Tückisches Virus Forscher arbeiten an Impfschutz gegen Hepatitis C

Hepatitis-C-Viren sind gefährlich, Betroffene haben ein Leben lang mit den Folgen der Infektion zu kämpfen. Eine Therapie ist zwar inzwischen möglich - aber teuer. Nun wecken Tests mit einem neuen Impfstoff Hoffnungen auf einen Infektionsschutz.

Hepatitis-C-Viren (Computerillustration): Impfstoff soll mit Genfähren-Trick Infektion verhindern
DPA

Hepatitis-C-Viren (Computerillustration): Impfstoff soll mit Genfähren-Trick Infektion verhindern


Es gibt fünf Hepatitis-Virustypen, alle stürzen sich auf Leberzellen. Das Immunsystem kann die Viren nur bekämpfen, indem es infizierte Zellen zerstört. Die Auswirkungen sind unterschiedlich, Hepatitis-C-Patienten haben oft ihr Leben lang mit den Folgen wie einer Leberzirrhose zu kämfen. Hepatitis C gilt als weltweite Seuche, auch in Deutschland leben laut Robert Koch-Institut (RKI) etwa 500.000 infizierte Menschen. Übertragen wird sie meist durch Blut - etwa über Drogenbestecke oder durch verunreinigte Instrumente für Tattoos oder Piercings.

Während es gegen Hepatitis A und B bereits wirksame Impfungen gibt, konnten Forscher noch kein wirksames Vakzin gegen das C-Virus entwickeln. Es ist zu flexibel, als dass es mit normalen Strategien ausgeschaltet werden kann.

Ein Team um Eleanor Barnes vom Nuffield Departement of Medicine der University of Oxford hat nun einen ersten Schritt hin zu einem Impfstoff gegen Hepatitis C (HCV) gemacht: Das Mittel habe sich in Tests an Menschen als sicher erwiesen, berichtet Barnes im Fachmagazin "Science Translational Medicine".

Trick verstärkt Immunantwort

Meist werden für Impfstoffe menschliche Adenoviren als Genfähren genutzt, um die gewünschte Gegenreaktion des Körpers auszulösen. Neue Untersuchungen zeigen, dass viele der menschlichen Viren keine ausreichende Reaktion mehr auslösen. Also manipulierten Barnes und ihre Kollegen einen sicheren, abgeschwächten Kuhpockenvirus, in den Gene für bestimmte Proteine des Hepatitis-C-Virus eingebaut wurden. In dem ersten Test zeigte der entstandene Impfstoff eine bessere Wirkung als die meisten bisher bekannten menschlichen Varianten. Getestet wurde das Mittel an einer kleinen Gruppe. 15 gesunden Freiwilligen wurde das Mittel gespritzt.

Michael Manns, Leiter der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie in Hannover, hält die Strategie der Kollegen aus Oxford für erfolgversprechend. Fraglich sei dennoch, ob ein Impfstoff überhaupt noch benötigt werde, da sich eine Hepatitis-C-Infektion immer besser auch medikamentös behandeln lasse. Zudem erkrankten immer weniger Menschen, sagt Manns.

Die Studienautoren betonen hingegen, dass eine Impfung gegen Hepatitis C kostengünstig wäre und sich damit vor allem in Entwicklungsländern die Infektionsraten senken ließen.

Tatsächlich waren die Behandlungsmöglichkeiten für Infizierte lange Zeit schlecht, bis 2012 und in diesem Jahr neue, wirksame Medikamente auf den Markt kamen. Sie sind allerdings sehr teuer, so kostet eine Pille des Wirkstoffs Sovaldi 700 Euro. Dennoch hat der Gemeinsame Bundesausschuss dem Mittel nach langen Verhandlungen einen deutlichen Zusatznutzen bescheinigt.

An den Tests für den neuen Impfstoff des Teams aus Oxford war die Firma Okairos aus der Schweiz beteiligt, die auch den Ebola-Impfstoff mitentwickelt hat. Der Impfstoff gegen Hepatitis C wird derzeit in Baltimore und Kalifornien in den USA auf seine Wirksamkeit untersucht, Resultate sollen bis 2016 vorliegen.

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GrinderFX 07.11.2014
1.
Klingt doch Traumhaft. Vor kurzem scheint es auch noch einen Durchbruch gegen Aids gegeben zu haben. Dann braucht man nur noch eine Vasektomie und schon kann nichts mehr schief gehen. Die Zeit der freien Liebe scheint zurück :-)
marliesvonclodra 07.11.2014
2. Nichts ist traumhaft
Schön, daß GrinderFX so viel Freude am Leben hat. Alle an chronischer Hepatitis C erkrankte Frauen, die ich persönlich kenne, können diese Freude nicht teilen. Im Artikel wird als Übertragungsmöglichkeit "Blut - etwa über Drogenbestecke oder durch verunreinigte Instrumente für Tattoos oder Piercings" genannt. Vergessen wurde die größte Übertragungsquelle, nämlich alles was mit Medizin im weitesten Sinne zu tun hat und in Krankenhäusern und Arztpraxen täglich stattfindet. Der größte bekannte DDR-Arzneimittelskandal ereignete sich 1978/79. Damals wurden tausende rhesusfaktornegative Frauen nach der Entbindung durch HCV-kontaminiertes Human-Immunglobulin-Anti-D vom damaligen Blutspendeinstitut Halle infiziert. Es ging um die Planerfüllung zur Serumherstellung um jeden Preis, auch mit kriminellen Mitteln. Wissentlich(!) wurden diese Frauen mit kontaminierten Impfstoff krank gemacht. Hunderte dieser Mütter leiden seitdem an chronischer Hepetitis C. Ich bin eine von diesen Frauen und weiß wovon ich spreche. Unsere Kinder sind inzwischen 36 Jahre alt, unsere Gesundheit über die Jahrzehnte ruiniert. Wir haben alle eine Vielzahl von Folgeerkrankungen, sind nicht mehr im Berufleben und führen aufgrund unserer Schwerbeschädigung ein Leben am Rande der Gesellschaft. Das AntiDHG, was unseren Anspruch regelt, deckt unsere Bedürftigkeit nicht ab und ist aktuell in Gefahr. Ein kläglicher Haufen von 40 Frauen, die gestern am 7. November noch die Kraft hatten nach Berlin zu reisen und lautstark vor dem Bundesgesundheitsministerium für eine angemessene Opferentschädigung zu demonstrieren, hofft dringend auf Unterstützung.
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