Hirnforschung: Räumliches Sehen muss erlernt werden

Unsere 3-D-Fähigkeiten sind offenbar nicht von vornherein im Gehirn angelegt, sondern werden nach der Geburt nach und nach erlernt. Dies haben ungarische Forscher bei Experimenten mit Babys herausgefunden.

Frau mit 3-D-Brille: Fähigkeit im Schnitt vier Monate nach der Geburt entwickeltZur Großansicht
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Frau mit 3-D-Brille: Fähigkeit im Schnitt vier Monate nach der Geburt entwickelt

Budapest/Washington - Rechtes und linkes Auge sehen die Welt leicht unterschiedlich. Das Gehirn erstellt aus den beiden Ansichten ein dreidimensionales Bild. Es ermöglicht uns Menschen, die Entfernung von Objekten abzuschätzen oder - anders ausgedrückt -, die räumliche Tiefe wahrzunehmen.

Wie aber entwickelt sich diese Fähigkeit? Ist sie vielleicht angeboren? Ungarische Forscher bezweifeln dies. Sie glauben, dass Babys das räumliche Sehen vielmehr nach und nach erlernen. Frühgeborene könnten innerhalb einer vergleichbaren Zeitspanne nach der Geburt beidäugig sehen wie zum normalen Zeitpunkt geborene Babys, schreiben ungarische Forscher in den "Proceedings of the National Academy of Sciences". Das Gehirn sei dafür auf visuelle Reize angewiesen, folgern die Wissenschaftler.

Das Team um Ilona Kovacs von der Universität für Technologie und Wirtschaft in Budapest hatte das Sehvermögen von 30 Säuglingen getestet. Die 15 frühgeborenen Babys waren im Durchschnitt nach 31 Wochen auf die Welt gekommen, die 15 voll ausgereiften Neugeborenen nach 39 Wochen.

Die Wissenschaftler nutzten zwei Sehtests, bei denen die Babys Muster auf einem Bildschirm ansahen. Mithilfe von Elektroden auf dem Schädel wurden Veränderungen in den Nervenzellen gemessen. Sie geben Aufschluss darüber, ob alle am Sehen beteiligten Strukturen wie Netzhaut und Sehbahn im Gehirn gesund sind. Einer der beiden Tests funktionierte nur, wenn das beidäugige Sehen schon ausgereift war.

Die Frühchen waren gesundheitlich nicht zu stark beeinträchtigt, so dass die Forscher von intakten Sehfähigkeiten ausgingen. Elf bis zwölf Wochen nach der Geburt machten die Wissenschaftler die ersten Versuche, diese wurden monatlich wiederholt. Die Experimente endeten, wenn räumliches Sehen nachgewiesen werden konnte. Bei den Frühgeborenen hatte sich diese Fähigkeit im Schnitt nach 4,07 Monaten entwickelt, bei den anderen Säuglingen nach 3,78 Monaten. Die nahezu identischen Zeiträume werten die Forscher als Beleg dafür, dass das räumliche Sehen sich entwickelt, sobald die Augen regelmäßigen optischen Reizen ausgesetzt sind.

hda/dpa

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  • Dienstag, 19.06.2012 – 08:37 Uhr
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Kurzer Wegweiser durch das Gehirn
Als Gehirn bezeichnet man den im Kopf gelegenen Abschnitt des Nervensystems, der die zentrale Steuerungszentrale des Körpers bildet. Bei höher entwickelten Tieren bildet das Gehirn zusammen mit dem Rückenmark das Zentralnervensystem. In ihm sind die Sinneszentren und übergeordnete Schaltzentren (Koordinations- und Assoziationszentren) zusammengefasst. Es ist für die Ausbildung komplizierter Handlungsabläufe, für die Fähigkeit des Gedächtnisses und für die Ausprägung von Denken, Gefühlen, Bewusstsein und Intelligenz verantwortlich.






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