Indisches Gesundheitssystem: Homöopathie im Krankenhaus

Alternative Behandlungsformen sind in Indien alltäglich: Es gibt Kliniken für homöopatische Therapien und Ayurveda sowie Zentren für Unani, die arabischen Variante der Schulmedizin. Zur Regulierung gibt es eine Behörde, die auch die Werbung für Talismane und magische Produkte überwacht.

Das homöopathische Krankenhaus: Zum Nachmittags-Yoga kommt der Priester Fotos
Nicola Kuhrt

Das indische Gesundheitssystem ist so vielfältig wie die Religionen im Land: Das zuständige Ministerium für Gesundheit und Familienfürsorge hat die Aufsicht über Qualitätsstandards und Kontrollen sowie die Einführung neuer Medikamente. Es ist auf nationaler Ebene die höchste Instanz für medizinische Belange und in mehrere Abteilungen untergliedert: Die oberste regelt medizinische Fragen, dazu kommen Abteilungen für Ayurveda, Homöopathie (Ayush) und Unani, die arabische Medizin.

Krankenhäuser nur für homöopatische Behandlungen sind in Indien normal. Natürlich gibt es auch Kliniken, in denen Therapien nach Regeln der Schulmedizin angeboten werden, oder nach Ayurveda und Unani. Die Aufteilung zeigt den besonderen Stellenwert traditioneller medizinischer Methoden im indischen Gesundheitswesen, das Ministerium reguliert beispielsweise auch die Werbung für Talismane und andere magische Produkte.

Versicherung mit Problemen wie in Deutschland

Versichert ist nur jeder zweite Inder. Bei der staatlichen Variante handelt es sich wie in Deutschland um eine solidarische Versicherung: Arbeitnehmer entrichten 2,25 Prozent und Arbeitgeber fünf Prozent ihres Bruttolohns an die Versicherung. Darüber hinaus gibt es einen staatlichen Zuschuss von 12,5 Prozent aller anfallenden medizinischen Kosten.

Grundlage der Versicherung ist der "Employees' State Insurance Act" (ESI). Er deckt die Risiken Krankheit, Mutterschaft, Arbeitsunfall, Bestattungskosten und die Hinterbliebenenrente ab. Trotzdem existiert in Indien kein umfassender Schutz der Bevölkerung, ein Großteil ist von der staatlichen Versicherung ausgeschlossen - etwa Saisonarbeiter oder Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten sowie Personen mit einem Monatsgehalt von mehr als 6500 Rupien (94 Euro).

Auch durch steigende Löhne fallen immer mehr Menschen aus der staatlichen Versicherung heraus, eine private Absicherung können sie sich aber nicht leisten - das erinnert an die zunehmenden Problematik im deutschen Gesundheitssystem. Auch hier gibt es immer mehr Menschen, die sich den Wiedereinstieg in die private Versicherung nicht leisten können. In Indien reicht ein Monatsgehalt von 6500 Rupien etwa in der Stadt Bangalore kaum aus, um eine Familie zu ernähren.

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nik

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