Gestoppte Alterung Eiweißkur verjüngt Mäuse

Der Traum von ewiger Jugend erhält neuen Auftrieb: Mit einem Enzym konnten Forscher Altersbeschwerden bei Mäusen heilen. Nach Zugabe des Eiweißstoffes erneuerte sich das Gewebe in Milz, Darm und Gehirn - auch der Geruchssinn kam zurück.

Auch die Nervenzellen im Geruchszentrum der Mäuse erneuerten sich
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Auch die Nervenzellen im Geruchszentrum der Mäuse erneuerten sich


Gäbe es ein Rezept für ewige Jugend, stünde die Telomerase sicher weit oben auf der Zutatenliste. Dem Enzym wird seit Jahren eine Schlüsselrolle beim Alterungsprozess zugeschrieben. 2009 wurden seine drei Entdecker, Carol Greider, Elizabeth H. Blackburn und Jack W. Szostak, sogar mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

Bei jeder Zellteilung werden die Schutzkappen, die auf unseren Erbanlagen sitzen - die Telomere -, abgenutzt. Langfristig führt das dazu, dass Zellen sich nicht mehr teilen und sich das Gewebe zurückbildet. Solange wir jung sind, sorgt die Telomerase dafür, dass sich die Schutzkappen regenerieren. Mit zunehmendem Alter lässt diese Fähigkeit aber nach, weil die Telomerase-Vorräte aufgebraucht sind.

Wenn es der Wissenschaft gelänge, diese Depots künstlich wieder aufzufüllen, käme das einem Bad im Jungbrunnen gleich, glauben Wissenschaftler.

Bei Mäusen scheint dies nun teilweise funktioniert zu haben. Wie Forscher der Harvard Medical School in Boston jetzt im Wissenschaftsmagazin "Nature" schreiben, erneuerte sich bei ihren Versuchtieren das Zellgewebe mehrerer Organe, nachdem sie die Telomerase reaktivierten.

Uhr zurück gedreht

Für ihr Experiment nutzten die Wissenschaftler Mäuse, die das Enzym Telomerase nicht selbst herstellen können. Bei diesen Tieren heilen Wunden schlechter, es bilden sich keine Stammzellen mehr im Knochenmark, sie leiden unter Organversagen und Gewebeschwund. Nach der künstlichen Aktivierung der Enzymproduktion, wurden diese typischen Alterbeschwerden nicht nur gestoppt, sondern sogar umgekehrt.

Zellen die sich zuvor im Ruhezustand befanden, teilten sich plötzlich wieder. Dadurch erneuerte sich das Gewebe in Milz, Darm und Hoden der Tiere. Besonders erstaunlich sei es, so die Forscher, dass die Behandlung auch der Degeneration von Nervenzellen entgegengewirkte. Die Neubildung von Hirngewebe führte bei den Mäusen sogar zu einem verbesserten Geruchssinn.

Die Studie sei ein Hinweis darauf darauf, dass bei alternden Organen die Uhr zurück gedreht werden könnte, meint Studienleiter Ronald DePinho. Aber er mahnt auch zur Vorsicht: Zwar hätten die Mäuse in dieser Untersuchung keine Tumore gebildet, grundsätzlich bestünde bei einer Telomeraseaktivierung aber das Risiko, Krebs herbei zuführen. Denn so wie die Telomerase gesunden Zellen die Teilung ermöglicht, können auch Krebszellen von ihr profitieren.

mah



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