Globale Statistik: Eine Million tote Frühchen pro Jahr

Mehr als eine Million tote Babys pro Jahr durch Frühgeburten - das ist das erschreckende Ergebnis einer neuen Studie. Weltweit kommt demnach jeder zehnte Säugling vorzeitig auf die Welt. Industrienationen sind kaum besser dran als Entwicklungsländer.

Frühchen nach Sechslingsgeburt in den USA: Etwa jedes zehnte Kind weltweit kommt vorzeitig zur Welt Zur Großansicht
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Frühchen nach Sechslingsgeburt in den USA: Etwa jedes zehnte Kind weltweit kommt vorzeitig zur Welt

Rund 130 Millionen Kinder kommen jedes Jahr zur Welt - und jedes zehnte verlässt den Mutterleib vorzeitig, noch ehe die 37. Schwangerschaftswoche beendet ist. Mehr als eine Million dieser Frühchen sterben, ehe sie einen Monat alt sind - so das Ergebnis einer Studie der US-Organisation March of Dimes, die am Sonntag in Washington vorgestellt wurde.

Der Report basiert auf Statistiken der Weltgesundheitsorganisation und bricht die Zahlen auf einzelne Kontinente herunter. Mehr als 85 Prozent aller Frühgeburten entfallen demnach auf Entwicklungsländer. In Afrika kämen jedes Jahr vier Millionen Babys zu früh auf die Welt, was 11,9 Prozent aller Geburten auf dem Kontinent entspreche. In Asien sei die Frühchenquote mit 9,1 Prozent zwar niedriger, doch sei aufgrund der hohen Bevölkerungszahlen dort mit fast sieben Millionen Frühgeburten pro Jahr zu rechnen.

Allerdings sind auch Industriestaaten betroffen: In den USA und Kanada etwa liege der Frühgeburtenanteil mit 10,6 Prozent fast auf dem Niveau von Afrika. Im US-Gesundheitssystem verursache das jährliche Kosten von mehr als 26 Milliarden Dollar, heißt es in dem Bericht. In den vergangenen 25 Jahren sei die Frühgeburtenrate in den USA zudem um 36 Prozent gestiegen. Zurückzuführen sei das vor allem auf die immer größere Zahl von Frauen, die im Alter von über 35 Jahren schwanger werden, und auf den Anstieg künstlicher Befruchtungen, die nicht selten Mehrlingsgeburten nach sich ziehen.

"Frühgeburten sind ein globales Problem, das riesige emotionale, physische und finanzielle Folgen für Familien, Gesundheitssysteme und Volkswirtschaften hat", sagte Jennifer Howse, Präsidentin von March of Dimes. Selbst wenn ein Frühchen die kritischen Wochen nach der Geburt überlebe, trage es deutlich gesteigerte Risiken für chronische Krankheiten, Kinderlähmung, Blindheit oder Lernbehinderungen.

Dabei könnte ein großer Teil der Frühgeburten selbst in armen Ländern mit relativ einfachen Mitteln verhindert werden. Joy Lawn von der südafrikanischen Organisation "Save The Children" etwa nennt Malawi und Uganda als Beispiele. Hier würden Mütter ihre Babys traditionell auf dem Rücken festbinden, wenn sie zu Fuß unterwegs seien. Inzwischen werde den Frauen beigebracht, die Neugeborenen stattdessen an Brust oder Bauch unter den Kleidern zu tragen und sie so mit Körperwärme zu versorgen.

mbe/AP

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