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Forscher untersuchen Geruchssinn: Jede Nase riecht anders

Von Haluka Maier-Borst

Geruchssinn: Es duftet? Nein, es stinkt! Fotos
DPA

Israelische Forscher haben eine Art Fingerabdruck des Geruchssinns bestimmt - jede Nase nimmt Gerüche etwas anders wahr. Das Verfahren könnte sogar dabei helfen, passende Spender für Organ-Transplantationen zu finden.

Hundekot stinkt, frische Brötchen duften und Rosen riechen angenehm - so weit so nasaler Konsens. Schaut man aber auf die Feinheiten unseres Geruchssinns, zeigt sich, dass jede Nase etwas anders tickt. Was mancher als wohlig und sinnlich duftend wahrnimmt, ist anderen zu aufdringlich.

Nun haben israelische Forscher diese Unterschiede genutzt und einen Test entwickelt, der das Geruchsempfinden genau analysiert. Mit einem Set aus 28 Gerüchen und 54 Fragen konnten sie zeigen, dass jeder Mensch einen individuellen "Nasenabdruck" hat.

"Von unseren Experimenten ausgehend, sollten 34 Gerüche ausreichen, um für alle 7 Milliarden Menschen auf der Erde ein individuelles Profil zu erstellen", erklärt Lavi Secundo, Forscher am Weizmann Institut im israelischen Rehovot, der die Arbeit an der Studie leitete.

Wie maskulin riecht es?

Secundo und seine Kollegen ließen für ihre Studie insgesamt 238 Probanden an verschiedenen Düften riechen. Anschließend stellten sie ihnen eine Reihe von Fragen. Wie maskulin riecht es? Wie stark ist die Kokosnuss-Note? Bei jeder der Fragen durften die Testpersonen auf einer Skala von 1 bis 100 bewerten, wie sehr die Aussage auf den jeweiligen Duft zutraf. Das reichte schon aus, um einen individuellen "Nasenabdruck" für jeden Probanden zu generieren.

Die neue Studie ist bei Weitem nicht die erste, die auf die Einzigartigkeit unseres Geruchssinns hinweist. Unsere Nase mag gegen die von Hund und Katze keine Chance haben. Sie scheint aber dennoch unser Leben maßgeblich zu prägen. So gilt inzwischen als einigermaßen sicher, dass wir bei der Partnerwahl vor allem Männer und Frauen mögen, die einen anderen Duft verströmen als wir selbst.

Was die Studie von Secundo nun besonders macht, ist das letzte Teilexperiment. Dafür untersuchte der Forscher nicht nur das Geruchsempfinden. Er schaute auch, wie sehr sich die Probanden in der Mischung ihrer sogenannten HLA-Gene voneinander unterschieden. Diese HLA-Gene spielen eine zentrale Rolle im Immunsystem. Sie entscheiden deshalb auch darüber, ob ein Spenderorgan vom Körper des Empfängers angenommen wird oder nicht. Forscher vermuten zudem schon länger, dass die Mischung der HLA und unser Geruchsempfinden genetisch eng zusammenhängen.

Geruchstest vor der Organspende

Secundo konnte nun zeigen, dass der Zusammenhang zwischen HLA und Geruchsempfinden tatsächlich extrem stark ist. So stark, dass sich mithilfe des neu entwickelten "Nasenabdrucks" eine erste Vorhersage über die HLA-Mischung treffen lässt. "Wir könnten damit die Zahl der potenziellen Organspender so weit einkreisen, dass 30 Prozent der bisherigen HLA-Tests bei Screenings überflüssig werden ", sagt der Forscher. Ausreichen würde dafür ein Test mit vier Gerüchen, der gerade einmal fünf Minuten dauert.

Manfred Millinksi vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön lobt die Arbeit des israelischen Teams. Allerdings fehlt dem deutschen Forscher ein entscheidender Schritt in der Studie. Spannend wäre es gewesen, wenn man zwei Leute mit ähnlichem HLA-Typus und ähnlichem Geruchsempfinden aneinander hätte riechen lassen.

"Meiner Meinung nach müssten diese beiden Menschen den Körpergeruch des jeweils anderen furchtbar finden", sagt Millinski. Denn gerade weil beide olfaktorisch gesehen sich so ähneln, müssten sie den Geruch ihres Gegenübers verabscheuen. Der potenziell beste Organspender könnte also womöglich jemand sein, den wir geruchstechnisch eigentlich gar nicht ertragen können.

