implantate vielleicht 100 € pro Stück kosteten, hat man vielleicht 20-40 € gespart. Ich hoffe die Betroffenen durften wenigstens zwischen gut und billig wählen.
Implantate kosten ungefähr 500 EUR/Stück. Es gibt Staffelpreise. PIP wurde den Chirurgen für 100 EUR/Stück verkauft. Diese Rabatte wurden so gut wie nie an die Patientinnen weiter gegeben bzw. sie wurden nicht darüber infromiert, dass bei ihnen Implantate eingesetzt werden, die grade mal 1/5 des gängigen Marktpreises kosten. Der Gewinn ging meist direkt in die Tasche der Chirurgen.
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