Berlin - Nach Überzeugung von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler stellt die normale Herbstgrippe derzeit noch ein höheres gesundheitliches Risiko dar als die Schweinegrippe. Rösler sagte im Interview mit der "Bild am Sonntag" auf die Frage, ob er schon gegen Schweinegrippe geimpft sei: "Zuallererst lasse ich mich gegen die normale Grippe impfen. Die ist momentan noch gefährlicher. Und danach gegen die Schweinegrippe."
Auf die Frage, ob er allen Bürgern empfehle, sich gegen Schweinegrippe impfen zu lassen, sagte der neue Gesundheitsminister: "Das muss jeder mit seinem Arzt besprechen. Gefährdete Personen sollten sich aber wie von der Ständigen Impfkommission empfohlen jetzt gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Auch die Polizei und die Feuerwehrleute sollten sich wie vorgesehen impfen lassen."
Rösler betonte die Gefährlichkeit des bekannten Influenza-Virus: "Aber man sollte auch die normale Grippeimpfung nicht vergessen. Denn die kann für bestimmte Personengruppen mit chronischen Krankheiten auch gefährlich sein."
30.000 Fälle in Deutschland
Seit dem Ausbruch der Krankheit im April sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit mindestens 5700 Menschen an der Schweinegrippe gestorben. Auch in Deutschland breitet sich die Schweinegrippe nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums immer schneller aus: 30.000 Infektionsfälle seien bisher erfasst worden.
In Deutschland gibt es bislang sechs Todesopfer des H1N1-Erregers. Allein drei von ihnen starben an diesem Freitag. Es handelt sich um eine Frau mittleren Alters, einen Jugendlichen und ein Kind. Die Frau, eine 48-Jährige aus dem Rhein-Sieg-Kreis, hatte keine bekannten Vorerkrankungen, die den schweren Krankheitsverlauf erklären würden. Wo sie sich angesteckt hat, ist unklar.
Nach dem neuen Fall in Bonn rechnet das Robert Koch Institut (RKI) nun damit, dass auch in Deutschland verstärkt Patienten ohne weitere Vorerkrankungen an der Schweinegrippe sterben könnten.
Das RKI rief die Bevölkerung zu erhöhter Vorsicht auf und empfahl eine Impfung. "Mit zunehmenden Fallzahlen, die sich derzeit abzeichnen, wird auch die Anzahl von Fällen mit schwererem Verlauf zunehmen", teilte das Institut in Berlin mit. "Vor diesem Hintergrund sind die Einhaltung von persönlichen Hygienemaßnahmen und die Impfung als wichtige Präventionsmaßnahme von besonderer Bedeutung."
Der Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit an der Uni-Klinik Bonn, Martin Exner, warnte, dass "möglicherweise jetzt die zweite Welle der Influenza-Pandemie auch in Deutschland beginnt". Insbesondere mit der kalten Jahreszeit könne nun vermehrt mit schwereren Krankheitsverläufen zu rechnen sein. Gleichzeitig wies er aber darauf hin, dass die Mehrzahl der Schweinegrippe-Fälle in Deutschland bislang milde verlaufen ist.
amz/Reuters
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