Globale Studie Zahl der Brustkrebsfälle stark gestiegen

Die Zahl der Brustkrebsfälle steigt weltweit rasant: 2010 sind laut einer neuen Studie 1,6 Millionen Frauen erkrankt - mehr als doppelt so viele wie 1980. Der einzige Trost: Das Leiden führt inzwischen seltener zum Tod.

Mammografie: Zahl der Brustkrebsfälle ist stark gestiegen
DPA

Mammografie: Zahl der Brustkrebsfälle ist stark gestiegen


New York - US-Mediziner haben einen neuen großen Krebs-Datensatz vorgestellt - und ihre Bilanz fällt düster aus: Brustkrebs breitet sich weltweit schnell aus. Wie die Forscher vom Institute for Health Metrics and Evaluation der University of Washington in Seattle im Fachblatt "The Lancet" berichten, schnellte die Zahl der Ersterkrankungen von 640.000 im Jahr 1980 auf 1,6 Millionen im Jahr 2010 nach oben. Das bedeutet einen Anstieg von 260 Prozent. Der stärkste Anstieg sei bei Frauen zwischen 15 und 49 Jahren in Entwicklungsländern zu verzeichnen.

Allerdings enthält die Statistik auch eine gute Nachricht: Die Zahl der Todesfälle durch Brustkrebs stieg zwischen 1980 und 2010 von 250.000 auf 425.000 - also langsamer als die Zahl der Erkrankungen. Mit anderen Worten: Brustkrebs endet heute seltener tödlich als noch vor 30 Jahren. Auch sei weltweit gesehen die Erkrankungs- und die Sterberate durch Gebärmutterhalskrebs gesunken, auch wenn diese Krankheit 2010 zum Tod von 200.000 Frauen geführt habe.

Das Washingtoner Institut untersuchte den Trend von Brust- und Gebärmutterhalskrebs aus mehr als 300 Krebsregistern von 187 Ländern. Dabei zeigte sich auch, dass heute 51 Prozent der Brustkrebserkrankungen in Entwicklungsländern auftreten. 1980 lag dieser Anteil nur bei 35 Prozent.

In Industrieländern wie den USA erlag 1980 jede 32. Brustkrebs-Patientin ihrem Leiden, 30 Jahre später war die Quote auf eine von 47 Frauen gesunken. Im afrikanischen Ruanda fanden die Forscher den entgegengesetzten Trend: Dort tötet Brustkrebs heute jede 60. Patientin, 1980 war es nur jede 97. Betroffene.

Die Sterberate durch Gebärmutterhalskrebs sei in Industrieländern vor allem wegen der Vorsorgeuntersuchung stark gesunken. "Frauen in Ländern mit höherem Einkommen wie den USA und Großbritannien profitieren von der Krebsfrüherkennung, der medikamentösen Behandlung und von Impfstoffen", sagte Rafael Lozano, einer der Autoren der Studie.

Ob bei der Krebs-Früherkennung der Nutzen oder aber der mögliche Schaden überwiegt, ist in der Fachwelt umstritten. Ein prominentes Beispiel ist das Mammografie-Screening zur Früherkennung von Brustkrebs.Für die evidenzbasierte Medizin sind verlässliche Daten und Statistiken deshalb besonders wichtig.

cib/dpa/AFP



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
felisconcolor 15.09.2011
1. ah ja
doppelt soviele als 1980. Kann es sein das heute nur mehr Brustkrebsfälle auch als solche und weit früher erkannt werden?
Carla, 15.09.2011
2. ****
"In Industrieländern wie den USA erlag 1980 jede 32. Brustkrebs-Patientin ihrem Leiden". Gemeint ist ja doch wohl eher: "In den Industrieländern wie den USA erlag 1980 jede 32. Verstorbene dem Brustkrebs". Alles andere wäre im Kontext vollkommen unlogisch.
stabilo, 15.09.2011
3. relativ und absolut
[QUOTE Allerdings enthält die Statistik auch eine gute Nachricht: Die Zahl der Todesfälle durch Brustkrebs stieg zwischen 1980 und 2010 von 250.000 auf 425.000 - also langsamer als die Zahl der Erkrankungen. Mit anderen Worten: Brustkrebs endet heute seltener tödlich als noch vor 30 Jahren./QUOTE] Dass das relative Risiko an Brustkrebs zu versterben sinkt, ist erklärbar: Es werden immer mehr Tumoren entdeckt, die vermutlich nie zum Tod geführt hätten. Dass das absolute Risiko steigt, ist bedenklich.
maipiu 15.09.2011
4. Frage:
Bekamen Frauen in Entwicklungsländern früher weniger Brustkrebs, weil sie vorher schon an anderen Krankheiten gestroben sind?
keerborstel 15.09.2011
5. Ursache unbekannt
aber was ist die Ursache dafür? In dem Artikel steht nichts darüber, noch nicht einmal eine Vermutung. Wiso kann man nicht mal ein paar Millionen in die Ursachen-Forschung stecken , ich meine das ist doch sinnvoller etwas zu vermeiden als nachher eine teure Therapie die mit großer seelischer Belastung einhergeht , durchzuführen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist? Wahrscheinlich verdienen die Pharma-Konzerne mehr mit der Therapie.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.