Großbritannien Todesfall nach HPV-Impfung verunsichert Patientinnen

In Großbritannien ist ein Mädchen nach einer Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs gestorben. Noch ist unklar, ob ihr Tod tatsächlich mit der Spritze in Zusammenhang steht. Aber der Fall könnte die Debatte über Nebenwirkungen und den generellen Nutzen der HPV-Impfung neu entfachen.

Von

HPV-Impfung (Archivbild): "Zu diesem Zeitpunkt ist die genaue Todesursache unklar"
AP

HPV-Impfung (Archivbild): "Zu diesem Zeitpunkt ist die genaue Todesursache unklar"


Leider ist eine Impfung nicht völlig ohne Nebenwirkungen zu haben. In der Regel sind diese jedoch so selten und vergleichsweise harmlos, dass Mediziner den Nutzen des Vakzins für wesentlich größer halten als mögliche Risiken.

Ein Todesfall aus Großbritannien könnte nun die alte Diskussion über Impfschäden neu entfachen. Ein 14-jähriges Mädchen aus Coventry erkrankte schwer, nachdem ihr ein Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs injiziert worden war. Das Mädchen sei später in einer Klinik verstorben, teilte der National Health Service (NHS) mit. Eine Verbindung zwischen dem Impfstoff und dem Tod sei noch nicht gesichert. Der Leichnam werde nun obduziert.

In Deutschland wird die Immunisierung seit März 2007 für alle Mädchen von zwölf bis 17 Jahren empfohlen. Die Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV) soll Leben retten, denn die Viren können Gebärmutterhalskrebs auslösen. Weil die Impfung jedoch nicht gegen alle Virentypen wirkt, tobt unter Medizinern ein heftiger Streit über den tatsächlichen Nutzen.

Die 14-Jährige aus Coventry nahm an einem Vorsorgeprogramm teil, das derzeit an britischen Schulen läuft. Mädchen werden dabei mit dem Medikament Cervarix des Herstellers GlaxoSmithKline geimpft. "Der Vorfall ereignete sich, kurz nachdem das Mädchen ihre Impfung an der Schule erhalten hat", erklärte Caron Grainger, NHS-Direktor von Coventry. Der Fall werde schnell und umfassend geprüft. Seinen Angaben zufolge klagten mehrere Mädchen nach der Gabe von Cervarix über Schwindel und Übelkeit. Sie seien aber nicht ins Krankenhaus eingewiesen worden.

"Genaue Todesursache unklar"

GlaxoSmithKline teilte mit, der Konzern arbeite mit den Behörden zusammen. "Zu diesem Zeitpunkt ist die genaue Todesursache unklar", hieß es in einer Stellungnahme des medizinischen Direktors Pim Kon. Als Vorsichtsmaßnahme sei die Impfstoff-Serie, aus der die Dosis für das Mädchen stammte, sichergestellt worden.

Der Todesfall ist laut britischen Medienberichten der erste auf der Insel, der mit einer HPV-Impfung in Zusammenhang stehen könnte. Neben Cervarix existiert noch der Impfstoff Gardasil, der unter anderem auch in Deutschland eingesetzt wird.

Beide Vakzine haben nach Einschätzung des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) nur sehr selten Nebenwirkungen. Bislang seien weltweit mehr als 40 Millionen Dosen Gardasil verabreicht worden, berichtete das RKI in seinem Fachblatt "Epidemiologisches Bulletin" (August-Ausgabe). "Ein erhöhtes Auftreten von schweren Impfkomplikationen oder bleibenden Impfschäden konnte seither nicht dokumentiert werden." Die beobachteten Häufigkeiten von Erkrankungen, die durch eine Impfung ausgelöst sein könnten, lägen im Bereich der Häufigkeiten des spontanen Auftretens.

Vergleichbare Sicherheit wie Tetanus-Impfung

Auch Cervarix, das der nun verstorbenen Britin gespritzt worden war, ist laut RKI-Einschätzung ähnlich sicher. Seit der Zulassung in Europa seien ungefähr 7,5 Millionen Dosen verabreicht worden. "Hinweise zu schweren unerwünschten Wirkungen im kausalen Zusammenhang mit einer Impfung wurden ebenfalls bislang nicht dokumentiert." Nach derzeitiger Datenlage böten die beiden Impfstoffe gegen HPV eine vergleichbare Sicherheit wie andere seit langem verwendete Impfstoffe, wie etwa gegen Tetanus, Diphtherie oder Hepatitis B.

Im August hatten amerikanische Forscher die Nebenwirkungen von Gardasil in den USA untersucht. In etwa sechs Prozent der gemeldeten Verdachtsfälle waren schwerere Nebenwirkungen wie Ohnmachtsanfälle, Blutgerinnsel, starke allergische Reaktionen oder Autoimmunstörungen aufgetreten. Es hatte auch 32 Todesfälle gegeben. Alles in allem sei die Rate der Nebenwirkungen denen anderer Impfstoffe vergleichbar, erklärten die Forscher.

Übrigens sind auch in Deutschland und Österreich zwei Todesfälle nach einer HPV-Impfung dokumentiert. Das Paul-Ehrlich-Institut hat sich diese genauer angesehen und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass in beiden Fällen keine Kausalität zur Impfung mit Gardasil nachgewiesen werden kann.

mit Material von Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.