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Glaxo-Produkt Avandia: EU-Aufseher verlangen Verkaufsstopp für Diabetesmittel

Die Arzneimittelbehörden greifen durch: EU-Aufseher wollen das umstrittene Diabetes-Präparat Avandia vom Markt nehmen lassen, in den USA sollen Patienten das Mittel nur noch in Ausnahmefällen erhalten. Dem Hersteller GlaxoSmithKline drohen schwere Umsatzeinbußen.

Diabetes-Mittel Avandia: In der EU bald nicht mehr erhältlich Zur Großansicht
REUTERS

Diabetes-Mittel Avandia: In der EU bald nicht mehr erhältlich

Brüssel/Washington - Schwerer Rückschlag für den britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline: Die europäische Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt, das wegen eines erhöhten Herzinfarkt-Risikos seit Jahren umstrittene Diabetesmittel Avandia komplett vom Markt zu nehmen. Die für die Zulassung von Medikamenten zuständige EU-Kommission folgt üblicherweise den Empfehlungen der Arzneimittelbehörde. Außerdem plant die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA, den Zugang für Patienten erheblich einzuschränken. Das teilten beide Behörden am Donnerstag mit.

Glaxo kündigte an, die Vermarktung zu stoppen. Allein mit Avandia verdiente der Pharmakonzern 2009 umgerechnet rund 900 Millionen Euro. Infolge der Ankündigungen der beiden Gesundheitsbehörden erwartet Glaxo im zweiten Halbjahr nur noch einen Umsatz von 100 bis 150 Millionen britischen Pfund (117 bis 176 Millionen Euro) mit dem ehemaligen Verkaufsschlager. Im den Folgejahren werde nur noch mit minimalen Erlösen gerechnet, teilte Glaxo am Donnerstagabend mit. Der britische Pharmakonzern stellt sich wegen möglicher rechtlicher Auseinandersetzungen außerdem auf eine Milliardenzahlung ein.

Bereits seit Jahren diskutiert die Fachwelt über die Nebenwirkungen der Wirkstoffgruppe der Rosiglitazone. Dazu gehören Wassereinlagerungen, Herzschwäche und vermehrte Knochenbrüche bei Frauen. Der Vorteil des Wirkstoffs besteht darin, dass er nicht zu Unterzuckerung führt und problemlos mit anderen Antidiabetika kombiniert werden kann.

Nach neuen Erkenntnissen überwiege der Nutzen nicht mehr die Risiken des Wirkstoffs, teilte die EMA in London mit. Die Medikamente würden in den kommenden Monaten aus den Regalen verschwinden. Betroffene Patienten sollten mit ihrem Arzt über Alternativen beraten, die Behandlung aber nicht auf eigene Faust beenden.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA will ihrerseits den Zugang zu Avandia begrenzen. So sollen neue Patienten das Mittel nur noch verschrieben bekommen, wenn keine Alternativen greifen. Gegenwärtigen Nutzern müssen Ärzte eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausstellen. Auf ein generelles Verbot verzichtete die US-Behörde jedoch.

Bereits im Juli hatte ein Beratergremium der FDA strengere Auflagen für den Vertrieb von Avandia beschlossen. Eine Mehrheit des Gremiums stufte damals Befunde als glaubwürdig ein, wonach Avandia das Risiko von Infarkten und Schlaganfällen stärker erhöhen könnte als andere Diabetes-Präparate.

