Vogelgrippe H7N9-Virus auf dem Luftweg übertragbar

Nach einer Infektionswelle mit dem Virus H7N9 melden Behörden in China keine neuen Ansteckungen mehr. Für eine Entwarnung ist es aber noch zu früh: Eine Studie zeigt, dass sich das Virus direkt unter Säugetieren verbreiten kann, sogar durch die Luft. Das zeigten Versuche mit Frettchen - den perfekten Modelltieren.

Neue Vorgelgrippe aus der Nähe: Das H7N9-Virus unter dem Elektronenmikroskop
CDC

Neue Vorgelgrippe aus der Nähe: Das H7N9-Virus unter dem Elektronenmikroskop


Peking - Seit ein paar Wochen werden keine neuen Vogelgrippe-Erkrankungen mehr gemeldet: Entdeckt wurde das H7N9 Virus im März in China, Ende April zählte die Weltgesundheitsorganisation WHO mehr als 100 Infektionen und 22 Todesfälle. Dann beruhigte sich die Lage, wohl auch wegen der Schließung von Märkten, auf denen lebendes Geflügel verkauft wurde.

Eine aktuelle Studie gibt nun Anlass zur Befürchtung, dass sich der Erreger dennoch weiter ausgebreitet haben könnte. Ein internationales Forscherteam aus China, Kanada und den USA berichtet von Versuchen mit Frettchen und Schweinen, die mit H7N9 infiziert wurden.

Während die Schweine das Virus nicht weitergaben, steckten sich die Frettchen auch gegenseitig an - vor allem, wenn sie direkten Kontakt miteinander hatten. In einzelnen Fällen konnte H7N9 sich auch über die Luft verbreiten. "Unter bestimmten Bedingungen könnte eine Übertragung von Mensch zu Mensch also möglich sein", schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Science".

Dabei verlief die Infektion bei den Frettchen relativ milde. In den meisten Fällen ähnelte sie eher einer Erkältung denn einer Grippe. Für die Wissenschaftler ein beunruhigendes Ergebnis: Die neue Vogelgrippe könnte also auch unter Menschen weiter verbreitet sein als die Zahl der registrierten Fälle nahelegt, folgern sie.

Frettchen sind für Versuche mit Influenza-Viren die perfekten Versuchstiere. "Sie sind relativ einfach zu handhaben und zeigen bei einer Infektion ähnliche Symptome wie der Mensch", sagt Hans-Dieter Klenk, Virologe an der Philipps-Universität Marburg. Dazu gehören neben einer erhöhten Körpertemperatur auch Husten, Niesen und eine laufende Nase.

Ob diese Ähnlichkeit aber ausreicht, um die Ergebnisse gänzlich auf den Menschen zu übertragen, ist umstritten. Virologe Klenk sieht in der Studie keinen Anlass zu weiteren Maßnahmen: "Das Infektionsgeschehen sollte man nach wie vor im Auge behalten. Aber es gibt nun keinen Grund, eine höhere Alarmstufe einzuläuten."

Der H7N9-Erreger hatte sich in genetischen Untersuchungen als besonders aggressiv herausgestellt. Im Vergleich mit anderen Vogelgrippeviren befalle er Säugetiere ungewöhnlich stark, schreibt das Robert Koch-Institut in Berlin. Dazu gehöre auch der Mensch. Weitere sporadische Fälle seien grundsätzlich zu erwarten. Insgesamt 131 Infektionen sind aktuell registriert, bei 36 Menschen verlief sie tödlich.

Ungeklärt bleibt, woher der H7N9-Erreger genau stammt. "Hier vermutet man Geflügel. Aber noch ist unklar, wie weit es unter den Tieren verbreitet ist", sagt Hans-Dieter Klenk. Denn anderes als Frettchen lassen sich Hühner kaum etwas anmerken, wenn sie vom Virus erwischt werden.

che



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Holzhausbau 25.05.2013
1. H7n9
Zitat von sysopCDCNach einer Infektionswelle mit dem Virus H7N9 melden Behörden in China keine neuen Ansteckungen mehr. Für eine Entwarnung ist es aber noch zu früh: Eine Studie zeigt, dass sich das Virus direkt unter Säugetieren verbreiten kann, sogar durch die Luft. Das zeigten Versuchen mit Frettchen - den perfekten Modelltieren. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/h7n9-erreger-mehr-menschen-als-bekannt-koennten-infiziert-sein-a-901632.html
Wer hat's erfunden? Herr Rumsfeld natürlich. Er verkauft auch gleich den Impfstoff "Tamiflu". Ist das nicht wirklich nett?
kuba2000 26.05.2013
2. Und alle Jahre wieder dieselbe Lüge
Ich hätte, wenn ich schon Angst haben müsste, mehr Bedenken gegen freigesetzte Pharmaviren. Angst habe ich allenfalls davor, im Knast zu landen, weil ich demjenigen Arzt, der mich gegen meinen Willen impfen sollte, meinerseits eine Impfung mittels Fleischermesser verpassen würde!
meaculpa 26.05.2013
3. @Holzhausbau
Tamiflu ist kein Impfstoff, sondern soll virustatisch wirken, also die Virusvermehrung chemisch hemmen, nicht durch Bildung spezifischer Antikörper,wie dies nach einer Impfung der Fall wäre.
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