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Gesteigerte Botenstoff-Produktion Bakterien machen schlauer

Labormaus: Forscher vermuten bessere Lernleistung durch Bakterien Zur Großansicht
dpa

Labormaus: Forscher vermuten bessere Lernleistung durch Bakterien

Geistige Fitness durch Aufputschmittel? Muss nicht sein! Forscher haben jetzt eine weitaus gesündere Alternative entdeckt: Raus in die Natur! Denn der Kontakt mit einem dort vorhandenen Bakterium fördert die Gedächtnisleistung - zumindest bei Mäusen.

San Diego - Pille einwerfen - und zum Überflieger werden. Dieser Traum rückt immer näher. Schon jetzt ist die Zahl derer, die Aufputschmittel zur Steigerung ihrer Lern- und Gedächtnisleistung einnehmen hoch. Einer Umfrage zufolge sollen 800.000 Deutsche regelmäßig Psychopharmaka schlucken, um im Job fit zu sein. Und die Liste der verfügbaren Medikamente ist schon jetzt beeindruckend. Doch hierzulande gilt Hirndoping als Missbrauch und das Verschreiben von Mitteln zum diesem Zweck ist strafbar.

US-Forscherinnen bieten jetzt eine natürlichere Alternative. Zumindest beim Versuch an Mäusen, scheint sie zu wirken: Dorothy Matthews und Susan Jenks von den Sage Colleges in Troy (US-Bundesstaat New York) wollen herausgefunden haben, dass das Bakterium Mycobacterium vaccae die Lernleistung erheblich steigert. Praktischerweise kommt diese Bakterienart im Boden vor. Und auch Menschen, die sich in der Natur aufhalten, kommen mit den Organismen in Kontakt, etwa indem sie diese einatmen.

Die Ergebnisse ihrer Versuche mit Mäusen haben die Forscherinnen jetzt auf einer US-Fachtagung, dem "110. General Meeting of the American Society for Microbiology" vorgestellt, die seit Sonntag in San Diego stattfindet.

Und so lautet die Empfehlung der Forscherinnen schlicht: Raus in die Natur! Man solle den Schulunterricht verstärkt im Freien abhalten. So könnte ein Waldspaziergang ähnlich wirkungsvoll wie eine Pille mit Aufputschmittel sein - und außerdem wohl weit gesünder.

Eine interessante Wirkung von Mycobacterium vaccae war bereits in früheren Versuchen festgestellt worden: Bei Mäusen, denen durch Hitze abgetötete Bakterien injiziert wurden, stieg die Produktion des Botenstoffs Serotonin. In der Folge waren die Tiere deutlich weniger ängstlich als ihre Artgenossen. Serotonin beeinflusst im Körper jedoch neben der Stimmung noch eine ganze Reihe weiterer Abläufe, darunter auch das Lern- und Erinnerungsvermögen. Deshalb überlegten Matthews und Jenks, ob Mycobacterium vaccae nicht auch hier eine Reaktion hervorrufen müsse.

Um ihre These zu überprüfen, fütterten sie zehn von insgesamt zwanzig Mäusen mit Brotstückchen, die mit den Bakterien versetzt waren, und ließen sie zwölf Mal innerhalb von drei Wochen durch ein Labyrinth laufen. Fanden die Tiere den richtigen Weg, erhielten sie eine Belohnung - wie auch ihre Artgenossen, die lediglich normales Brot zu fressen bekommen hatten. Die Mäuse, die Bakterien gefressen hatten, fanden dabei im Vergleich zu den anderen Tieren doppelt so schnell aus dem Labyrinth heraus und waren bei der Erkundung weniger ängstlich.

Nach einer Pause von drei Wochen, in denen alle Tiere normales Futter bekamen, wiederholten die Forscherinnen den Versuch: Noch immer hatten die Mycobacterium-Mäuse einen zeitlichen Vorsprung, allerdings war er nicht mehr groß genug, um als statistisch gesichert zu gelten. Offensichtlich handelt es sich also um einen vorübergehenden Effekt. Die Ergebnisse könnten nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen zumindest dazu beitragen, ein besseres Lernklima zu schaffen.

cib/ddp

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