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Hepatitis C: Affenvirus soll endlich Impfstoff bringen

Hepatitis C gilt als stille Seuche, auch in Deutschland leben Hunderttausende Infizierte. Nun präsentieren Mediziner erste Erfolge bei der Suche nach einem dringend benötigten Impfstoff. Die besondere Zutat der neuartigen Impfung: ein von Schimpansen stammendes Virus.

Impfung (Archivbild): Bis heute existiert kein Impfstoff gegen Hepatitis C Zur Großansicht
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Impfung (Archivbild): Bis heute existiert kein Impfstoff gegen Hepatitis C

Washington - Hepatitis C ist eine der verbreitetesten Infektionskrankheiten und überaus tückisch: In den Lebern von mindestens einer halben Million Deutschen hat sich das Virus bereits festgesetzt, weltweit hat der Erreger dreimal mehr Menschen befallen als das Aids-Virus HIV. Das meist mit dem Blut - etwa über Drogenbesteck oder durch verunreinigte Instrumente für Tattoos oder Piercings - übertragene Virus (HCV) führt in vielen Fällen zu dauerhaften Infektionen, verursacht Leberschäden, in den schlimmsten Fällen entsteht Krebs.

Angesichts der Tragweite überrascht es, dass viele Fragen ungeklärt sind: Warum befällt das Virus ausgerechnet die Leber? Warum können die Immunsysteme mancher Menschen den Erreger vertreiben, andere aber nicht? Lange halfen die Mittel der Medizin nur einer Minderheit der Infizierten, nun aber sei dank neuer Therapien eine neue Ära in der Bekämpfung der Leberinfektion angebrochen, wie sich selbst vorsichtige Mediziner ausdrücken.

Einen Impfstoff zu entwickeln, der eine Hepatitis C-Erkrankung von vornherein ausschließt, ist jedoch bislang nicht gelungen. Wissenschafter um Stefano Colloca von der Universität Pavia (Italien) haben nun ein Serum auf Basis gentechnisch veränderter Viren aus Schimpansen entwickelt, um das menschliche Immunsystem gegen die Auslöser von Hepatitis C zu mobilisieren.

Meist werden für Impfstoffe menschliche Adenoviren als sogenannten Genfähren genutzt, um die gewünschte Gegenreaktion des Körpers auszulösen. Neue Untersuchungen zeigen, dass viele der menschlichen Viren keine ausreichende Reaktion mehr auslösen. Also manipulierten Colloca und Kollegen verschiedene Adenoviren von Schimpansen. In ersten Tests mit Mäusen zeigte der entstandene Impfstoff eine bessere Wirkung als die meisten bisher bekannten menschlichen Varianten.

In einer weiteren klinischen Studie injizierten Wissenschaftler um Eleanor Barnes von der University of Birmingham (UK) den Impfstoff einer kleinen Gruppe gesunder Testpersonen, wie sie im Journal "Science Translational Medicine"berichten. Das Affenserum stellte sich als gut verträglich heraus, außerdem wurden im Körper der Studienteilnehmer sogenannte T-Helferzellen aktiviert. Diese spielen eine wichtige Rolle im menschlichen Immunsystem, sie entdecken Krankheitserreger und helfen, diese unschädlich zu machen. Weitere Studien sollen die Ergebnisse von Barnes optimieren.

Die Entwicklung eines Impfstoffs bleibt oberstes Ziel

Hepatitis C gilt als stille Seuche. Wie bei vielen Infektionskrankheiten nistet sich das Hepatitis-C-Virus ein, ohne zunächst großen Schaden anzurichten. Manchmal klagt der Betroffene über Müdigkeit, manchmal über Konzentrationsschwierigkeiten. Ansonsten ist bei drei Vierteln der frisch Infizierten alles wie sonst.

Meistens wird das Virus erst viel später entdeckt, bei Routineuntersuchungen der Leber etwa. Jahre können ohne jegliche Beschwerden vergehen. Je länger aber die Zeit zwischen Ansteckung und Diagnose ist, desto stärker kann sich das Virus in den Leberzellen vermehren und das Gewebe schädigen. Im fortgeschrittenen Stadium führt Hepatitis C bei etwa einem Viertel der Erkrankten zu einer Leberzirrhose - der häufigsten Ursache für eine Lebertransplantation.

Bis vor kurzem setzten Wissenschaftler zur Bekämpfung des HVC auf ein Wirkstoff-Duo: Interferon wurde einmal in der Woche unter die Haut gespritzt, dazu mussten die Patienten den Polymerasehemmer Ribaverin einnehmen, der die Vermehrung der Viren im Körper unterbindet. Die Behandlung hatte unangenehme Nebenwirkungen wie Fieber und Schüttelfrost - und dauerte bis zu 72 Wochen.

Wirksam ist diese Therapie allerdings nur bei der häufigsten Variante des Virus und nur in zwei von fünf Fällen. Seit vergangenem Jahr sind nun mit Boceprevir und Teleprevir zwei Medikamente auf dem Markt, die den anderen chronisch Erkrankten helfen können.

Die neuen Pillen erhalten bestimmte sogenannte Proteasehemmer, die gezielt entscheidende Enzyme des Virus blockieren. In mehreren großen Studien, die in den Fachmagazinen "Lancet" und "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurden, zeigte sich eine beinahe ums Doppelte gestiegene Heilungsrate: Bei fast 75 Prozent aller zuvor unbehandelten Personen verschwand die Infektion, im Fall langjährig chronisch Kranker immerhin bei zwei Dritteln.

"Endlich ein Fortschritt für die Patienten", sagt hierzu Winfried Kern, Infektiologe an der Uni-Klinik Freiburg. Doch bei diesen Erfolgen dürfe es nicht bleiben, wichtigstes Ziel sei nach wie vor eine wirksame Impfung gegen Hepatitis C - so wie es sie für Hepatitis A und B längst gibt.

nik

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Impfgegner
geliebtesterbrudernr.1 05.01.2012
Zitat von sysopHepatitis C gilt als stille Seuche, auch in Deutschland leben Hunderttausende Infizierte. Nun präsentieren Mediziner erste Erfolge bei der Suche nach einem dringend benötigten*Impfstoff. Die besondere Zutat der neuartigen Impfung: ein von Schimpansen stammendes Virus. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,807143,00.html
Impfjegner, ick hör dir trapsen!
2. Titel
testthewest 05.01.2012
Zitat von sysopHepatitis C gilt als stille Seuche, auch in Deutschland leben Hunderttausende Infizierte. Nun präsentieren Mediziner erste Erfolge bei der Suche nach einem dringend benötigten*Impfstoff. Die besondere Zutat der neuartigen Impfung: ein von Schimpansen stammendes Virus. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,807143,00.html
"Wirksam ist diese Therapie allerdings nur der bei häufigsten Variante des Virus und nur in zwei von fünf Fällen." Soweit ich weiss, ist dies nicht korrekt. Es ist vielmehr so, dass bei der häufigstens Variante die schlechteste Ansprechrate besteht (Genotyp 1), und bei den anderen Genotypen (2+3) besser, bzw es nicht bekannt ist (4-6). Dennoch bleibt unbestritten, dass die HCV Therapie gerade einen riesen Schritt nach vorne macht.
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