Gesundheit Frühchen sollen Fall für Spezialisten werden

Fachärzte und Krankenkassen sind sich einig: Damit Frühgeborene eine bessere Überlebenschance haben, sollten sie von einem Spezialisten behandelt werden. Einige Organisationen fordern deshalb eine Fallquote - doch die Kliniken fürchten um ein lukratives Geschäft.


Am Donnerstag könnte ein langer Streit im deutschen Gesundheitswesen mit einem Kompromiss zu Ende gehen. Dabei geht es um die Frage, ob Frühgeburten besser in Spezialkliniken behandelt werden oder nicht. Studien belegen, dass das Risiko einer schweren Behinderung oder gar der Sterblichkeit dieser Winzlinge sinkt, wenn sie von Spezialisten behandelt werden (SPIEGEL 44/2007).

Frühchen: Kliniken fürchten um Renommee und Geld
DPA

Frühchen: Kliniken fürchten um Renommee und Geld

In Schweden, wo die Behandlung auf wenige Zentren beschränkt ist, überleben 30 Prozent mehr der Frühgeborenen als in Deutschland. Dennoch konnte sich seit fünf Jahren der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) im Deutschen Gesundheitswesen auf keine Lösung einigen.

Kassen, Fachärzte und Patientenorganisationen fordern die Spezialisierung und setzen sich für die Einführung von Mindestfallzahlen ein. Kliniken, die weniger als 36 solcher Frühchen im Jahr behandeln, würden danach nicht mehr von den Kassen bezahlt werden.

Ärzte von kleinen Kliniken und die Krankenhausgesellschaft sind vehement gegen eine Fallzahlregelung. Sie fürchten um ihr Renommee und letztendlich auch um ihre Einkünfte: Die kleinen Hochrisikopatienten bringen einer Klinik bis zu 90.000 Euro ein, je kleiner desto mehr.

Rainer Hess, der Vorsitzende des GBA, deutet jetzt zum ersten Mal eine Lösung des Konflikts an. Auf den ehemaligen Kassenfunktionär und zwei weitere "unparteiische Mitglieder" kommt es am Donnerstag an, denn sie können mit ihren Stimmen die Blockade zwischen beiden Lagern aufheben. Angesichts der guten Erfahrungen in anderen Ländern, so Hess, müsse man darüber nachdenken, ob es auch hier sinnvoller sei, die Behandlungen von Frühchen zu konzentrieren.

Barbara Schmid



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