Neues Viertel in Toronto Willkommen in Google-Stadt

Google will im kanadischen Toronto ein hochmodernes Stadtviertel errichten. Außerdem in den Wissenschaftsnachrichten aus den USA: Lufttaxis und eine 100-Millionen-Dollar-Investition.

Toronto bei Nacht
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Toronto bei Nacht

Aus Boston berichtet


  • DER SPIEGEL/ Rick Friedman
    Johann Grolle berichtet als Korrespondent für den SPIEGEL aus Boston. "Das ist die Welthauptstadt der Wissenschaft", sagt der langjährige Leiter des SPIEGEL-Ressorts Wissenschaft/Technik. An dieser Stelle schreibt er, was Forscher am MIT, der Harvard University und anderswo in den USA bewegt.

+ + + Rechts- oder Linksmünder? + + +

Zuverlässig unterhaltsam sind die Vorträge von Axel Meyer, einem Evolutionsbiologen, den ich aus Konstanz kenne. An der Harvard-Universität bin ich ihm nun wieder begegnet. Er verbringt hier ein Sabbatical, aus dem ein Buch hervorgehen soll. Thema ist, wie stets bei Meyer, die wundersame Welt der Buntbarsche.

Diese oftmals prachtvollen Süßwasserfische bilden die artenreichste Wirbeltierfamilie. Jede zehnte aller Fischarten auf der Erde gehört ihr an. Meyer erzählte von den doppelten Kiefern dieser Tiere, aus denen sie Mundwerkzeuge von fantastischer Vielfalt bilden: sie können damit Algen von Steinen abraspeln, in Felsspalten nach Beute stochern, oder sie saugen ihre Opfer mithilfe mächtiger Lippenwulste (die Forscher sprechen von "Angelina-Jolie-Fischen") aus ihren Verstecken.

Meyers jüngstes Studienobjekt sind Schuppenfresser, die anderen Fischen die Flanken abgrasen. Der Konstanzer Forscher und sein Team haben untersucht, wie es kommt, dass einige Mitglieder ein nach links verschobenes Maul haben, mit dem sie bevorzugt die rechte Seite ihrer Opfer attackieren, während es bei anderen genau anders herum ist. Meyer ist überzeugt, hier ein Modell vor sich zu haben, mit dem sich auch die Links- oder Rechtshändigkeit von Menschen besser verstehen lässt.

+ + + Mensch gegen künstliche Intelligenz + + +

Die "EmTech" ist eine Art alljährliche Leistungsschau, auf der das MIT Fortschritte im Technologiesektor präsentiert. Diesmal war künstliche Intelligenz (KI) einer der Schwerpunkte, Andrew Ng nutzte die Gelegenheit, seine jüngste Vision zu verkünden.

Ng ist ein Guru der KI-Gemeinde. Deshalb war das Interesse groß, als er nun vor den Folgen der Digitalisierung für den Arbeitsmarkt warnte. Selbst auf dem heutigen Stand, ohne jeden weiteren Fortschritt, berge die künstliche Intelligenz das Potenzial, große Teile der Industrie umzukrempeln.

Ng fordert deshalb einen neuen "New Deal". So hieß das massive staatliche Investitionsprogramm, mit dem Franklin Roosevelt der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre begegnete. Diesmal, meint Ng, stehe eine ähnliche Krise bevor, die wir nur mit einer radikal neuen Um- und Fortbildungskultur bewältigen könnten.

+ + + Google will neues Stadtviertel errichten + + +

Auch sonst regt sich derzeit allerorten in der Hightechbranche der Mut zu kühnen Zukunftsentwürfen. Googles Konzernmutter Alphabet tat gerade den Plan kund, in der kanadischen Stadt Toronto ein neues Stadtviertel entstehen zu lassen. Die Park-, Büro- und Wohnlandschaft an der Waterfront des Ontario-Sees soll nicht nur energiesparsam und nachhaltig wirtschaften, sondern auch mit ultramoderner Digitaltechnik vernetzt sein.

