Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Höchster Stand seit zehn Jahren: Deutschland weitet Tierversuche aus

2,86 Millionen Tiere wurden im vergangenen Jahr in der Bundesrepublik im Namen der Forschung für Experimente eingesetzt - damit liegt die Zahl der Versuche an Mäusen, Ratten, Fischen, Pferden und Hunden so hoch wie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Tierschützer sind empört.

Makaken-Affe im Institut für Hirnforschung an der Universität Bremen (Archivbild) Zur Großansicht
AP

Makaken-Affe im Institut für Hirnforschung an der Universität Bremen (Archivbild)

Berlin/Bonn - Alle elf Sekunden stirbt nach Angaben des Tierschutzbundes ein Tier im Labor. Und es werden immer mehr: Die Zahl der Tierversuche in Deutschland hat den höchsten Stand seit mindestens zehn Jahren erreicht. Im Jahr 2010 wurden rund 2,86 Millionen Tiere für Tests und andere wissenschaftliche Zwecke eingesetzt, wie das Bundeslandwirtschaftsministerium auf seiner Internetseite mitteilte. Im Vorjahr waren es noch 70.000 Tiere weniger.

Betroffen waren vor allem Mäuse, Ratten, Fische und Vögel. Zum zweiten Mal in Folge wurden auch mehr Pferde, Esel und Maultiere für Tests benutzt. Die Anzahl der Hunde ging auf 3000 zurück, die der Katzen blieb konstant bei 800 Tieren. Bei den Affen kletterte die Zahl um fast 500 auf 2800 Tiere. Die Zahlen umfassen alle Wirbeltiere, unabhängig von der Schwere des jeweiligen Eingriffs. Dazu zählt sowohl eine Blutentnahme als auch ein operativer Eingriff oder ein Arzneimitteltest.

Die veröffentlichten Zahlen reichen bis ins Jahr 2000 zurück. Damals wurde noch an 1,8 Millionen Tiere getestet und experimentiert. Inzwischen sind die Zahlen zum siebten Mal in Folge gestiegen. Allein 50.000 zusätzliche Fische kamen zum Einsatz. Dabei gewinnt die Gentechnik zunehmend an Bedeutung: In diesem Forschungsbereich wurden im vergangenen Jahr 115.000 zusätzliche Mäuse, Ratten, Kaninchen, Schweine und Fische gentechnisch verändert und in Versuchen eingesetzt.

Das Ministerium begründete den Trend mit dem Ausbau des Forschungsstandortes Deutschland. Zwei Drittel aller eingesetzten Versuchstiere dienten der Erforschung von Krankheiten bei Mensch und Tier, hieß es. Der Deutsche Tierschutzbund sprach am Mittwoch hingegen von einem "Fazit jahrelangen Aussitzens" und einem politischen Skandal. "Wir wollen ein eigenes Gesetz für den Umgang mit Labortieren, zumindest solange es Tierversuche noch gibt", sagte Verbandspräsident Thomas Schröder. Bei der Umsetzung der EU-Richtlinie müssten alle Möglichkeiten genutzt werden, um Tierversuche endlich wirksam einzuschränken.

Nach Darstellung des Ministeriums kann die Wissenschaft trotz des vermehrten Einsatzes von Alternativen nicht auf Tierversuche verzichten. Den Angaben nach dürfen in Deutschland grundsätzlich nur Wirbeltiere für Tests benutzt werden, die für solche Zwecke extra gezüchtet wurden. Ausnahmen gibt es bei landwirtschaftlichen Nutztieren und Fischen. Außerdem muss der Tierversuch ethisch vertretbar sein. So seien Tierversuche zur Entwicklung von Waffen, Tabakerzeugnissen, Waschmitteln und Kosmetika verboten.

lgr/dapd

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 65 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. d
Steinwald 02.11.2011
bin edefinitiv fuer ein komplettes verbot aller tierversuche. ganz zuvörderst an affen, da müssen sich unsere forscher, denen ich fuer alles sonst sehr danke, wirklich einfach bittschön mal anstrengen und nach alternativen suchen, das muss doch hergoott nochmal moeglich sein. affenversuche sind schlicht pervers, egal, wie hilfreich.
2. Recherche...
1berliner 02.11.2011
"Den Angaben [des Ministeriums] nach dürfen in Deutschland grundsätzlich nur Wirbeltiere für Tests benutzt werden, die für solche Zwecke extra gezüchtet wurden. Ausnahmen gibt es bei landwirtschaftlichen Nutztieren und Fischen. Außerdem muss der Tierversuch ethisch vertretbar sein. So seien Tierversuche zur Entwicklung von Waffen, Tabakerzeugnissen, Waschmitteln und Kosmetika verboten." Das ist so, dazu hätte ein Blick in das Tierschutzgesetz genügt - folglich kann man auch auf den Konjunktiv verzichten. Soviel Recherche muss sein...
3. "ausserdem...
Neinsowas 02.11.2011
...muss der Tierversuch ethisch vertretbar sein"... Kein Tierversuch ist °ethisch° vertretbar! Wer bestimmt denn, was ethisch ist und was nicht? Arme Affen!
4. konsequent
elesha 02.11.2011
Ja, die armen Tiere, dabei sind die doch so süß! Und die bösen Forscher quälen ohne Rücksicht auf Verluste! Mal ehrlich, ich habe noch keinen Tierschützer erlebt, der selber auf Medikamente verzichten würde, weil diese an Tieren getestet wurden - oder sie vielleicht einfach selbst testet! Es ist ja nicht so, dass Wissenschaftler aus Bequemlichkeit weiter Tierforschung betreiben - dafür ist sie zu teuer, langwierig, umständlich und mit Unsicherheiten behaftet. Dass man Tierforschung braucht, wenn man sich Fortschritt wünscht, steht also außer Frage. (Man kann natürlich auch auf den Fortschritt verzichten, das ist die andere Möglichkeit - aber dann muss man damit auch konsequent sein.) Viel entscheidender sind m.M.n. die Umstände, unter denen solche Experimente gemacht werden. Viele Tiere leiden sicherlich sehr, viele andere aber weit weniger als das durchschnittliche Haustier eines Zwölfjährigen, oder gar Tiere in der Lebensmittelproduktion. Aber solchen feinen Unterschieden wird man mit dem bloßen Auflisten von Zahlen eben nicht gerecht.
5. Böse böse Forscher
stumpen89 02.11.2011
Zitat von Steinwaldbin edefinitiv fuer ein komplettes verbot aller tierversuche. ganz zuvörderst an affen, da müssen sich unsere forscher, denen ich fuer alles sonst sehr danke, wirklich einfach bittschön mal anstrengen und nach alternativen suchen, das muss doch hergoott nochmal moeglich sein. affenversuche sind schlicht pervers, egal, wie hilfreich.
Ja, die bösen bösen Forscher sind wirklich verdammt faul und ruhen sich auf ihren Tierversuchen aus, die ja total ohne Probleme und Kontrollen durchgeführt werden, nur zum Spaß! Diese Schweine! Ich befinde mich in Ausbildung und musste vor kurzem zu Forschungszwecken mehrere Hühnerembryonen töten: es war verdammt schwer, dies zu tun. Ich fühlte mich definitiv nicht gut dabei. Also bitte: erst nachdenken, bevor man Mist schreibt...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Zelle statt Tier: Forscher tüfteln an alternativen Methoden


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: