Gesundheitsstudie: Fluglärm verursacht Infarkte und Schlaganfälle

Wer in der Nähe eines Flughafens wohnt, lebt mit deutlich größerem Risiko, einen Schlaganfall oder Infarktrisiko zu erleiden. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes, die dem SPIEGEL vorliegt. Lärmschutz hilft nur bedingt.

Lufthansa-Maschine im Anflug auf Berlin-Tegel: Lärm nervt - und macht richtig krank Zur Großansicht
DDP

Lufthansa-Maschine im Anflug auf Berlin-Tegel: Lärm nervt - und macht richtig krank

Hamburg - Fluglärm nervt - und er macht auch richtig krank. Eine großangelegte Studie des Bremer Mediziners und Epidemiologen Eberhard Greiser, die dem SPIEGEL vorliegt, belegt einen starken Anstieg von gefährlichen Herz- Kreislaufkrankheiten und Schlaganfällen bei Flughafen-Anwohnern. Für die im Auftrag des Umweltbundesamtes erstellte Studie wurden Krankenkassendaten von mehr als einer Million gesetzlich Versicherten aus der Umgebung des Flughafens Köln/Bonn ausgewertet.

Danach haben zum Beispiel über 40-jährige Frauen, die tagsüber einer Fluglärmbelastung von 60 Dezibel und mehr ausgesetzt werden, ein fast doppelt so hohes Risiko, wegen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung in einer Klinik behandelt werden zu müssen, als Frauen aus Wohngebieten ohne Fluglärm. Bei Männern dieser Altersklasse steigt das Erkrankungsrisiko um 69 Prozent. Bei Frauen wurden zudem höhere Risiken für Brustkrebs und Leukämie in Fluglärmgebieten festgestellt.

60 Dezibel sind dabei noch nicht einmal besonders laut, lebhafte Gespräche in einer Kneipe kommen auf einen ähnlichen Schallpegel. Ein Presslufthammer liegt mit 120 Dezibel knapp unterhalb der Schmerzgrenze, bei einem startenden Düsenjet - 130 Dezibel - hält sich jeder die Ohren zu. Aber um langfristig gesundheitliche Schäden zu verursachen, genügt offenbar bereits ein niedrigeres Lärmniveau, wenn es dauerhaft stresst.

Die in der Studie gewonnenen Daten erlauben auch Voraussagen über erwartbare Krankheitsfälle an anderen Flughäfen. Etwa zehn Jahre nach dem Ausbau von Berlin-Schönefeld zum Großflughafen müssen sich nach Greisers Berechnungen die umliegenden Krankenhäuser beispielsweise auf fast 5000 zusätzliche Patienten mit Herz-Kreislauf-Krankheiten einstellen, darunter etwa 1350 Männer und Frauen mit einem Schlaganfall. Durch umfangreichen Lärmschutz lasse sich die Zahl der Schlaganfall-Patienten auf etwa 950 verringern.

oka

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1.
Gertrud Stamm-Holz 12.12.2009
Zitat von sysopNach einer vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebenen Studie haben in der Nähe von Flughäfen lebende Menschen ein deutlich höheres Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden. Selbst aufwändig errichtete Lärmschutzmaßnahmen schaffen kaum Anhilfe vor dem Risiko. Welche Kosequenzen sollte das Ergebnis Ihrer Meinung nach haben?
Es ist wieder soweit. Das Thema rauchen ist durch. Die nächste Gefährdung in Sachen Herzinfarkt muss her. Diesmal sind es die Flieger und morgen kommen die Autos dran. Natürlich macht Lärm krank. Nur will sich mir die besondere Gefährdung durch Fluglärm nicht erschliessen. Wer an verkehrsreichen Strassen lebt, der müsste demzufolge ein wesentlich höheres Risiko für die angeführten Punkte haben. 24 Stunden Verkehrslärm sind kein Vergleich zur Geräuschkulisse in einer Einflugschneise. Hilfreich wären natürlich die Vorerkrankungen der Betroffenen, deren allgemeiner Gesundheitszustand und natürlich das Alter. Das allerdings gibt es nicht zu lesen. Ich wundere mich warum. Die Konsequenzen wären simpel. Komplette Streichung jeden Flugverkehres mitsamt Individualverkehr. Danach lassen sich trotzdem mit Sicherheit immer noch jede Menge gesundheitliche Risiken entdecken und irgendein Amt kann und wird wieder eine löchrige Studie für teures Geld in Auftrag geben.
2.
Internetnutzer 12.12.2009
Zitat von Gertrud Stamm-HolzEs ist wieder soweit. Das Thema rauchen ist durch. Die nächste Gefährdung in Sachen Herzinfarkt muss her. Diesmal sind es die Flieger und morgen kommen die Autos dran. Natürlich macht Lärm krank. Nur will sich mir die besondere Gefährdung durch Fluglärm nicht erschliessen. Wer an verkehrsreichen Strassen lebt, der müsste demzufolge ein wesentlich höheres Risiko für die angeführten Punkte haben. 24 Stunden Verkehrslärm sind kein Vergleich zur Geräuschkulisse in einer Einflugschneise. Hilfreich wären natürlich die Vorerkrankungen der Betroffenen, deren allgemeiner Gesundheitszustand und natürlich das Alter. Das allerdings gibt es nicht zu lesen. Ich wundere mich warum. Die Konsequenzen wären simpel. Komplette Streichung jeden Flugverkehres mitsamt Individualverkehr. Danach lassen sich trotzdem mit Sicherheit immer noch jede Menge gesundheitliche Risiken entdecken und irgendein Amt kann und wird wieder eine löchrige Studie für teures Geld in Auftrag geben.
Ich wohne in der Nähe eines Kindergartens, der Lärm und das geschrei der Kinder macht mich krank, schlimmer als Fluglärm. Wenn es wenigstens fröhliches Lachen wäre, nein nur schrilles Gezanke und unflätige Wörter. Und die drei zur Aufsicht abgestellten Frauen stehen beieinander und schwätzen. Oder hätte ich das jetzt nicht sagen dürfen? Wieder ein Tabu?
3.
Medienkritiker 12.12.2009
eine logische Konsequenz der Betroffenen wäre Umzug! Weg von den Lärmquellen...
4.
Gertrud Stamm-Holz 12.12.2009
Zitat von InternetnutzerIch wohne in der Nähe eines Kindergartens, der Lärm und das geschrei der Kinder macht mich krank, schlimmer als Fluglärm. Wenn es wenigstens fröhliches Lachen wäre, nein nur schrilles Gezanke und unflätige Wörter. Und die drei zur Aufsicht abgestellten Frauen stehen beieinander und schwätzen. Oder hätte ich das jetzt nicht sagen dürfen? Wieder ein Tabu?
Natürlich dürfen Sie das nicht sagen. Das sagen nur Rentner, Arbeitslose und Kinderhasser. Das Leben ist unendlich laut geworden. In meiner Kidheit war das noch lange nicht so. Die Leute haben teilweise gar keine Ruhephasen mehr. Im Beruf wird man gescheucht und in der Freizeit steht man Lärmkulissen gegenüber. Es fehlt teilweise jede Entspannungsmöglichkeit. Der Sysop reduziert dies jetzt auf die Umgebung von Flughafen. Das ist zu kurz gegriffen. Ich wohne bedauerlicherweise in einer überteuerten Wohnung ohne tauglichen Lärmschutz der Fenster. Der permanente Verkehrsradau draussen verursacht mir Stress. Eine ruhige Wohnlage mit regelmäßigem Anflugverkehr der Flieger würde für mich eine deutliche Erleichterung meiner Wohnsituation bedeuten. Die Studie ist für mich ausser dubios überhaupt nichts.
5. Ob
saul7 12.12.2009
Zitat von sysopNach einer vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebenen Studie haben in der Nähe von Flughäfen lebende Menschen ein deutlich höheres Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden. Selbst aufwändig errichtete Lärmschutzmaßnahmen schaffen kaum Anhilfe vor dem Risiko. Welche Kosequenzen sollte das Ergebnis Ihrer Meinung nach haben?
es nun Fluglärm ist oder eine vielbefahrene Hauptverkehrsstraße: man braucht keine Studien, um festzustellen, dass dieser ständig auf die Menschen herbprasselnde Lärm der Gesundheit abträglich ist. Wer einmal in diesen Bereichen gelebt hat, kann ein Lied davon singen. Die Beschwerdesymptomatik reicht von leichteren bis mittelschweren vegetativen Symptomen wie gesteigerte Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche, schnelle Erschöpfbarkeit, Schlafstörungen, hoher Blutdruck, Tinnitus und vieles andere. Natürlich kann sowas auch zu Herzinfarkt führen. Die Frage nach den Konsequenzen empfinde ich als scheinheilig, weil viele der Bewohner in diesen Bereichen gar keine Möglichkeit haben, von dort wegzuziehen. Es ist eine städteplanerische Aufgabe dafür zu sorgen, dass ein adäquater und vor allem effektiver Lärmschutz geschaffen wird.
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