Google begnügt sich nicht damit, die Infrastruktur bereitzuhalten, der Konzern will das gesamte Viertel verwalten und betreiben. Ob die Einwohner einer solchen Stadt wohl einverstanden damit sind, dass Big Brother sich so beflissen um ihr Wohlergehen sorgt?

Jedenfalls zeichnet sich jetzt schon ab, dass die Bürger in Torontos Google City wie geschaffen sind als Testklientel für Andrew Ngs "neuen New Deal": Roboter werden dort allgegenwärtig sein, Verwaltung wird von der IT übernommen. Interessant wird es sein zu sehen, ob in einer solchen Idealstadt noch Platz für menschliche Arbeit bleibt.

+ + + Uber plant Lufttaxis + + +

Auch Uber arbeitet daran, die Zukunft zu gestalten. Der große amerikanische Taxi-von-Jedermann-Konzern startet eine Kollaboration mit der Nasa. Ziel ist es, das Taxigeschäft in die Luft zu verlagern. Mit Dallas und Dubai sind schon Verträge geschlossen. Jetzt ist Los Angeles hinzugekommen. 2020 soll der Testbetrieb von Heli-Taxis dort beginnen. Der Regelbetrieb soll etabliert sein, ehe die Athleten zu Olympia 2028 eintreffen.

Wie alles ablaufen soll, kann man in einem Uber-Werbevideo sehen. Jedermann soll per Handy-App sein Luft-Taxis aufs nächste Hochhaus bestellen dürfen. Ein Display hält den Gast dann auf dem Laufenden, wann er sein Ziel erreichen wird. Und bei 300 Kilometern pro Stunde dauert das gewiss nicht lange, zumal es keine Staus am Himmel gibt.

Ungeklärt sind nur noch ein paar Kleinigkeiten: Wie fügen sich Hunderte neuer Flugobjekte in einen ohnehin schon überlasteten Flugraum? Was ist mit dem ohrenbetäubende Lärm der Rotoren? Will und kann man taugliche Sicherheitskontrollen beim Check-in durchführen? Und: Wie genau kommen die Gäste dann eigentlich vom Hochhausdach an ihren Bestimmungsort?

+ + + Bill Gates investiert 100 Millionen Dollar für die Alzheimerforschung + + +

Bill Gates hat ebenfalls ein neues Zukunftsprojekt: Nachdem er sein Geld bisher vorwiegend in die Bekämpfung der großen Infektionskrankheiten gesteckt hat, wendet er sich nun erstmals einem nicht ansteckenden Leiden zu: Er will Start-ups auf dem Gebiet der Alzheimerforschung mit 100 Millionen Dollar unter die Arme greifen. Ein Grund scheint diesmal zu sein, dass Gates auch sich selbst nicht für gefeit hält: In seiner Familie traf gleich mehrere Männer die Diagnose: "Alzheimer-Demenz".

Gates weiß, dass er sich da eine besonders schwierige Herausforderung ausgesucht hat. Seit Jahrzehnten kommt die Entwicklung von Alzheimermitteln nicht voran. 400 klinische Tests unterschiedlichster Wirkstoffe hat es gegeben. Eine wirksame Therapie gegen die rasant zunehmende Form der Altersdemenz ist immer noch nicht gefunden. Gates' Optimismus ist trotzdem unerschüttert: "Ich glaube, dass es eine Lösung gibt", sagt er.

insgesamt 2 Beiträge
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marlau 20.11.2017
1. Ok Google
Hab den Assistenten eine Woche getestet Insgesamt hat es mich nicht überzeugt. Persönliche Daten...ok...aber das ich mir ständig Werbung anhören musste (youtube) und den Namen Ok Google nicht ändern konnte war dann doch zu viel. Krass war, wie schnell meine Tochter (2) google als person aktzeptiert hatte...ok google muss jetzt schlafen
zila 21.11.2017
2. Nervtötend
Alexa oder Cortana geht in der Tat leichter von der Zunge als dies dämliche "ok alphabet, äh google"... ich nutz es nur manuell bis sich das ändern lässt. Der Assistent ist eigentlich ganz brauchbar, nur im Auto kriegt er die Bluetoothverzögerung übers Radio überhaupt nicht auf die Reihe und merkt nicht, wenn er mit sich selbst redet.
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