Globale Prognose Zahl der Demenzpatienten verdoppelt sich alle 20 Jahre

Die Zahl der Demenzkranken weltweit ist wesentlich höher als bislang angenommen. Laut einer neuen Studie sind derzeit schon 35 Millionen Menschen erkrankt. Forscher befürchten, dass sich die Zahl der Betroffenen alle 20 Jahre nahezu verdoppeln wird.

Alzheimer-Patientin aus Lissabon mit ihrem Ehemann (Archivbild): Bis 2050 drohen damit mehr als 115 Millionen Demenzkranke weltweit
REUTERS

Alzheimer-Patientin aus Lissabon mit ihrem Ehemann (Archivbild): Bis 2050 drohen damit mehr als 115 Millionen Demenzkranke weltweit


Washington - Alzheimer und andere Formen von Demenz treten immer häufiger auf. Nach Angaben der Forschungsgruppe Alzheimer's Disease International (ADI) leiden weltweit bereits mehr als 35 Millionen Menschen an derartigen Erkrankungen. Das sind rund zehn Prozent mehr, als Wissenschaftler noch vor einigen Jahren prognostiziert hatten. Grund für den Anstieg sei, dass man die Ausbreitung der Krankheit besonders in Entwicklungsländern unterschätzt habe, heißt es im jüngsten Welt-Alzheimer-Bericht der Forschungsgruppe.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich die Zahl der Betroffenen alle 20 Jahre nahezu verdoppeln wird. Bis 2050 drohen damit mehr als 115 Millionen Demenzkranke. "Uns steht eine Notsituation bevor", sagte ADI-Chefin Daisy Acosta. Die Regierungen und die Weltgesundheitsorganisation WHO sollten der Erforschung der Demenz sowie vorbeugenden Maßnahmen deshalb höchste Priorität beimessen, forderte sie. In Deutschland rechnen Forscher bis 2030 mit zwei Millionen Demenzkranken.

Betroffen ist derzeit jeder achte Mensch über 65 Jahre und fast jeder zweite über 85 Jahre. Neben dem zunehmenden Alter gelten auch Übergewicht, ein hoher Cholesterinspiegel und Diabetes als Risikofaktoren für Demenz.

In ärmeren Ländern werde das Thema häufig totgeschwiegen, oder Demenz werde als normaler Teil des Alterns angesehen - was jedoch falsch sei, erklärten die Wissenschaftler. Aber auch in europäischen Ländern herrsche ein solcher Irrglaube. So fanden die Forscher die gleiche Einschätzung bei etwa 50 Prozent der britischen Familien, die einen Demenzkranken pflegten. Allein in Westeuropa sind der Studie zufolge sieben Millionen Menschen demenzkrank.

Gehirn baut im Alter ab

Die letzte globale Alzheimer-Untersuchung aus dem Jahr 2005 war von 24 Millionen Erkrankten ausgegangen. Bis 2010 sollte es laut der damaligen Prognose 31 Millionen Demenzkranke geben. Diese Marke ist jedoch schon lange überschritten.

Dass mit zunehmendem Alter auch die geistige Leistungsfähigkeit abnimmt, ist normal. "So wie unsere Haut faltig wird und an Durchblutungsstörungen leidet, baut auch das Gehirn ab", sagt Norbert Kathmann vom Institut für Psychopathologie der Humboldt-Universität Berlin: "Der eine bekommt früh Falten, der andere spät - ähnlich ist das auch beim Gehirn." Ist die Beeinträchtigung durch den schwindenden Verstand allerdings so groß, dass der Betroffene seinen Alltag nicht mehr meistern kann, sprechen Mediziner von einer Demenz.

Wörtlich übersetzt bedeutet dieser lateinische Begriff "weg vom Geist". Bei Alzheimer schreitet dieser Prozess kontinuierlich voran, bei den Durchblutungsstörungen kann es dagegen auch zu Schüben kommen, bis hin zu großen Ausfällen von Hirnbereichen bei einem Schlaganfall. Häufig bilden auch Mischformen die Grundlage einer Demenz.

hda/AP/ddp



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