Hepatitis-C-Medikament Sovaldi Hersteller senkt Pillenpreis

Monatelang haben Krankenkassen mit dem Pharmakonzern Gilead über den Preis der Hepatitis-C-Pille Sovaldi gerungen. Die kann Patienten heilen, ist aber extrem teuer. Nun hat man sich geeinigt, eine Pille wird rund 200 Euro günstiger.

Von

Hepatitis-C-Medikament: Die 24-Wochen-Therapie wird nun billiger
AP

Hepatitis-C-Medikament: Die 24-Wochen-Therapie wird nun billiger


Hamburg - Das Mittel ist Fluch und Segen zugleich: Mit dem Hepatitis-C-Medikament Sovaldi können erstmals viele Hepatitis-C-Patienten wieder vollkommen gesund werden. Doch eine Behandlung ist teuer, "wertvoller als Gold", urteilte etwa die AOK. Bislang verlangte Hersteller Gilead pro Pille 700 Euro, über 24 Wochen kamen 100.000 Euro zusammen. Weil Sovaldi mit weiteren Medikamenten kombiniert werden muss, kann eine 24-Wochen-Therapie schnell bis zu 200.000 Euro kosten. Das könne sich Deutschland nicht leisten - zumal Experten die Wirkung der Pille noch nicht abschließend bewertet hatten.

Ende 2014 hatten die Krankenkassen im Rahmen der gesetzlichen Kosten-Nutzen-Bewertung Preisverhandlungen mit Gilead begonnen. Mitte Januar war die erste Runde gescheitert. Ein Schiedsverfahren wurde eingeleitet. Bis zum 17. April hatten beiden Seiten nun Zeit, die Preisfrage zu klären. Überraschend meldet nun der Spitzenverband der Krankenkassen, dass man sich geeinigt habe.

Preispoker bis zum Schluss

Der Deal wurde seitens der Krankenkassen zunächst nur äußerst knapp kommentiert, man habe sich geeinigt, den Preis könne man nicht nennen. "Es ist eine Preisstaffel vereinbart worden, sodass es in den nachfolgenden zwei Jahren sogar noch einmal günstiger wird", berichtete Spitzenverbandssprecher Florian Lanz.

Wenig später war es dann Hersteller Gilead, der den Preis doch bekannt gab: Demnach habe man sich mit den Kassen auf einen Erstattungsbetrag pro Packung von rund 14.500 Euro geeinigt, zuvor lag dieser bei knapp 20.000 Euro. Das bedeutet: Künftig müssen die Krankenkassen für eine Tablette Sovaldi noch 488 Euro bezahlen, bislang hatte der Preis pro Tablette bei 700 Euro gelegen. Die Vereinbarung gilt für drei Jahre.

Der Preis für eine zwölfwöchige Therapie betrage nun rund 43.500 Euro, heißt es seitens Gilead. Bisher kostete diese nach Angaben von Gesundheitsexperten mindestens 60.000 Euro. Für 24 Wochen würden ab sofort rund 87.000 Euro fällig - statt bisher rund 100.000.

Mehr wurde seitens der Verhandlungspartner bislang nicht mitgeteilt - der Umgang mit hochpreisigen Medikamenten wie eben der Hepatitis-Pille bleibt damit wohl noch weiter ein Thema.

Fotostrecke

8  Bilder
Neue Hepatitis C-Therapie: Was darf ein neues Leben kosten?

Es geht um wichtige Fragen: Was darf ein Medikamente kosten, das Heilung bringen kann? Wie ethisch bestimmt muss der Preis sein, wie stark dürfen wirtschaftliche Interessen die Rechnung bestimmen? Sovaldi wird in Großbritannien und Spanien nicht oder nur rationiert abgegeben. Die Leitlinien in den USA empfehlen, wegen begrenzter Ressourcen nur schwer kranke Patienten mit Sovaldi zu behandeln.

In Indien haben die Behörden den Patentantrag Gileads schlicht abgelehnt. Der Wirkstoff Sofosbuvir, auf dem Sovaldi basiert, sei "im Vergleich zu "bereits bekannten Molekülen nicht innovativ genug", teilte das Patentamt in Mumbai mit. Mit dieser Entscheidung steht es indischen Generikaherstellern frei, das Arzneimittel Sovaldi wirkstoffgleich nachzubauen, sie können es dann in Indien zu deutlich günstigeren Preisen anbieten.

Ganz ähnlich argumentiert das Netzwerk "Ärzte der Welt". Erstmalig für Europa hat die Organisation Einspruch gegen das Patent auf den Sovaldi-Wirkstoff Sofosbuvir eingelegt.

Konkurrenz könnte Situation leicht verbessern

In Deutschland könnten rund 300.000 Kranke mit Sovaldi therapiert und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch geheilt werden. Sie tragen den Typ des Hepatitis-C-Virus in sich, der mit der Pille behandelt werden kann. Starke Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Doch wegen der Kostendebatte verschrieben Ärzte die neue Pille bislang eher zögerlich, aus Angst vor möglichen Regressforderungen der Kassen.

Doch das könnte sich im Laufe des Jahres ändern, sagen Pharmaexperten, denn immer mehr Konkurrenzprodukte kommen auf dem Markt. Kurz nach Sovaldi von Gilead wurden im Sommer und Herbst 2014 mit Olysio von Janssen und Daklinza (Bristol-Myers Squibb) zwei weitere neue Pillen zugelassen - diese dürfen allerdings nicht allein gegeben werden, sondern sind immer noch Teil einer Kombinationstherapie. Dann hat Gilead selbst eine Kombinationstablette im Angebot. "Harvoni" muss allerdings meist mit dem alten Standardmittel Ribavarin gegeben werden. Die Kosten für die Kombipille sind damit ähnlich hoch wie bei Sovaldi.