jok/dpa/AFP/AP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
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1. was nützt?
NachbarinsFläschchen, 23.09.2010
Ich wäre dafür, ein Verkaufsstopp für Süßigkeiten auszusprechen, das wäre mit Sicherheit billiger.Und da inzwischen Rauchen in den Kneipen weitgehend verboten worden ist, sollte auch keiner eine Speisekarte vorgelegt bekommen, der einen BMI über 25 hat
2. Na und!
tz88ww 23.09.2010
"Dem Hersteller GlaxoSmithKline drohen schwere Umsatzeinbußen". Ist das ein Problem (für uns)?? Was soll daran schlimm sein ?? Die Typen zocken uns seit Jahren nach allen Regeln der Kunst ab. "Grippe"-Impfstoffe, AZT (DER Goldstandard der "Aids"-"Therapie". usw. usf. Schon mal Wirtschaftszeitungen gelesen, was die Typen für Gewinne (auf unsere Kosten) einfahren ?? Die lachen sich über eine Milliarde Schadensersatz tot (hoffentlich). Am besten für die Menschheit wäre, wenn der Laden (am besten zusammen mit Monsanto) pleite ginge.
3. .
Beutz 23.09.2010
Zitat von sysopDie Arzneimittelbehörden greifen durch: EU-Aufseher wollen das umstrittene Diabetes-Präparat Avandia vom Markt nehmen lassen, in den USA sollen Patienten das Mittel nur noch in Ausnahmefällen erhalten. Dem Hersteller GlaxoSmithKline drohen schwere Umsatzeinbußen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,719246,00.html
Ich bin Diabetiker. Fragen Sie mich! Liebe Grüße.
4. ein musterbeispiel der pharmalobby
causal 24.09.2010
von vornherein wusste man: das ist nicht der königsweg. (vielleicht im gegensatz zur gewichtsreduktion bei diabetikerin zu sehen) der charmante begriff insulin-sentiziser wurde geprägt. man recherchiere die verordnungsvolumina! die kosten in brd. und gern das zulassungsverfahren, die studien, welche zur zulassung beitrugen. Merke: klinische studien wenden sich an meinungsbildner = kliniken etc. sagen wir so: in seldwyla bekommen die diabetoll(sic)ogen einen lkw des medikamentes x und ihre unteren chargen probieren kontrolliert und randomisiert (zwinkerzwinker) das medikament an, ja, warum sollte man jetzt nicht sagen: am kranken humankapital. die studie muss publiziert werden. also rein in die fachjournale und kongresse, vorzüglich durch internationale videoschaltung aufgebläht. das seldwylianisch multiplizieren, also in krähwinkel und hintertupfingen weiter beforschen lassen = plus x studien. sodann die studien im massen-pferch, sprich schwerpunktpraxen. 1 patient gegen x entlohnung, oftmals ohne muster, alles aufkosten der allgemeinen gesundheitskasse seldwyla, gell. an einiges ist in diesem zusammenhang zu erinnern: 1. wo stehen die diabetologischen grossherren der brd? 2. wie ist die dokumentationslage in der brd seitens dieser quatsch-medikamente (es gibt mehrere)? 3. und schliesslich: vergessen wir nicht, die diabetologie ist eine teildisziplin der endokrinologie. 4. monomanisierung ist abträglich. 5. der diabetiker oder prädiabetiker ist in erster instanz ein mensch und nicht nur ein blutzucker-wert. 6. der mensch wird nicht nur durch den blutzucker definiert (ich erinnere an den begriff ko- und multimorbidität. 7. jede studie hat mindestens 5% fehlerquote. jetzt lasse man die logik walten: medikament xyz senkt irgendetwas um 12%, d.h. der finale endpunkt (begriff wie kollateralschaden) wird im kollektiv der studie 12% geringer oder später erreicht. vielleicht 5% addieren? - ist ein ergebnis von 5-8% überhaupt zu rechtfertigen? ehrenwert ist, wenn geforscht wird. ohne zweifel. jedoch valide, bitte schön, und nicht jedes ergebnis gleich in die evidenzbasierte medizin verschaukeln. so evident ist das gar nicht. in der sogenannten wissenschaftlichen medizin herrscht eine zu grosse paper-production und kongress-sabbelei. was gibt es eigentlich jedes jahr neu zu diskutieren? die halbwertszeit relevanter kardiologischer (und diabetologischer) forschung liegt eher bei 8 jahren. empfehle den journalisten für ihre recherchen: arzneitelegramm bremen.
5. Altes Zahlenmaterial
ghune 24.09.2010
In den Grafiken steht was von 16% Mehrwertsteuer. Bitte aktuelle Daten verwenden. Gruß, Ghune
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Zuckerkrankheit
Diabetes mellitus
Der Diabetes mellitus (wörtlich aus dem Griechischen: "Honigsüßer Durchfluss"), auch Zuckerkrankheit genannt, ist eine chronische Stoffwechselerkrankung. Der Name bezieht sich auf die Ausscheidung von Zucker im Urin, an der die Krankheit in der Antike erkannt wurde. Heute gilt Diabetes als Überbegriff für verschiedene Stoffwechselstörungen, die jeweils durch eine Überzuckerung des Blutes, die sogenannte Hyperglykämie, gekennzeichnet sind. Der Grund dafür ist, dass Traubenzucker (Glukose) nicht mehr vom Körper verwertet werden kann. Er fehlt den Zellen als Energielieferant und reichert sich im Blut an. Seit 1998 ist der Diabetes in zwei Typen eingeteilt.
Typ 1
Beim Typ-1-Diabetes, von dem 5 bis 10 Prozent aller Zuckerkranken betroffen sind, kommt es zu einer Entzündungsreaktion: Das körpereigene Immunsystem zerstört die Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Die Symptome des fortschreitenden Insulinmangels beginnen meist in der Kindheit oder der Jugend: Die Blutzuckerkonzentration steigt extrem an, es kommt zu starkem Wasser- und Nährstoffverlust, was ständigen Durst und häufiges Erbrechen zur Folge hat. Auch eine schnelle Gewichtsabnahme gehört zu den Symptomen. Als Therapie wird die Zuführung von Insulin in Form von Medikamenten eingesetzt. Als Ursache von Typ-1-Diabetes gelten vor allem genetische Veränderungen.
Typ 2
Der Typ-2-Diabetes war früher auch als Altersdiabetes bekannt. Im Zuge der Fettsucht-Epidemie insbesondere in den Industrieländern erkranken aber immer öfter auch junge Menschen und inzwischen sogar Kinder am Typ-2-Diabetes. Falsche Ernährung und daraus folgendes Übergewicht gelten als Hauptursache der Krankheit: Die großen Mengen von Zucker, die dem Körper zugeführt werden, kann die Bauchspeicheldrüse in jungen Jahren noch durch eine verstärkte Insulinproduktion wettmachen. Im Laufe der Zeit werden die Zellen aber immer unempfindlicher für das Insulin, so dass die Glukose immer schlechter abgebaut wird und sich im Blut anreichert.

