Hirnforschung Musizieren mindert Alterserscheinungen

Wer lange Jahre ein Musikinstrument spielt, kann auch im Alter davon profitieren. Eine Studie legt jetzt nahe, dass Musiker nicht nur ein stärkeres Gedächtnis besitzen, sondern unter schwierigen Bedingungen auch besser hören und verstehen können.

Klavierspiel: "Neuronale Verbesserungen bei musikalisch Trainierten"
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Klavierspiel: "Neuronale Verbesserungen bei musikalisch Trainierten"


Eine Unterhaltung in der Bahnhofshalle? Für viele ältere Menschen ist das extrem schwierig. Sie haben Probleme, Sprache in geräuschvoller Umgebung zu verstehen. Doch woran liegt das? Der altersbedingte Gehörverlust kann nach Ansicht von Forschern nicht die alleinige Ursache sein. Schließlich schneiden Probanden mit annähernd identischem Hörvermögen höchst unterschiedlich ab, wenn es um das Sprachverstehen bei hoher Geräuschbelastung geht.

"Lebenslanges musikalisches Training scheint Vorteile für mindestens zwei wichtige Fähigkeiten zu verleihen, die bekanntermaßen mit dem Alter nachlassen: Das Gedächtnis und das Vermögen, Sprache in Lärm zu hören", sagt Nina Kraus von der Northwestern University in Evanston (US-Bundesstaat Illinois). Hinweise darauf liefert eine kleine Studie mit Musikern und Nicht-Musikern, die Kraus zusammen mit Kollegen im Fachblatt "PLoS One" veröffentlicht hat. Die Ergebnisse legen nahe, dass Musik es fördert, wichtige Klangmuster aus dem Lärm herausfiltern und erkennen zu können.

Die Forscher hatten 18 Musiker und 19 Nicht-Musiker im Alter von 45 bis 65 Jahren einer Reihe von Tests unterzogen. Sie prüften das Vermögen, Sprache trotz lauter Geräuschkulisse zu verstehen, sowie Gedächtnisleistungen in verschiedenen Bereichen wie Hören und Sehen. Das Ergebnis: Musiker, die seit ihrem neunten Lebensjahr oder noch länger beständig ein Instrument spielten, schnitten in beinahe allen Bereichen besser ab.

Leistungen, die mit dem visuellen Arbeitsgedächtnis zusammenhingen, waren in beiden Gruppen vergleichbar. Das Musizieren und die damit verbundene Übung könnten demnach das altersbedingte Nachlassen bestimmter Fähigkeiten reduzieren, die mit dem Hören zusammenhängen.

"Die neuronalen Verbesserungen, die wir bei musikalisch Trainierten vorfinden, sind nicht einfach nur ein Verstärkungs- oder eine Art Lautstärkeregler-Effekt", sagt Kraus. "Zu musizieren fordert die Fähigkeit, relevante Muster separat zu erkennen, wie etwa den Klang des eigenen Instrumentes, Harmonien und Rhythmen." Dieses Feintuning des Nervensystems durch das Musizieren wirke sich offenbar ebenso positiv auf das Spracherkennungsvermögen aus.

chs/dapd



insgesamt 14 Beiträge
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Taoist 12.05.2011
1. DJs und Rapper
Dass das Spielen von Musikinstrumenten viele positive Effekte hat, ist bekannt. Nun würde mich interessieren, ob diese Phänomene auch bei Rappern, DJs und dergleichen von "traditionellen" Musikern häufig Geschmähten zu beobachten sind.
lifeartist 12.05.2011
2. Alles oder Nichts
Wer lange Jahre ein Musikinstrument spielt, kann auch im Alter davon profitieren. Eine Studie legt jetzt nahe, dass Musiker nicht nur ein stärkeres Gedächtnis besitzen, sondern unter schwierigen Bedingungen auch besser hören und verstehen können. Was mich überhaupt nicht wundert,da Musiker oder auch musikalisch geschulte Menschen meistens auch in Intelligenz-tests besser abschneiden(lt.neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen). Fragt sich nur,ob das bessere Gedächnis und das bessere Verständnis bei den betroffenen Personen nicht schon vorher vorlagen...(Henne-Ei-Problem). Ich jedenfalls bin davon überzeugt,dass musisches Training,in welcher Form auch immer,letztlich nicht vor Altersdemenz oder gar Alzheimer schützt. Letztlich gilt in der Natur immer das Alles oder Nichts "Gesetz";entweder man/frau erkrankt oder nicht.Ein dazwischen gibt es nicht!
karis 12.05.2011
3. Sowohl als auch
Es gibt nicht nur "Alles oder Nichts", es gibt auch "sowohl als auch" + eines ist für mich 100%ig klar, dass Musizierende sehr viele Fähigkeiten schulen, die in diesem Maße oder in dieser Kombination bei anderen Tätigkeiten keine Rolle spielen. Wobei allerdings die Qualität des Musizierens sicher auch eine Rolle spielt. Das reine "Geräuschemachen" ist ja nur peripher ein kreativer Akt, während die intensive Auseinandersetzung mit einem Musikstück und/oder einem Text, das Hineinfühlen + das "zum Leben erwecken" dieser schwarzen Pünktchen zwischen den Notenzeilen alle Sinne aktiviert. Wäre ein Wunder, wenn das ohne Wirkung auf Körper + Geist bliebe.
senfdazu 12.05.2011
4. Es gibt viele Möglichkeiten.......
Körper und Geist zu schulen und zu erhalten. Auch der tollste Musiker wird im Alter Probleme bekommen (durch einseitige Haltungen, etc.), wenn er nicht körperlich rege (Sport) ist. Auch Sportarten, die Beherrschung und Konzentration erfordern (Karate zum Beispiel)schulen umgekehrt auch den Geist. Nur in einem gesunden Körper, wohnt auch ein gesunder Geist.......
nino_de_las_pinturas 12.05.2011
5. "Wissenschaft"?!
Eine Studie mit 37 Probanden? Erlauben Sie, dass ich kurz auflache. Ich glaube, es ist jedem bewusst, das das keine wirkliche Aussagekraft haben kann. Es erinnert mich an "Versuche" von Kosmetika: 82% der Benutzerinnen würden diese Creme auch ihrer Freundin empfehlen (Studie über 1 Woche mit 11 Teilnehmerinnen). Was an diesem Artikel wissenschaftlich sein soll, ist mir allerdings noch nicht klar geworden.
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