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Herz-Kreislauf-Mittel: Roche verliert potentielles Milliarden-Medikament

Rückschlag für Roche: Der Pharmakonzern muss die Entwicklung eines neuen Herz-Kreislauf-Medikaments einstellen - die Wirkung erwies sich als zu gering. Damit gehen der Firma potentielle Gewinne in Milliardenhöhe verloren.

Roche-Werk in Basel: Dalcetrapib-Entwicklung eingestellt Zur Großansicht
REUTERS

Roche-Werk in Basel: Dalcetrapib-Entwicklung eingestellt

Basel - Der Pharmariese Roche muss sich von potentiellen Milliardeneinnahmen verabschieden. Die Schweizer beendeten die Entwicklung des Herz-Kreislauf-Medikaments Dalcetrapib. Das Cholesterinmittel blieb den Wirkungsnachweis in einer spätklinischen Studie schuldig, wie Roche am Montag mitteilte. Unabhängige Gutachter hätten daraufhin den Stopp der Entwicklung empfohlen.

Die Zürcher Börse reagierte am Montag mit einem Kursrückgang für die Roche-Papiere um mehr als drei Prozent. Sie gehörten damit zu den größten Verlierern unter den europäischen Gesundheitswerten und hatten wegen ihres großen Marktgewichts maßgeblichen Anteil an der Schwäche der Schweizer Börse.

Ursprünglich wollte Roche den Zulassungsantrag für Dalcetrapib im kommenden Jahr stellen. Das Medikament sollte die Produktion des "guten" Blutfetts HDL ankurbeln und das Infarkt- und Schlaganfallrisiko senken. An entsprechenden Medikamenten arbeiten auch die US-Konzerne Merck und Eli Lilly.

Wie Roche jetzt erklärte, senkt Dalcetrapib das Infarkt- und Schlaganfall-Risiko nicht stärker als bisherige Standardbehandlungen. In einer Studie mit 15.800 Probanden war die Wirkung des Medikaments als Zusatztherapie bei Patienten untersucht worden, die eine sogenannte stabile Herz-Kreislauf-Erkrankung haben und kürzlich ein akutes Koronarsyndrom erlitten hatten.

Wichtiger Wachstumstreiber verschwindet

Das Unternehmen räumte ein, es sei ein "sehr ehrgeiziges Ziel" verfehlt worden. Das Projekt sei zwar stets als ungewiss und risikoreich eingeschätzt worden, dennoch sei man vom ausbleibenden Nutzen enttäuscht. Sicherheitsbedenken gegen das Medikament habe das externe Prüfgremium allerdings nicht geäußert.

Roche-Forschungschef Jean-Jacques Garaud hatte im September erklärt, bei Dalcetrapib spreche man von einem Medikament mit einem Jahresumsatz in der Größenordnung von zehn Milliarden Dollar. Ein Roche-Sprecher sagte nun, der Konzern habe nie eine Umsatzschätzung für das Mittel gegeben.

"Mit dem Abbruch der Studie verschwindet ein bedeutender potentieller Wachstumstreiber für Roche ab 2014", sagte Analyst Martin Voegtli vom Broker Helvea. Sarasin-Analyst David Kägi verwies darauf, dass es sich um ein hochriskantes Projekt gehandelt habe. Die Rolle von HDL bei der Gefäßverkalkung werde bislang nur ungenügend verstanden.

2006 hatte der US-Konzern Pfizer mit einem Mittel Schiffbruch erlitten, das auf das gleiche Wirkprinzip wie Dalcetrapib setzte: In klinischen Tests hatte Torcetrapib den HDL-Spiegel zwar erhöht, es war aber zu einer Häufung von Todesfällen gekommen. Mit seinem Cholesterinsenker Lipitor erzielte Pfizer im Vorjahr trotz des Ablaufs des Patentschutzes im November 9,6 Milliarden Dollar Umsatz. Lipitor senkt die Produktion des "schlechten" Blutfetts LDL.

mbe/dpa/Reuters

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1. Tränen ?
stefanbodensee 07.05.2012
Muss ich weinen ? Nein, leider nicht, denn an anderer Stelle wird, gerade in Deutschland, den Patienten / Krankenkassen so gnadenlso das Geld aus der Tasche gezogen, daß ich für diesen Verlust hier nur wenig 'Trauer' zeigen kann, sorry ...
2. und?
seikor 07.05.2012
Zitat von sysopREUTERSRückschlag für Roche: Der Pharmakonzern muss die Entwicklung eines neuen Herz-Kreislauf-Medikaments einstellen - die Wirkung erwies sich als zu gering. Damit gehen der Firme potentielle Gewinne in Milliardenhöhe verloren. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,831793,00.html
mir fallen da auf Anhieb zwei Begriffe ein: - Schaumschläger - Vorschusslorbeeren Oder es wurde hier zu hoch gepokert, um wieder absahnen zu können. Wer soll jetzt hier Mitleid mit dieser armen Firma haben?
3.
cs01 07.05.2012
Das ist eben das normale Risiko einer Pharmafirma. Kein Grund zur Schadenfreude oder zum Mitleid. Das passiert halt.
4. Wie entlarvend ...
hajoschneider 07.05.2012
Zitat von sysopREUTERSRückschlag für Roche: Der Pharmakonzern muss die Entwicklung eines neuen Herz-Kreislauf-Medikaments einstellen - die Wirkung erwies sich als zu gering. Damit gehen der Firme potentielle Gewinne in Milliardenhöhe verloren. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,831793,00.html
Also auch der früher so kritische Spiegel betrachtet dieses Ereignis unter dem Aspekt des entgangenen Gewinnes für Roche. Wie ehrlich. Man hätte dieselbe Nachricht ja auch unter dem Gesichtspunkt des Verlustes bzw. je nach Standpunkt des Gewinnes für den Kranken aufmachen können.
5. Wert von Gesundheit wird an der Börse gemessen
Demokrator2007 07.05.2012
Zitat von hajoschneiderAlso auch der früher so kritische Spiegel betrachtet dieses Ereignis unter dem Aspekt des entgangenen Gewinnes für Roche. Wie ehrlich. Man hätte dieselbe Nachricht ja auch unter dem Gesichtspunkt des Verlustes bzw. je nach Standpunkt des Gewinnes für den Kranken aufmachen können.
Sie reden vom Spiegel, SpON ist "Kneipe umme Ecke". Allerdings sind SpON und die Wirtschaftspresse bei solchen Artikel dann doch ehrlicher, aktueller und /oder verständlicher als Pressemiteilungen von Pharmakonzernen: Roche in Deutschland - Pressemeldungen - Selektive CETP-Inhibition (http://www.roche.de/presse/meldungen/Selektive-CETP-Inhibition-Innovative-Strategie-in-der-kardiovaskulaeren-Sekundaerpraevention-Alle-1-2652.html?suche=Dalcetrapib&max=50&ber=Alle&sid=a8cc713182c2ae79b2e1f92e9b919d6a)
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