Ärgster Konkurrent für Gilead auf dem Markt der Hepatitis-Mittel ist seit Kurzem der Pharmakonzern Abbvie. Dessen neue Hepatitis-C-Therapie, bestehend aus Viekirax und Exviera, wurde im Januar für Deutschland zugelassen. Beim Preis der interferonfreien Therapie liegt Abbvie nach Herstellerangaben unter den Kosten für Sovaldi und Harvoni - auch nach aktueller Rechnung. Das wiederum dürfte Gilead wohl mit dazu bewogen haben, bei Sovaldi auf die Angebote der deutschen Krankenkassen einzugeben.

Hepatitis C ist eine chronische Krankheit. Auf lange Sicht führt sie bei vielen Erkrankten zu schweren Leberschäden, Leberzirrhose oder Leberkrebs. In Deutschland sind rund 500.000 Menschen an Hepatitis C erkrankt. Bisherige Medikamente halfen nur einer Minderheit. Berüchtigt ist die Wirkstoffkombi Interferon und Ribavirin (siehe Kasten) - wegen ihrer starken Nebenwirkungen. Die Behandlung führt oft zu Depressionen, raubt den Schlaf und schädigt den Magen.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
zwoelftermann 12.02.2015
1. Alternative
Sollte der Artikel nicht auch die jüngst zugelassene Innovation von Abbvie erwähnen?
fcukvsa 12.02.2015
2. Liebe Krankenkassen:
-Bislang verlangte Hersteller Gilead pro Pille 700 Euro, über 24 Wochen kam schnell ein sechsstelliger Betrag zusammen. Das könne sich Deutschland nicht leisten - In Deutschland oder anderen zahlungswilligen Laendern! Z.B. in Indien kostet die Pille, vom selben Hersteller, ~7 Euro, die 24 Wochen Kur ~1800 Euro (plus/minus Waehrungskurschwankungen) Anstatt zu verhandeln und danach immer noch mehr als noetig zu zahlen, warum sonst waere der Rabatt geheim, bietet sich andere Alternativen an. Verschickt die zu Behandelnden! Macht ein Kooperationsabkommen mit Kliniken (nicht nur) in Indien. Kauft den Patienten ein Flugticket Da die nicht bettlaegrig sind, gebt denen 10 Euro am Tag Taschengeld Fliegt einmal, nach 12 Wochen, den naechsten Angehoerigen in der Eco fuer einen W-End Besuch ein. Freut euch, das ihr ca 80% von den reinen Medikamentenkosten in D. gespart habt. Alternative 2: Schickt den Patienten nach Indien. Lasst ihn von einem kooperierendem Arzt untersuchen, das Medikament verschreiben und fuer 90 Tage einkaufen. Fliegt den Patienten zurueck, der gibt diese Medikamente zur Ueberwachung seinem Arzt Fliegt ihn kurz vor Ablauf der 90 Tage erneut rueber, zweite Portion kaufen, retour! Freut euch, das die Med-Beschaffung ca. 3-4tsd Euro gekostet hat
fcukvsa 12.02.2015
3. Ach ja:
Zitat von fcukvsa-Bislang verlangte Hersteller Gilead pro Pille 700 Euro, über 24 Wochen kam schnell ein sechsstelliger Betrag zusammen. Das könne sich Deutschland nicht leisten - In Deutschland oder anderen zahlungswilligen Laendern! Z.B. in Indien kostet die Pille, vom selben Hersteller, ~7 Euro, die 24 Wochen Kur ~1800 Euro (plus/minus Waehrungskurschwankungen) Anstatt zu verhandeln und danach immer noch mehr als noetig zu zahlen, warum sonst waere der Rabatt geheim, bietet sich andere Alternativen an. Verschickt die zu Behandelnden! Macht ein Kooperationsabkommen mit Kliniken (nicht nur) in Indien. Kauft den Patienten ein Flugticket Da die nicht bettlaegrig sind, gebt denen 10 Euro am Tag Taschengeld Fliegt einmal, nach 12 Wochen, den naechsten Angehoerigen in der Eco fuer einen W-End Besuch ein. Freut euch, das ihr ca 80% von den reinen Medikamentenkosten in D. gespart habt. Alternative 2: Schickt den Patienten nach Indien. Lasst ihn von einem kooperierendem Arzt untersuchen, das Medikament verschreiben und fuer 90 Tage einkaufen. Fliegt den Patienten zurueck, der gibt diese Medikamente zur Ueberwachung seinem Arzt Fliegt ihn kurz vor Ablauf der 90 Tage erneut rueber, zweite Portion kaufen, retour! Freut euch, das die Med-Beschaffung ca. 3-4tsd Euro gekostet hat
Und freut euch drauf, das der Hersteller euch dann bei dem "verhandeltem" Preis um weitere 90% entgegenkommen koennte!
wassertitan 12.02.2015
4. Hepatitis C-Pille als Transparenz-Frage
Es wäre schön mal ein paar Zahlen über diesen Kompromiss zu erhalten. Die Techniker Krankenkassen monierte schon vor einiger Zeit, dass vor allem die stetig steigenden Arzneimittelkosten Schuld sind an zunehmenden Beiträgen. Zudem fordert sie von der Politik mehr Engagement. Doch warum hält Gesundheitsminister in dem Punkt die Füße still, anstatt sich immer neue Belastungen für die Beitragszahler auszudenken?
Peter Werner 12.02.2015
5. Nicht der Herstellungsprozess
Bezahlt wird nicht der Herstellungsprozess, sondern der Nutzen. Eine "herkömmliche" Behandlung von Hepatitis C dürfte bei wesentlich schlechterem Ergebnis wohl auch nicht gerade günstig sein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.