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Riecht auch das Mikrobiom?
Ursprung 24.06.2015
Fehlt noch die Querverbindung zu dem individuellem Mikrobiom eines jeden. Auch das duerfte den "Geruchssinn" mitsteuern. Es liegt die Vermutung nahe, dass dies enorm fein riechenden Tieren hilft, den jeweils fuer sie relevanten Kontext zu erwittern.
2. Missverständlicher Titel
schüttelkugel 24.06.2015
"Jede Nase riecht anders" ist eigentllich falsch, denn das, was die Nase an Gerüchen aufnimmt, wird als Reize ans Riechzentrum im Gehirn weitergeleitet. Erst dort werden die Gerüche individuell ausgewertet. Und da jedes Hirn eben ein bisschen anders tickt, kann man sagen: Geschmäcker/Gerüche sind unterschiedlich. Neu ist die Erkenntnis, dass jede Nase anders riecht, also nun wirklich nicht. Auch der Punkt mit der Partnerwahl ("Ich kann Dich gut riechen.") ist nichts Neues. Einzig der Aspekt mit dem Spenden von Organen ist interessant. Dann ziehe ich den Artikel aber doch bitte professioneller auf!
3. Genau das gleiche ...
200MOTELS 24.06.2015
.... trifft zu beim Geschmackssinn, wobei man schon mal grob unterteilen kann in Menschen denen Lakritze schmeckt und Menschen denen Lakritze nicht schmeckt!
4. Geschmack und Geruch
noalk 24.06.2015
Zitat von 200MOTELS.... trifft zu beim Geschmackssinn, wobei man schon mal grob unterteilen kann in Menschen denen Lakritze schmeckt und Menschen denen Lakritze nicht schmeckt!
Das ist keine Frage des Geschmackssinnes, sondern auch des Geruchssinnes. Halten Sie sich mal beim Essen die Nase zu.
5. sensorik
cindy2009 24.06.2015
Wenn mal jemand eine sensorik Prüfung mit gemacht hat, wird er verstehen, warum zwiebeln mit ananas in Verbindung gebracht werden.
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Organspende und Organtransplantation
Postmortale Organspende in Zahlen
Jeden Tag sterben laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) drei Menschen, die auf der Warteliste für ein Spenderorgan registriert sind. Nach Rückgang und Stagnation in den Jahren 2008 und 2009 ist die Zahl der Organspender 2010 gestiegen. 4205 Organe wurden gespendet. Dennoch warten jährlich 12.000 Menschen in Deutschland auf ein Organ.
Hirntod
Der mit dem Tod des Individuums identische endgültige Ausfall aller Funktionen von Groß- und Kleinhirn und Hirnstamm (Organtod des Gehirns), wobei die Kreislauffunktion unter Umständen noch durch künstliche Beatmung aufrecht erhalten werden kann. Besondere Bedeutung hat die Diagnose des Hirntods für die Organentnahme zum Zweck der Transplantation.
Warteliste
Die Wartelisten registrieren alle Patienten, die ein neues Organ benötigen und transplantiert werden können. Ist das Risiko der Transplantation und ihrer Nachbehandlung zu hoch und sind die Erfolgsaussichten schlecht, so wird der Eingriff nicht in Betracht gezogen. Die Transplantationszentren geben die erforderlichen Patientendaten weiter an die Vermittlungsstelle Eurotransplant (ET) im niederländischen Leiden.
Zustimmungslösung
In Deutschland gilt eine Zustimmungslösung: Hier muss zu Lebzeiten, zum Beispiel per Organspendeausweis, das ausdrückliche Einverständnis zur Organentnahme nach einem Hirntod gegeben werden. Ist dies nicht der Fall, müssen die Angehörigen entscheiden - auf Grundlage des mutmaßlichen Willens des Verstorbenen.
Widerspruchsregelung
In Ländern wie Österreich, Spanien und Belgien ist jeder Bürger potentieller Organspender - es sei denn, man hat der Organspende zu Lebzeiten schriftlich widersprochen oder die nahen Angehörigen sind dagegen. Hessens Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) macht sich gemeinsam mit anderen Landeskollegen, unter anderem dem bayerischen Gesundheitsminister Markus Söder (CSU), auch in Deutschland für eine "erweiterte Widerspruchslösung" stark. Danach sollen die nahen Angehörigen eines Toten befragt werden und ein Einspruchrecht bekommen.
Entscheidungregelung
SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Amtskollege Volker Kauder machen sich für die Entscheidungslösung stark. Danach fordert der Staat jeden Bürger einmal im Leben, etwa bei der Führerscheinprüfung oder bei der Ausstellung des Passes, zu einer Entscheidung für oder gegen eine Organspende auf.
Transplantationsgesetz
Gesetz vom 5.11.1997 in der Fassung vom 4.9.2007, das die Entnahme und Verpflanzung (Transplantation) von Organen regelt. Abschnitt 2, "Entnahme von Organen und Geweben bei toten Spendern", legt fest, dass eine Organentnahme nur dann zulässig ist, wenn der Tod des Organspenders nach Regeln, die dem Erkenntnisstand der medizinischen Wissenschaft entsprechen, durch zwei Ärzte festgestellt ist. Mindestvoraussetzung für eine Organentnahme ist die Diagnose des Hirntods. Hat der Spender zu Lebzeiten keine Entscheidung über eine Organspende getroffen, können auch Angehörige einer Organentnahme zustimmen. Das Transplantationsgesetz enthält außerdem umfassende Bestimmungen zur Organvermittlung und ein Verbot des Organhandels.
Eurotransplant
Eurotransplant ist eine gemeinnützige Stiftung und als solche seit 1967 für die Vermittlung aller Organe zuständig, die in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Kroatien und Slowenien verstorbenen Menschen zum Zweck der Transplantation entnommen werden. Die Organe werden nach festgelegten Kriterien vergeben. Entscheidend für die Vergabe sind die Kriterien Verträglichkeit, Erfolgsaussicht, Wartezeit und Dringlichkeit.
Ein Mensch kann acht Menschenleben retten
Nach dem Hirntod können einem Menschen bis zu acht Organe oder Organteile entnommen und transplantiert werden: zwei Lungenflügel, zwei Nieren, die Leber, das Herz, die Bauchspeicheldrüse und der Dünndarm.


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