Gesundheit: Tuberkulose erhöht Lungenkrebsrisiko deutlich

Wer an Tuberkulose leidet, muss ganz besonders auf die Gesundheit seiner Lunge achten: Einer neuen Untersuchung zufolge ist das Lungenkrebsrisiko bei Betroffenen rund elfmal höher als gewöhnlich.

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Röntgenaufnahme: Der größte Risikofaktor für Lungenkrebs ist das Rauchen

Menschen mit Tuberkulose erkranken deutlich häufiger an Lungenkrebs als der Rest der Bevölkerung. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfangreiche taiwanesische Studie, die im "Journal of Thoracic Oncology" der internationalen Vereinigung zum Studium von Lungenkrebs (IASLC) veröffentlicht wurde. Die Forscher der China Medical University im taiwanesischen Taichung sammelten dafür Daten von knapp 720.000 Menschen, die sie über Jahre beobachteten.

Sie identifizierten zuerst 4480 Patienten, die zwischen 1998 und 2000 an Tuberkulose erkrankt waren, um einen Zusammenhang zwischen dem Leiden und Lungenkrebs zu ermitteln. Rund 712.000 Menschen ohne Tuberkulose-Diagnose dienten als Kontrollgruppe. In die Studie aufgenommen wurden nur Menschen, die in ihrem Leben keine Krebsdiagnose erhalten hatten.

Zwischen 2001 und 2007 ermittelten die Forscher, wie viele Studienteilnehmer an Lungenkrebs erkrankten. Dabei zeigte sich, dass das Risiko für Tuberkulosekranke rund elfmal so hoch war wie für die Menschen in der Kontrollgruppe. Auf 10.000 Menschen, die ein Jahr lang beobachtet wurden, kamen in der Kontrollgruppe statistisch 2,4 Lungenkrebsdiagnosen. Unter den Tuberkulosekranken waren es 26,3.

Mehr als zwei Milliarden Menschen oder ein Drittel der Weltbevölkerung sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Tuberkulosebakterien infiziert. Jede Sekunde steckt sich jemand mit den Erregern an. Die Mehrheit bemerkt nichts von dieser Infektion, doch bei einem von zehn Betroffenen bricht im Laufe seines Lebens die Tuberkulose aus. Besonders HIV-Infizierte sind gefährdet. 1,7 Millionen Menschen starben 2009 an Tuberkulose, die meisten in Entwicklungsländern - mehr als die Hälfte in Asien.

Die taiwanesischen Wissenschaftler meinen, dass ihre Erkenntnisse in die Tuberkulose-Behandlung einfließen sollten - etwa in Form einer verbesserten Lungenkrebs-Früherkennung und -Vorsorge für Betroffene.

Der größte Risikofaktor für Lungenkrebs ist das Zigarettenrauchen. In Deutschland erkranken nach Angaben des Robert-Koch-Instituts pro Jahr knapp 50.000 Menschen an Lungenkrebs, Männer sind mehr als doppelt so oft betroffen wie Frauen.

wbr/dpa

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Tuberkulose
Erreger
Das Mycobacterium tuberculosis hat eine Stäbchenform. Es wächst relativ langsam, ist säurefest und zählt zu der Familie der Mykobakterien, die unter anderem Lepra und Rindertuberkulose auslösen. Das Mycobacterium tuberculosis dringt vor allem durch eine Tröpfcheninfektion über die Atemwege, die Schleimhäute und die Lungenbläschen in Blut und Organe des Menschen ein.
Krankheit
Tuberkulose ist eine chronische Infektionskrankheit mit weltweiter Verbreitung. Erkrankt der Infizierte direkt nach der Ansteckung, spricht man von Primärtuberkulose. Häufig kapseln sich die Erreger ab (geschlossene Tbc) oder brechen in das Bronchialsystem ein (offene Tbc). Fieber, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust und Husten sind typische Symptome.

Bei etwa jedem Zehnten bricht die Erkrankung erst zu einem späteren Zeitpunkt aus, dann führen oft blutiger Auswurf und Husten zur Diagnose. Der Betroffene ist dann hoch ansteckend. Die Bakterien können später auch Organe wie die Haut, Knochen, Darm oder Gehirn befallen. Für die Therapie der unkomplizierten Tuberkulose setzen Ärzte normalerweise zwei Monate lang vier Antibiotika ein (Isoniazid, Rifampicin, Ethambutol und Pyrazinamid). Über weitere vier Monate folgt eine Zweierkombination aus Isoniazid und Rifampicin.
Tbc und HIV
Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind besonders anfällig für das Mycobacterium tuberculosis. Eine Tuberkulose-Infektion ist daher die häufigste Todesursache bei HIV-Infizierten in Afrika. Sie haben ein 20- bis 30-fach größeres Risiko, an Tuberkulose zu erkranken als HIV-Negative.