Virus H7N9 Forscher halten Vogelgrippe-Gefahr für überschätzt

Weil sich das H7N9-Virus an menschliche Rezeptoren angepasst hatte, fürchteten Forscher eine starke Verbreitung des gefährlichen Erregers. Neue Studien haben ergeben, dass die Bindung sehr schwach ist - was auf einen milderen Verlauf der Erkrankung hoffen lässt.

Geflügelzucht in China: Wie verläuft die H7N9-Pandemie?
DPA

Geflügelzucht in China: Wie verläuft die H7N9-Pandemie?


La Jolla - Die derzeitige Gefahr durch das Vogelgrippe-Virus H7N9 wird offenbar stark überschätzt. Der Erreger, der schon rund 40 Menschen das Leben kostete, sei bisher kaum an den Menschen angepasst, berichten US-Forscher in der Fachzeitschrift "Science". Damit widersprechen sie der auf früheren Studien basierenden Sorge, das Virus könne sich im Winter zu einer Pandemie ausweiten.

"Weil Studien ergeben hatten, dass sich H7N9 an menschliche Rezeptoren angepasst hat, dachten wir, wir sollten dazu klar Stellung nehmen", wird der Molekularbiologe James Paulson vom The Scripps Research Institute (TSRI) in La Jolla (US-Staat Kalifornien) in einer Mitteilung der Einrichtung zitiert.

Der Erreger war erstmals im Februar im Osten von China registriert worden. Von den bis Mai bestätigten 132 H7N9-Patienten starben 37 - eine Todesrate von fast 30 Prozent. Während das Virus bei Vögeln allenfalls milde Symptome hervorruft, kann es bei Menschen Atemnot und schwere Lungenentzündungen auslösen. Die Erkrankungswelle ebbte im Mai weitgehend ab, seitdem wurden nur wenige Infektionen registriert, etwa Anfang Dezember in Hongkong. Trotzdem warnten Forscher, die Fälle könnten sich im Winter häufen. Studien - etwa an Frettchen oder Affen - hatten darauf hingedeutet, dass sich H7N9 unter Säugetieren verbreiten kann und auch über menschliche Fäkalien.

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Virus H7N9: Der Kampf gegen H7N9

"Wir sollten H7N9 weiter beobachten"

Dem widersprechen die US-Forscher um Paulson und Ian Wilson, der ebenfalls am Scripps Institute forscht. Sie prüften am Erregertyp SH2 die Fähigkeit, an menschliche Zellen zu binden. Die Untersuchung per Kristallstrukturanalyse zeigte, dass das Membranprotein Hämagglutinin (HA), mit dem sich das Virus an menschliche Rezeptoren anheftet, nur schwach andockt, im Gegensatz zu manchen Rezeptoren von Vögeln.

Entwarnung geben die Forscher aber nicht. "Diese Resultate deuten darauf hin, dass wir H7N9 weiter beobachten und auf Veränderungen achten sollten, die eine Ausbreitung unter Menschen wahrscheinlicher machen", sagt Wilson.

nik/dpa



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