Herzinfarkt-Experiment Magnet lenkt Stammzellen ins Ziel

Mit Stammzellen können Ärzte die Schäden eines Herzinfarkts lindern - doch das Verfahren ist ungenau: Viele der wertvollen Zellen landen nach der Injektion weitab vom Ziel. Jetzt aber glauben Forscher, das Problem mit einem verblüffend einfachen Magnet-Trick lösen zu können.

Rattenherz: Stammzellen helfen bei der Regeneration von geschädigtem Gewebe
REUTERS

Rattenherz: Stammzellen helfen bei der Regeneration von geschädigtem Gewebe


Sie werden vom Immunsystem des Körpers nicht abgestoßen - deshalb haben adulte Stammzellen bei der Heilung und Reparatur von Organen ein besonders großes Potential. 2001 spritzte Gustav Steinhoff von der Universität Rostock weltweit zum ersten Mal einem Infarktpatienten bei einer Herzoperation Stammzellen direkt in den Herzmuskel, um die Folgen des Infarkts zu reparieren.

Inzwischen haben klinische Studien und die Langzeitbeobachtung der Patienten gezeigt, dass diese Therapie wirksam und frei von unerwünschte Nebenwirkungen ist. In einigen Fällen bei bestimmter Indikation übernehmen die Krankenkassen sogar die Kosten der Stammzelltherapie. Inzwischen ist es Forschern zumindest bei Mäusen auch gelungen, die ethisch weniger bedenklichen induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS, siehe Kasten links) dafür zu verwenden.

"Stammzellentherapien bilden ein großes Versprechen bei der Regenerierung von infarktgeschädigtem Herzgewebe", sagt Eduardo Marbán vom Ceders-Sinai Heart Institute in Los Angeles. Doch es gebe ein grundsätzliches Problem: "Wir haben festgestellt, dass 24 Stunden nach der Injektion lediglich zehn Prozent der Stammzellen sich in dem Bereich angesiedelt hatten, in dem sie eingebracht wurden." Das zumindest ist das Ergebnis einer Studie, die Marbán jetzt gemeinsam mit Kollegen in der Online-Ausgabe des Fachblatts "Circulation Research" veröffentlicht hat.

Die einfache Injektion von Stammzellen ohne Steuerungsmechanismus führte bisher zu starken Streuverlusten. Nach der Infusion in die Arterie gehen viele Stammzellen durch die Kombination zweier Vorgänge verloren: Der Blutfluss im Gewebe spült sie aus, und das Schlagen des Herzens presst sie zusätzlich aus dem Zielbereich.

Magnet lenkt Stammzellen

Doch die Wissenschaftler haben nun einen Ansatz gefunden, wie man die Reparaturzellen wesentlich zielgerichteter und genauer an die Stelle transportieren kann, wo sie auch heilen sollen. Die Idee dahinter ist denkbar einfach: Mit einem schlichten Spielzeugmagneten steuerten die Forscher die Stammzellen ans Ziel. In einem Tierversuch spritzten sie Ratten nach einem Herzinfarkt körpereigene Stammzellen ein, die mit winzigen, mikrometergroßen Eisenpartikeln verbunden waren. Mit der Anziehungskraft des Magneten lotsten sie dann die Zellen präzise in die Zielregion. Den Magneten führten die Mediziner für die Prozedur außerhalb des Körpers.

Im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren verdreifachte sich die Zahl der am geschädigten Gewebe angelagerten Stammzellen, schreiben die Forscher. Entsprechend effektiv sei auch der anschließende Heilungsprozess verlaufen. Die Ergebnisse des Tierversuchs sollen nun in einer Studie am Menschen überprüft werden, allerdings nicht vor 2011.

Im Juni 2009 hatten Kardiologen des Ceders-Sinai Heart Institute einem Herzinfarktpatienten in einer minimal-invasiven Operation Herzgewebe entnommen und daraus spezialisierte Herzstammzellen gewonnen. Üblich sind bisher nur Stammzellen aus dem Knochenmark. Einen Monat später wurden die stark vermehrten Zellen dem Patienten injiziert. Erst wenn die endgültigen Untersuchungsergebnisse dieser experimentellen Therapie im Frühjahr 2011 vorliegen, wollen die Wissenschaftler überlegen, wie die Magnetsteuerung von Stammzellen beim Menschen angewandt werden kann.

cib/ddp

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insgesamt 2 Beiträge
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pseudokater 09.04.2010
1. -
Technik die begeistert. Und das aus dem Spielzeug-Kasten.
jazzistoteles 09.04.2010
2. .
---Zitat--- Inzwischen ist es Forschern zumindest bei Mäusen auch gelungen, die ethisch weniger bedenklichen induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS, siehe Kasten links) dafür zu verwenden. ---Zitatende--- Es ist ethisch vollkommen unbedenklich (!), iPS zu verwenden, da sie aus adulten Stammzellen hergestellt werden.
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