Im Unterschied zum Typ I gibt es beim Typ-2-Diabetes lange keine eindeutigen Symptome wie etwa verstärktes Wasserlassen oder Durstgefühl, sondern eher unspezifische Anzeichen wie ein ständiges Hungergefühl, Gewichtszunahme, Niedergeschlagenheit und Müdigkeit. Typ-2-Diabetes kann anfangs durch gesündere Ernährung, mehr Bewegung und Abnehmen bekämpft werden. Gelingt das nicht, sind später Medikamente zur Regulierung des Blutzuckers und auch eine Insulintherapie notwendig.
Verbreitung
Diabetes gehört schon heute zu den größten Volkskrankheiten und wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich dramatisch ausbreiten. Schätzungen zufolge gibt es weltweit mehr als 150 Millionen Zuckerkranke, Tendenz stark steigend.

In Deutschland lebten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2006 rund acht Millionen Diabetiker. Ihr Anteil an der Bevölkerung ist demnach von 0,6 Prozent im Jahr 1960 auf rund 10 Prozent gestiegen. Experten gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus, weshalb es sich hier nur um grobe Schätzungen handelt.
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Grafiken: Fakten zur Pharmaindustrie

Die größten Pharmakonzerne der Welt
Rang Unternehmen Umsatz (in Mrd. Dollar)
1 Pfizer 41,7
2 Novartis 36,7
3 Sanofi-Aventis 35,1
4 GlaxoSmithKline 34,3
5 AstraZeneca 33,2
6 Roche 31,3
7 Johnson & Johnson 26,9
8 Merck & Co. 25,0
9 Eli Lilly 19,6
10 Abbott 19,4
Quelle: IMS Health, Stand: 2009

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