Illusionen Warum Menschen sehen, was sie hören

Manche Menschen glauben zu sehen, was sie hören. Eine neue Studie legt jetzt nahe, dass diese sogenannte Synästhesie mit einer bestimmten Struktur im Gehirn zusammenhängt. Wie sie die Täuschungen allerdings auslöst, ist weiter rätselhaft.

Auge: Manche Menschen glauben zu sehen, was sie hören
DPA

Auge: Manche Menschen glauben zu sehen, was sie hören


Jeder Mensch nimmt die Umwelt ein wenig anders wahr - und machen glauben gar zu sehen, was sie hören. Ihre visuelle Wahrnehmung wird derart durch die akustische beeinflusst, dass dadurch Illusionen hervorgerufen werden können. Die Anfälligkeit dafür hängt offenbar mit der Gehirnstruktur zusammen, fand ein Team um Benjamin de Haas vom University College London nun heraus. Menschen mit weniger grauer Substanz in bestimmten Bereichen des visuellen Cortex erleben solch eine Illusion demnach besonders oft. Zur grauen Substanz zählen Bereiche von Gehirn und Rückenmark, die im Schnittpräparat grau erscheinen und in denen überwiegend Nervenzellkörper liegen.

De Haas und seine Mitarbeiter ließen 29 Probanden auf einen Monitor schauen, auf dem ein- oder zweimal eine helle Scheibe für den Bruchteil einer Sekunde auf einem grauen Hintergrund aufblitzte. In einem Teil der Versuche bekamen die Probanden parallel dazu einen oder zwei kurze Pieptöne zu hören. Sie mussten dann angeben, wie viele Lichtblitze sie gesehen hatten. Den Forschern zufolge ist bereits bekannt, dass einige Menschen glauben, zwei Lichtblitze gesehen zu haben, wenn sie zwei Töne zu hören bekommen - obwohl nur ein Blitz gezeigt wurde.

Dies bestätigten auch die Versuche von de Haas. Einige Probanden erlebten die Illusion dabei fast immer, andere so gut wie nie, schreiben die Forscher im Fachblatt "Proceedings B" der britischen Royal Society. Durch Untersuchungen des Gehirns konnten sie zeigen, dass dies mit dem Volumen der sogenannten grauen Substanz im visuellen Cortex zusammenhängt: Je kleiner das Volumen, desto eher trat die Illusion demnach auf. Eine abschließende Erklärung haben die Forscher für das Phänomen noch nicht gefunden.

nik/dpa

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