Gesundheit Starker Händedruck prophezeit langes Leben

Ein fester Händedruck, ein energischer Gang - ein langes Leben? Zumindest bei Senioren trifft dieser Zusammenhang zu, haben Forscher herausgefunden. Vielleicht lassen sich die Ergebnisse auch auf jüngere Generationen übertragen.

Kräftiger Händedruck: Ein Anzeichen für ein langes, gesundes Leben? Vermutlich!
DPA

Kräftiger Händedruck: Ein Anzeichen für ein langes, gesundes Leben? Vermutlich!


Wer einen Karriere-Ratgeber liest, kann eine Menge über den optimalen Handschlag erfahren: Kräftig muss er sein, mit genug Druck, um Selbstbewusstsein und Stärke auszustrahlen. Nur bitte kein Schweiß, das wäre peinlich. Nun haben Forscher auch eine medizinische Bedeutung des Handschlags nachgewiesen. Laut ihrer Studie leben Senioren, die einen festen Händedruck besitzen, einen energischen Gang an den Tag legen und noch von ihrem Stuhl aufspringen können, in der Regel länger als schwächere Altersgenossen.

Bereits frühere Untersuchungen hatten angedeutet, dass körperliche Aufgaben, wie sie auch im Alltag vorkommen, den gesundheitlichen Zustand einer Person widerspiegeln. Jetzt haben britische Forscher vom Medical Research Council in London 33 Studien zu dem Thema ausgewertet, in denen Mediziner an mehreren zehntausend Menschen den Zusammenhang zwischen dem Sterberisiko und einer der vier folgenden körperlichen Fähigkeiten untersucht hatten: der Festigkeit des Händedrucks; der Geschwindigkeit beim Gehen; dem Tempo, mit dem jemand von einem Stuhl aufstehen kann sowie der Fähigkeit, auf einem Bein zu stehen.

Dabei zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen den Leistungen und der Gesundheit der Teilnehmer: Wer die Aufgaben mit Bravour meisterte, hatte in der Regel länger zu leben. Wer hingegen schon bei den alltäglichen Herausforderungen versagte, starb häufig früher. "Solche Messungen der körperlichen Leistungsfähigkeit können Krankheiten aufdecken und den generellen körperlichen Zustand bestimmen", schreiben die Forscher um Rachel Cooper im British Medical Journal. Die Ergebnisse sollen helfen, Tests zu entwickeln, mit denen sich in Zukunft der körperliche Zustand eines Menschen leichter überwachen lässt und die eine individuelle Behandlung ermöglichen.

Starker Händedruck: 67 Prozent geringeres Sterberisiko

Die Studien erfassten vor allem Senioren ab einem Alter von 60 Jahren, die noch selbstständig lebten und nicht in einem Altersheim oder einem Krankenhaus untergebracht worden waren. Beim Händedruck etwa analysierten die Forscher die Ergebnisse von 14 Untersuchungen mit mehr als 50.000 Beteiligten. Auch wenn die Ergebnisse der einzelnen Studien leicht schwankten, zeigten alle dieselbe Tendenz: Besaßen die Teilnehmer nur einen schlaffen Händedruck, hatten sie im Durchschnitt ein 67 Prozent höheres Risiko, im Studienzeitraum zu sterben als Personen mit einem starken Handschlag.

Noch ausgeprägter zeigte sich der Effekt beim Gehstil der Senioren. Hier dienten den Forschern fünf Studien mit knapp 15.000 Teilnehmern als Grundlage ihrer Auswertung. Trödelnde Personen besaßen dabei ein fast dreimal höheres Sterberisiko als ihre flinken Altersgenossen. Bei Personen, die nur langsam von ihrem Stuhl aufstehen konnten, war das Sterberisiko im Untersuchungszeitraum immerhin zweimal höher als bei Schnellaufstehern, beim Balancieren auf einem Bein zeigte sich ebenfalls ein Zusammenhang. Um Verzerrungen der Ergebnisse zu vermeiden, hatten die Forscher zuvor das Alter, das Geschlecht und die Körpermaße der Personen herausgerechnet.

Effekt auch bei Jüngeren beobachtet

Die Wissenschaftler erklären sich den Zusammenhang zum größten Teil mit dem natürlichen körperlichen Abbau im Alter. "Das Aufstehen von einem Stuhl, schnelles Gehen und das Stehen auf einem Bein benötigen Kraft, Balance und motorische Kontrolle", schreiben die Forscher. Dies seien alles Funktionen, die im Alter von Natur aus nachließen.

Um so erstaunlicher ist jedoch, dass die Wissenschaftler eine entsprechende Verbindung auch bei Studien mit jüngeren, gesunden Teilnehmern nachweisen konnten: "Beim Händedruck haben wir die Zusammenhänge auch in Teilnehmergruppen mit einem Durchschnittsalter unter 60 Jahren finden können", schreiben die Forscher. Allerdings seien sie dort schwächer ausgeprägt gewesen als in den anderen Untersuchungsgruppen. Die Wissenschaftler wollen diesen Zusammenhang nun genauer überprüfen, um Gesundheitsgefahren in Zukunft vielleicht auch bei jüngeren Personen identifizieren zu können und sie rechtzeitig zu behandeln.

irb



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